Sind Benzodiazepine den Drogen gleichzusetzen?

vom 17.11.2014, 23:19 Uhr

Warum haben Benzodiazepine einen so schlechten Ruf? Sie wirken antidepressiv und angstmindernd. Leiden Menschen unter gravierenden Angstzuständen könnte diese Medizin helfen, wenn sie genau nach Anweisung des Arztes eingenommen wird.

Ein ehemaliger Nachbar, den ich traf, wirkte irgendwie nicht von dieser Welt und er sprach sehr langsam. Er erzählte mir, dass der Arzt ihm Drogen verschrieben habe gegen seine Angstzustände, die ihn total ermüdeten. Dann sprach er von Benzodiazepinen, die er nun einnehmen sollte. Irgendwie kann ich mir das nicht vorstellen. Sind das wirklich Drogen oder nur starke Tabletten?

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Das Problem an den Benzos, wie sie auch genannt werden, ist, dass sie sehr schnell hochgradig abhängig machen. Sie wirken auch nicht wirklich antidepressiv, aber dämpfend. Teilweise sogar sehr stark dämpfend. Teilweise werden sie auch als Schlafmittel benutzt. Und manche Schlafmittel sind sogenannten Benzodiazepinderivate. Zwar nur Derivate, aber nicht weniger gefährlich.

Benzos werden oder wurden gerne in Psychiatrien benutzt, um Patienten sozusagen ruhig zu stellen. Wobei da Benzos sicherlich noch eines der harmlosen Mittelchen sind. Die Dosierung macht es oftmals. Heute wenden sich viele Psychiatrien von den Benzos ab, eben weil sie so schnell hochgradig abhängig machen und es mittlerweile Medikamente gibt, die eine ähnliche Wirkung haben, bei denen bisher keine Abhängigkeitserscheinungen bekannt sind. Ok offiziell machen diese nicht abhängig - aber ich persönlich denke ja, das besagte Medikament ist noch nicht so lange auf dem Markt, mal sehen was man in zwanzig Jahren dazu sagt.

Im nicht psychiatrischen Bereich werden Benzo leichter eingesetzt, da man sich der Gefahr wohl nicht wirklich bewusst ist. Ich habe einen Bekannten, mit einer Suchterkrankung, der auf einer allgemeinen Station mit Benzos behandelt wurde und danach noch eine Benzo-Abhängigkeit hatte, für die er dann eine Entzugsbehandlung brauchte.

Meine Mutter bekam in ihren letzten Lebenswochen auch Benzos. Ich stand dem erst auch skeptisch gegenüber. Allerdings sprach ich mit einem Psychiater da drüber und der meinte zu mir, dass wichtigste sei, einem Menschen in der Situation meiner Mutter, die Angst zu nehmen. Damals war mir auch nicht bewusst, wie abhängig Benzos machen. Was aber im Fall meiner Mutter auch egal gewesen wäre, da absehbar wird, dass sie sterben wird.

Generell sind Benzos mit Vorsicht zu genießen. Ich lehne reine Benzos mittlerweile ab. Wobei die bei mir eh nicht das machen, was sie machen sollen. Somit sind sie sinnlos und ich riskiere keine weitere Medikamentenabhängigkeit.

» LittleSister » Beiträge: 10426 » Talkpoints: -11,85 » Auszeichnung für 10000 Beiträge


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