Sich vor Menschen, die sehr freizügig leben, ekeln

vom 11.04.2015, 23:59 Uhr

Neulich auf Arbeit habe ich Reste eines Essens geschenkt bekommen, was man aber noch warm machen muss. Da ich ja keinen Herd habe, habe ich einen Nachbarn gefragt, ob er das haben will und warm machen möchte und mir dann was davon abgeben würde. Als ich da mit in der Küche stand, fing er an, von seinen letzten Eroberungen zu berichten. Er erzählte mir, wen er da im Internet kennengelernt hatte und was da bei den Dates so passierte. Er ist schwul und hat auch keinen Hehl daraus gemacht, dass es bei den Dates recht eindeutig zur Sache ging.

Ich habe das vorher nicht gewusst. Also ich wusste weder, dass er schwul ist, noch dass er solche Dinge macht. Ich dachte immer, er hat halt keine Freundin, weil er auch nicht besonders hübsch aussieht. Aber dass er dann da Leute online kennenlernt und es da auch in seiner Wohnung Wohnung zur Sache geht, das wusste ich nicht. Nachdem ich das erfahren habe, habe ich richtig angefangen, mich vor ihm zu ekeln.

Ich habe dann schon überlegt, wie ich mich schnellstmöglich wieder aus dem Staub machen könnte und ja nichts in der Wohnung anfasse - wer weiß, was er da vorher gemacht hat. Auf der anderen Seite war ich bestrebt, mir das nicht anmerken zu lassen, um nicht unhöflich zu wirken. Aber der Gedanke, dass er da in seiner Wohnung sonstwas anstellt und das vermutlich auch immer wieder mit anderen, das fand ich so abstoßend, dass ich froh war, ihm auch nicht die Hand gegeben zu haben.

Mir ist schon klar, dass das vielleicht etwas übertrieben wirkt, aber dadurch, dass ich an Sex so gar kein Interesse habe, empfinde ich auch eine gewisse Abscheu vor Menschen, die sehr freizügig leben und immer wieder andere abschleppen. Außerdem stellt sich mir da innerlich immer irgendwie die Frage, ob die sich vielleicht schon irgendwelche Krankheiten eingefangen haben. Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen, was das bringen soll, da ständig wen abzuschleppen.

Kennt ihr diese Gefühl der Abneigung gegen sehr freizügige Personen? Sobald ich von jemandem weiß, dass er so lebt, mache ich einen Bogen um die Person. Oder ist das übertrieben?

» Zitronengras » Beiträge: 8745 » Talkpoints: 11,24 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Um ehrlich zu sein ekle ich mich auch vor Menschen, die ihre Betthäschen häufiger wechseln als die Unterwäsche und dann auch noch damit angeben. Jeder kann ja Erfahrungen sammeln und seine Neigungen ausleben wie er will, aber ich möchte dann davon verschont werden.

Ich finde Sexualität sehr natürlich und daher stört mich der Gedanke an Sex auch nicht sonderlich, aber ich finde es total daneben, wenn man sich erstens durch die Gegend hurt und zweitens damit noch prahlen muss. Bei so einer Person würde ich mich auch fragen, was der aktuell für zigtausend Krankheiten haben könnte.

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» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,56 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


Ich mag Sex, der gehört für mich in einer Beziehung auch dazu. Und mit ist egal, was andere Menschen so treiben, wenn alle Beteiligten freiwillig mitmachen. Aber: Ich muss das nicht wissen! Das ist durchaus ein Thema mit dem eigenen Partner, auch mit engen Freunden kann man gut darüber sprechen, aber das reicht mir persönlich dann auch vollkommen.

Ich möchte nicht wissen, was meine Nachbarn treiben. Ich finde es auch nicht anregend, sondern eher abstoßend. Ein gutes Beispiel ist ein Penis. Bei einem geliebten Menschen stört es mich nicht, dieses Körperteil zu sehen. Der kann so oder erigiert sogar sehr nett sein. Aber ich möchte keine fremden Geschlechtsorgane begucken. Ich muss weder Penisse sehen, noch finde ich den Anblick einer fremden Vagina in der Sauna (am besten noch direkt vor meiner Nase) auch nur ansatzweise ansprechend. Das stößt mich ab.

Daher kann ich es vollkommen verstehen, wenn man sich in einer solchen Situation mehr als nur unwohl fühlt. Das ist im Prinzip eine verbale sexuelle Belästigung oder sexuelle Nötigung. Denn man wird gezwungen, sich etwas anzuhören, dass man weder wissen, noch sich vorstellen möchte. Ich würde in einem solchen Moment wenig freundlich reagieren.

Denn ich nehme mir schon das Recht heraus, selbst zu entscheiden, wann ich irgendetwas sexuelles hören oder sehen möchte und wann nicht. Das ist ja wie zum Lesen eines erotischen Buchs, zum Gucken eines Pornos oder zum Besuch im Swingerklub, und wenn es auch nur mal gucken ist, genötigt zu werden.

» cooper75 » Beiträge: 11925 » Talkpoints: 581,11 » Auszeichnung für 11000 Beiträge



Ich bin nicht prüde oder verklemmt und empfinde Sexualität als etwas völlig natürliches vor dem man sich ganz sicher nicht ekeln muss. Ich hatte wohl auch Glück mit meiner Erziehung, weil ich mit meinen Eltern immer offen über Sex reden konnte und nie das Gefühl vermittelt bekommen habe, dass Sex etwas schmutziges ist.

Aber ganz ehrlich - wenn mir ein Nachbar, mit dem ich keine sehr gute Freundschaft pflege, von seinen sexuellen Aktivitäten erzählen würde, würde ich ihn klar und deutlich in seine Schranken weisen. Das fällt für mich definitiv unter "too much information", das möchte ich einfach nicht wissen.

Und ich finde es generell auch eher primitiv, wenn Leute mit ihren Eroberungen angeben. Ich denke da nicht, dass das ganz tolle Kerle sind, sondern, dass sie über ihre Beziehungsunfähigkeit hinweg täuschen wollen.

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» Cloudy24 » Beiträge: 25193 » Talkpoints: 65,54 » Auszeichnung für 25000 Beiträge



Ich finde das schwer das zu beurteilen. Für mich kommt das immer auf die entsprechende Person an. Bei meinen Freundinnen ist es mir beispielsweise herzlich egal, mit wie vielen Männern sie etwas hatten. Es kann einer sein, es können aber auch 100 sein. Ich mag sie deshalb nicht weniger und würde auch nicht sagen, dass ich mich vor ihnen ekle. Wenn sie das so handhaben wollen, ist das für mich in Ordnung. Allerdings will ich ja auch keine Beziehung mit meinen Freundinnen eingehen.

Bei einem potenziellen Partner würde es mich aber schon massiv stören, wenn er mir sagen würde, dass er schon mit 100 Frauen im Bett war. Ich würde mich dann ganz klar ekeln und ganz von der ganzen Sache abgesehen, ob er denn treu sein könnte oder ob ich ihm allein reichen könnte, würde ich eine Beziehung eher nicht eingehen wollen. Ich könnte diese Zahl wahrscheinlich nicht ausblenden und ich kann mir vorstellen, dass wir auch menschlich nicht zusammenpassen würden, wenn wir da so unterschiedliche Vorstellungen und Ansichten haben.

Von Menschen, die ich kaum kenne oder mit denen ich nun einen nicht besonders engen und freundschaftlichen Umgang habe, möchte ich auch nicht wissen, was sie so im Bett treiben und wen sie schon alles abgeschleppt haben. Das will ich weder von meinem Chef, noch von meinen Nachbarn und auch nicht von irgendwelchen lockeren Bekanntschaften wissen. Und wenn ich sie nicht gezielt danach frage, dann will ich auch nicht, dass man mir so etwas einfach so erzählt. Warum auch? Um anzugeben?

Ich finde nicht, dass das etwas ist, worauf man nun besonders stolz sein kann. Natürlich sollte man sich auch nicht dafür schämen, sexuell aufgeschlossen zu sein, aber für mich ist das einfach nichts, womit man hausieren muss und jedem auf die Nase bindet. Das finde ich völlig unangebracht und vielleicht würde ich mich dann auch nicht direkt ekeln, aber ich würde mich einfach unwohl fühlen, weil ich so etwas dann nicht hören möchte und ich es unverschämt finde, von selbst auf so etwas zu sprechen zu kommen.

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 33809 » Talkpoints: 166,21 » Auszeichnung für 33000 Beiträge


Mir ist egal, was andere Leute so im Bett treiben. Allerdings finde ich es distanzlos, wenn jemand Leuten, von denen er nicht weiß, ob sie sich dafür interessieren, so etwas erzählt, egal, ob schwul oder nicht. Da würde ich mich vielleicht auch ekeln. Manche Dinge möchte man ja gar nicht wissen. Ich möchte ja auch nicht wissen, was meine Eltern so im Bett getrieben haben oder was meine Kinder für Phantasien haben. Wenn ich diesen Nachbarn dann in neutraler Umgebung sehen würde, hätte ich immer diese Bilder im Kopf. Ich bin mir nicht sicher, ob er das bedenkt.

Wenn mir jemand distanzlos gegenüber tritt, dann sage ich, dass ich das gar nicht wissen will oder entferne mich. Das muss nicht unbedingt etwas Sexuelles sein. Ich kam bei einem Fest einmal mit einer mir weniger bekannten Person ins Gespräch, die mir ausgiebig von den Problemen mit ihren Eltern erzählte. Das fand ich auch distanzlos und ihren Eltern nicht fair gegenüber, ich habe mich dann freundlich von ihr entfernt. Die Geliebten deines Nachbarn wollen ja vielleicht gar nicht, dass er diese intimen Details preisgibt. Schon deshalb finde ich es nicht gut, egal ob ich mich ekle oder nicht.

» blümchen » Beiträge: 1019 » Talkpoints: 8,21 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Ich würde es schon etwas befremdlich finden, wenn ein normaler Nachbar mir etwas über Sex erzählt. Bei Freunden und so weiter finde ich das Thema absolut okay, da bin ich auch nicht verklemmt, aber mit einem fast fremden Menschen muss ich nun nicht über mein Sexleben reden. Ich finde es auch nicht eklig, wenn jemand über Sex redet, aber mit jedem muss ich darüber nicht reden und von jedem will ich auch nicht wissen, was er im Bett so macht. Ich hätte mich nun nicht weniger wohl in der Wohnung gefühlt, aber es wäre mir in deiner beschriebenen Situation wohl auch unangenehm gewesen.

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» Ramones » Beiträge: 42074 » Talkpoints: 19,04 » Auszeichnung für 42000 Beiträge



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