Sind Kinder eine Garantie gegen Einsamkeit?

vom 17.10.2017, 15:07 Uhr

Eine Bekannte von mir ist sehr kinderlieb und sie ist der felsenfesten Überzeugung, dass Kinder sehr wichtig sind. Wenn man selbst keine Kinder bekommen würde, dann würde man hinterher im Alter einsam sein und es bereuen. Sie ist in dieser Hinsicht sehr radikal.

Ich sehe das jedoch anders. Denn wir leben im Zeitalter der Globalisierung. Es gibt keine Garantie, dass die Kinder ewig in der Nähe der Eltern wohnen bleiben, selbst wenn diese erwachsen und selbstständig sind. Man geht vielleicht im Ausland arbeiten oder aber man findet Arbeit am anderen Ende Deutschlands. Vielleicht hat man auch genug eigene Sachen zu tun, wenn die Kinder selbst Familien gegründet haben und mit der Erziehung beschäftigt sind. Wie seht ihr das? Sind Kinder eine Garantie gegen Einsamkeit im Alter? Oder ist das Blödsinn?

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» Täubchen » Beiträge: 33313 » Talkpoints: 0,01 » Auszeichnung für 33000 Beiträge



Ich denke weder, dass Kinder eine Garantie gegen Einsamkeit sind, noch, dass kinderlose Menschen im Alter einsam sind. Ich selbst wohne immerhin auch gut 500 bis 600km von meinen Eltern entfernt, weil ich so weit weg studiere, und wo es mich danach hinverschlägt, weiß ich noch nicht. Vielleicht wieder näher Richtung Heimat, aber vielleicht auch noch eine ganze Ecke weiter weg. Wenn ich also unter Umständen mehrere tausend Kilometer entfernt wohne, wie sollte das meinen Eltern gegen Einsamkeit helfen?

In die andere Richtung gesehen gibt es doch auch für ältere Menschen noch Möglichkeiten, andere Leute kennenzulernen. Mein Großvater hat erst vor wenigen Jahren mit dem Malen begonnen und nimmt darin auch Unterricht, wo er sich mit den anderen Schülern, die meines Wissens nach wohl auch größtenteils eher älter sind, austauschen kann. Nun waren die ersten Malutensilien ein Geschenk meiner Tante und somit seiner Tochter, aber wäre er auch anders auf diese Idee gekommen, so wäre er sicher auch ohne Kinder nicht einsam.

» Kalu-chan » Beiträge: 718 » Talkpoints: 11,85 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Kinder ziehen doch heutzutage oft weit weg, sehen die Eltern nicht mehr oft. Gegen Einsamkeit im Alter kann man doch nur selber wirken, man muss eben ein Hobby suchen, eine Erfüllung suchen und dann ist man auch nicht einsam. Freunde schützen vor Einsamkeit, aber kein Kind ist verpflichtet bis zum Tod der Eltern bei diesen ständig da zu sein. Ich denke, dass man da nur selber entgegenwirken kann.

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» Ramones » Beiträge: 40395 » Talkpoints: 16,47 » Auszeichnung für 40000 Beiträge



Als wenn weites weg ziehen ein Problem wäre. Hier wurde die Globalisierung mit angesprochen, es gibt Kommunikationswege wie Telefon und Internet, für die Zukunft ist noch etwas ganz anderes denkbar, dass man auch von A nach B kommt binnen weniger Stunden. Denkt mal an die Überschallpassagierflugzeuge die bereits 2040 Realität sein sollen, von denen es heute schon Prototypen gibt und damit kommt man von Australien nach Deutschland in 1,5 Stunden. Da muss man echt ein wenig weiter Denken und nicht meinen, dass Entfernung noch lange ein großes Problem sein wird.

Eher sollte man ins Auge fassen, dass Kinder sich auch abwenden können und gar keinen Kontakt mehr haben wollen. Ich bin ein gutes Beispiel dafür, meine Erzeuger lassen mich dermaßen kalt, dass ich seit Jahren keinen Kontakt pflege und auch nicht die Absicht habe, dass ich das jemals wieder aufleben lassen würde. Wo ist da die Garantie gegen die Einsamkeit? Was bringt mir die Globalisierung dann, auch wenn die Eltern vor der Tür stehen würde die Tür nicht aufgemacht werden oder direkt wieder zu gemacht werden. Das kannst du nicht erzwingen, nicht kaufen und auch anderweitig nicht kitten wenn ein Verhältnis dermaßen in die Brüche gegangen ist.

Kinder sind keine Garantie gegen die Einsamkeit, wie kein Lebewesen im übrigen. Viel mehr ist es die Art und Weise wie man sich beschäftigt. Sitzt man nur Zuhause in seiner Bude und wälzt sich im Mitleid, dann ist eine Person die ab und an kommt, dann schon etwas nettes. Aber müssen das Kinder sein? Oder kann es nicht auch eine Freundin sein, der Krankenpfleger und was weiß ich alles? Hat man etwas in seinem Leben, an dem man sich halten kann, an dem man Spaß hat und sich damit auch beschäftigt, dann ist das das Mittel gegen die Einsamkeit.

Für den einen ist das die Gartenarbeit, der andere arbeitet, ein anderer schafft sich Haustiere an da er Tierlieb ist und ein anderer meint mit Kindern das zu erreichen. Aber immer wenn etwas lebendes, denkendes mit im Spiel ist, was seine eigenen Entscheidungen trifft, kann man das nicht als Garantie sehen, dass es auch so bleibt bis in jedes Alter.

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» Sorae » Beiträge: 19472 » Talkpoints: 9,68 » Auszeichnung für 19000 Beiträge



Kinder mögen in ihren ersten Jahren eine Garantie dafür sein, dass man nicht einsam ist, aber ab der Pubertät sieht das bei vielen anders aus. Jetzt haben die Kinder ihre ganz eigenen Vorstellungen davon, was sie täglich mit Kumpels und Freundin tun wollen, als ihre Eltern. Sie gehen länger und öfters weg, sind unterwegs, schlafen wo anders usw. Das beginnt also sehr wohl und da ist es dann auch dahin mit rundum die Uhr das Kind zu bemuttern etc.

Sobald sie ausgezogen sind, ist dann auch die Einsamkeit wieder da und nur weil man später im Altenheim hockt, heißt selbst das nicht, dass es mit dem Kind dann wieder besser wird. Manche kommen dann auch als alleine ins Altenheim und keiner kümmert sich wirklich. Kennt man doch jetzt auch nicht erst seit gestern und in meiner Familie zum Beispiel auch mehrfach trotz 1-3 Kinder pro Familie aufgetreten.

Wer jedoch Kinder im allgemeinen als Garantie für die Einsamkeit sieht, der hat ein anderes Problem. Nämlich das Problem nicht alleine sein zu wollen oder zu können. Kinder sollten niemals aus diesem Grund gemacht werden, weil das ist für mich jedenfalls der falsche Gedanke. Ich kann dem nichts abgewinnen.

Bei uns in der Familie gab es auch mehrere kinderlose Frauen, die waren aber nicht allein und waren super glücklich, dass sie das so gemacht haben. Pauschal wäre es also falsch zu behaupten, dass man immer einsam ist, wenn man keine Kinder hat und dies bereuen wird.

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» Kätzchen14 » Beiträge: 4940 » Talkpoints: 2,69 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


Nein. Wenn alles gutgeht, hat man im Alter eine etwas bessere Chance auf Besuch im Seniorenheim oder Hilfe im Alltag, wenn man Nachwuchs hat. Aber ich habe es beispielsweise bei meinen Großeltern gesehen - so viele ihrer Mitbewohner im Seniorenheim hatten Kinder und Enkel ohne Ende. Und wann gab es Besuch? An Feiertagen, am Geburtstag und maximal noch am Muttertag. Von "Garantie" war da schon mal keine Spur.

Außerdem macht es meiner Erfahrung nach einen Riesenunterschied, ob man Söhne oder Töchter hat - ich kenne etliche Frauen, die sich daheim um ihre alten Eltern UND manchmal sogar Schwiegereltern kümmern, aber keinen einzigen Mann, der tatsächlich tagaus, tagein kocht oder im Haushalt hilft oder Medikamente vorbereitet. Die haben alle Besseres zu tun - schließlich haben sie anspruchsvolle Jobs oder eine eigene Familie. :roll:

Außerdem besteht ja auch immer die Gefahr, dass sich Familien zerstreiten. Dabei ist es oft egal, wer "schuld" hat - nicht immer vertragen sich Eltern und Kinder bis an ihr Lebensende. Und ich kenne auch genügend Geschichten von Eltern, die ihre Kinder 20 Jahre lang schikaniert haben, um dann den Rest ihres Lebens zu jammern, dass sich die undankbare Bagage vom Acker gemacht hat und keinen Bock auf Anstandsbesuche hat.

Und ich persönlich finde es ehrlich gesagt auch ziemlich egoistisch, wenn man beim Kinderkriegen schon darauf schielt, dass selbige mich dann im Alter versorgen sollen. Natürlich ist es schön, wenn man ein gutes Verhältnis zueinander hat, und die erwachsenen Kinder gerne zu Besuch kommen und auch helfen, wenn es mal nötig werden sollte. Aber eigentlich bin ich der Meinung, dass jeder selbst dafür verantwortlich ist, für den Alters- oder Krankheitsfall vorzusorgen und nicht pauschal davon auszugehen, dass das die Kinder mal übernehmen.

Vielleicht wandern die schließlich nach Australien aus oder werden selber hilfsbedürftig? Was machst du dann, wenn du dir keine eigenen Sozialkontakte und Hilfsangebote gesucht und entsprechend Vorsorge getroffen hast?

» Gerbera » Beiträge: 8294 » Talkpoints: 1,49 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


Ich kann das mit der Pubertät nur bestätigen. Die Kinder ziehen sich immer mehr zurück, man ist ihnen peinlich und sie möchten am liebsten überhaupt nichts mehr von einem wissen. Wenn sich das ganze gelegt hat sind die Kinder meistens schon in einer Beziehung oder haben eine Ausbildung abgeschlossen und stehen auf eigenen Beinen.

Da es heutzutage immer leichter wird, zu reisen oder sich woanders etwas aufzubauen, bleiben die Kinder nicht mehr im eigenen Haus oder in der eigenen Wohnung, so wie es vielleicht noch vor einem halben Jahrhundert der Fall war. Somit hat man wieder nichts davon, wenn man einmal alt ist. Außerdem sind viele Menschen im Alter so pflegebedürftig, dass es alleine schon mit der ständigen Berufstätigkeit von Mann und Frau und Eltern und Kindern gar nicht mehr möglich ist, seine Angehörigen zu pflegen.

Außerdem kommt da eine Fachkraft aus dem Ausland billiger. Klingt komisch, ist aber so. Da muss ich mir keine Kinder anschaffen, denn wenn ich es hochrechne, kommen sie mich teurer als eine Altersvorsorge, die ich selber bezahlen muss und im Endeffekt sind diese nicht einmal ein Garant dafür, dass ich dann wirklich im Alter jemanden habe, der mich pflegt und sich um mich kümmert.

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» nordseekrabbe » Beiträge: 8574 » Talkpoints: 67,56 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Ich denke im Allgemeinen, dass Menschen in der Nähe nicht zwangsläufig bedeuten, dass sich jemand nicht einsam fühlt. Denn auch ein überfüllter Raum mit vielen Menschen kann trotzdem einsam fühlen lassen.

Deswegen denke ich auch nicht, dass Kinder eine Garantie dafür sind, dass man im Alter nicht einsam ist oder sich einsam fühlt. Einsamkeit ist eine Sache der Einstellung meiner Meinung nach. Ich habe einige Bekannte, die alleine durch die Welt reisen und dabei total glücklich und mit sich im Reinen sind.

» Aguti » Beiträge: 914 » Talkpoints: 3,96 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Man sagt ja immer Blut ist dicker als Wasser, aber ich finde heutzutage kann man den Familienzusammenhalt nicht mehr mit dem zu früheren Zeiten vergleichen. Da haben oft mehrere Generationen in einem Haus gewohnt und sich gegenseitig umeinander gesorgt. Da hat es dann Sinn gemacht sich um Nachfahren zu kümmern.

Heutzutage macht jeder sein Ding. Familie kommt da oft zu kurz und letztendlich schafft man es auch , sich mit 5 Kindern einsam zu fühlen wenn man nicht selbst aktiv ist. Meiner Oma geht es zum Beispiel auch so. Sie wohnt in einem riesen Haus mitten auf dem Land und keines ihrer Kinder hat wirklich Zeit für sie. Ich versuche sie regelmäßig anzurufen und so ein bisschen zu reden, aber für regelmäßige Besuche fehlt mir auch die Zeit (sie wohnt zu weit weg für nen Spontanbesuch).

Ich habe inzwischen auch viele Freundinnen die sich gegen Kinder entscheiden. Denen geht ihre Freiheit und ihre berufliche Karriere einfach vor. Ich kann deren Sicht der Dinge auch ein Stück weit nachvollziehen und denke wie gesagt, einsam kann man sich nur selbst machen.

» EngelmitHerz » Beiträge: 272 » Talkpoints: 30,79 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Vielleicht sollte man erst mal differenzieren. Denn Kinder und Enkel müssen nicht gleich um die Ecke wohnen, um sich zu kümmern. Wichtiger ist doch der regelmäßige Kontakt. Ich zum Beispiel wohne auch ein ganzes Stück von meiner Mutter entfernt und sehe sie nur alle paar Wochen mal. Aber wir telefonieren täglich. So kann sie mich bei manchen Dingen auch um Rat fragen oder ich sie. Familie, die sich regelmäßig bei den Ältesten meldet und den Kontakt auch von sich sucht, ist wichtig.

Allerdings gibt es auch viele Menschen, welche sich früher bewusst gegen Kinder entschieden haben, die heute darüber jammern. Ich habe da erst vor einiger Zeit mitbekommen, dass eine ältere Dame ihre Nachbarinnen im ähnlichen Alter beneidet, wo es regelmäßigen Kontakt mit Kindern und Enkeln gibt. Sie hat aber auch nicht sehen wollen, was diese Frauen mit Vollzeitjob und 3 bis 4 Kindern früher geleistet haben. Insgesamt war aber diese Frau auch einsam, trotz vieler Bekannter.

Aber wie auch schon geschrieben wurde, es gibt keine Garantie, dass die Kinder und Enkel wirklich den Kontakt halten. Gründe dafür gibt es viele und oft kann man das auch beobachten, wo mehrere Kinder da sind, da sich nur ein Kind kümmert und die Geschwister da weniger Interesse zeigen.

» Punktedieb » Beiträge: 16554 » Talkpoints: 85,63 » Auszeichnung für 16000 Beiträge


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