Sinnvoll, Person über ihre Krankheit zu belügen?

vom 22.03.2016, 09:45 Uhr

Ich habe mal eine Szene in meiner Lieblingsserie mitbekommen, wobei dort eine junge Frau Angst hatte, dass sie genauso an Huntington, einer genetischen Krankheit ohne Heilungschancen, erkranken könnte wie ihre Mutter. Sie hat bei ihrer Mutter beobachten können, wie die Krankheit verläuft und wie die Mutter im Endeffekt dahin vegetiert ist, sodass sie Angst hat, dass sie genauso enden könnte.

Ihre Freundin, die Ärztin ist, überredet sie dazu, einen Test machen zu lassen, damit sie Gewissheit hat. Als das Ergebnis da ist und sich bestätigt, dass die junge Frau Huntington hat, wird sie von ihrer Freundin belogen. Ihre Freundin sagt einfach, dass sie kerngesund sei, weil sie Angst hat, dass die junge Frau sich etwas wegen der Diagnose antun könnte.

Haltet ihr es für sinnvoll, Personen über mögliche Krankheiten und Diagnosen zu belügen? Würdet ihr das vielleicht auch machen, wenn ihr Sorge hättet, dass sich die betroffene Person etwas antun könnte? Oder ist es falsch, eine Person über ihre Gesundheit anzulügen?

» Capri » Beiträge: 658 » Talkpoints: 8,00 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Ja, klar würde ich das machen. Ich will nicht das meine Freunde mich anders behandeln, anders sind nur weil ich krank bin. Also ab einem bestimmten Stadium sollte man es sagen aber davor macht man alle nur verrückt. Wie mein Dad. Der hatte im hohen Alter Krebs und schwup - ein halbes Jahr später war alles weg und er ist super fit und lebensfroh. Also man weiß nie wie so was verläuft deswegen keinen verrückt machen.

» MariaLovesPets » Beiträge: 3 » Talkpoints: 0,79 »


Ich halte es wiederum in den meisten Fällen für unethisch, eine Person über eine Krankheit zu belügen, gerade wenn es ans Leben geht. Eine Ausnahme würde ich bei geistig eingeschränkten Leuten machen, die sich sowieso schwer damit tun würden, eine Nachricht von der Tragweite zu verstehen, geschweige denn zu verarbeiten. Sprich, einem 95-jährigen Demenzpatienten würde ich nicht mehr mit der Aussage belasten, dass er Prostatakrebs hat und in seinem Alter keine Behandlung mehr vertragen würde. Aber einen rüstigen Rentner um die 75? In jedem Fall.

In meinen Augen hat man einfach kein Recht dazu, andere Leute auf diese Art zu entmündigen und ihnen ihre Entscheidungsfreiheit zu nehmen, dass man sie in derart elementaren Fragen, die ihr Leben entscheidend beeinflussen, im Dunkeln lässt, sei es auch noch so "gut gemeint".

Natürlich ist jede Krankheitsdiagnose ein Schock, aber ich halte es für völlig verwerflich, einem Menschen beispielsweise die Chance zu nehmen, die Dinge noch zu erleben oder zu erledigen, die ihm wichtig sind, weil ich ihm immer wieder einreden würde, dass er oder sie schon wieder gesund wird, bis es zu spät ist.

Und gerade bei Chorea Huntingdon und vergleichbaren Erbkrankheiten ist die Chance, dass - "schwup" - alles wieder gut ist und die Diagnose reine Panikmache war, leider verschwindend gering. Spätestens wenn sich die ersten Symptome bemerkbar machen, wird sich die so belogene Person um so mehr in den sprichwörtlichen Hintern beißen, weil sie in der Zwischenzeit vielleicht zwei kleine Kinder in die Welt gesetzt hat oder sich damit abfinden muss, dass die Reise nach Australien in diesem Leben nicht mehr stattfinden wird.

Außerdem finde ich, dass es durchaus einen Unterschied macht, ob man gleich mit Prognosen um sich wirft im Sinne von "Sie haben noch drei Monate zu leben" oder zumindest die Diagnose wahrheitsgemäß mitteilt. Wenn man einen Patienten quasi gleich mit der Diagnose für tot erklärt, halte ich dieses Vorgehen auch für inhuman und wenig hilfreich.

Aber eiskalt zu behaupten "Nein, sie haben keinen Krebs", obwohl das Gegenteil der Fall ist, kommt in meinen Augen überhaupt nicht in Frage, solange der Betroffene psychisch und geistig auf der Höhe ist. Jeder hat schließlich das Recht zu erfahren, wie es gesundheitlich um einen bestellt ist und muss die entsprechenden Entscheidungen treffen. Selbstmord zählt außerhalb von Fernsehserien sowieso nur äußerst selten dazu.

» Gerbera » Beiträge: 7789 » Talkpoints: 5,80 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Wie stellst du dir dieses Szenario denn in der Realität vor? Ich meine, ganz davon abgesehen, dass man medizinische Testergebnisse eigentlich in schriftlicher Form für seine Unterlagen bekommt und Kopien an den Hausarzt und eventuell an den Facharzt gehen, wäre eine erfolgreiche Lüge doch fatal für den Patienten.

Ich weiß nun nicht, was für Symptome diese Krankheit hat, aber es wird sicher welche geben, die sich auch irgendwann einstellen, wenn man erkrankt ist. Wenn man dann davon ausgeht, dass man diese Krankheit mit Sicherheit nicht hat, wird man doch unter Umständen total falsch behandelt.

Und was passiert dann, wenn die falsche Behandlung nicht anschlägt, sich der Zustand weiter verschlechtert, die falsche Behandlung vielleicht sogar Schaden anrichtet? Was passiert, wenn ein anderer Arzt doch noch mal einen Test durchführt und die Krankheit, die man angeblich nicht hat, festgestellt wird? Wer wird dann wohl zur Verantwortung gezogen werden? Die gute Freundin, die gelogen hat.

Da zeigt sich doch mal wieder, dass Lieblingsserien mit der Realität nicht wirklich viel zu tun haben.

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» Cloudy24 » Beiträge: 22721 » Talkpoints: 55,00 » Auszeichnung für 22000 Beiträge



Ich weiß gar nicht, ob ich es wissen wollen würde, wenn ich wirklich unheilbar krank wäre und möglicherweise früher oder später an dieser Krankheit sterben würde. So gesehen würde das früher oder später ja doch herauskommen und wäre es dann nicht besser, es von Anfang an gewusst zu haben?

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» Täubchen » Beiträge: 31884 » Talkpoints: 2,72 » Auszeichnung für 31000 Beiträge


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