Schulkind wegen Eltern ablehnen richtig und nachvollziehbar?

vom 17.12.2018, 05:08 Uhr

In den Medienberichten wird gerade ein Fall diskutiert, in dem es um ein zukünftiges Schulkind geht. In Berlin wird einem Kind die Aufnahme an einer Waldorfschule verwehrt, weil sein Vater AfD-Mitglied ist. Wie seht ihr das Ganze? Findet ihr es in Ordnung, dass Kinder nicht auf Schulen gehen dürfen, wenn die Eltern irgendwie berühmt sind und vielleicht sogar einer Partei angehören, die man nicht für gut heißt? Was kann das Kind denn dafür, dass die Eltern in diesem Beispiel politisch aktiv sind?

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» Täubchen » Beiträge: 33313 » Talkpoints: -0,56 » Auszeichnung für 33000 Beiträge



Wichtig ist in dem Zusammenhang die Tatsache, dass es sich nicht um eine normale Schule sondern um eine Waldorfschule handelt. Zumindest bei den Schulen hier in der Region ist es so, dass die Eltern deutlich mehr involviert und engagiert sind als bei normalen, staatlichen Schulen. Es wäre also wahrscheinlich nicht so, dass man die Eltern nur einmal im Jahr zum Elternabend sieht.

Ist natürlich dumm gelaufen für das Kind, schließlich kann man sich seine Eltern nicht aussuchen. Aber man weiß halt genau, wenn ein ausländisches Kind abgelehnt worden wäre, wäre das für die AfD Gestalten völlig in Ordnung gewesen. Und genau deshalb geht diese Ablehnung für mich auch in Ordnung. Es ist ja nicht so, dass das Kind dann keine Schulbildung erhält, es gibt noch genug andere Schulen in Berlin.

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» Cloudy24 » Beiträge: 25867 » Talkpoints: 62,07 » Auszeichnung für 25000 Beiträge


Soweit ich weiß, gelten bei Schulen in freier Trägerschaft sowieso andere Vorschriften als bei staatlichen Schulen, wenn es um die Aufnahme von Schülern geht, sprich, sie müssen nicht jedes schulpflichtige Kind aufnehmen, ohne gleich Ärger zu bekommen. Dann müssen Mama und Papa AfD eben weitersuchen, die Frucht ihrer Lenden wird deswegen schon nicht ohne das Humboldt'sche Bildungsideal groß werden müssen.

Als nachvollziehbares Argument kann ich mir vorstellen, dass, wie schon erwähnt, die Eltern eine größere Rolle im Schulalltag spielen als bei Regelschulen und die Schule das resultierende Drama und wohl auch die Medienaufmerksamkeit vermeiden möchte, wenn die AfDs hier herzhaft zulangen und ihre rechte Ideologie verbreiten möchten. So eine ganz weiße Weste haben Waldorfschulen in dieser Hinsicht zwar auch nicht, aber das stellt nur einen Grund mehr dar, wieso es wünschenswert ist, hier unter dem Radar zu segeln.

Und es ist ja allgemein bekannt, dass gerade Mitglieder und Funktionäre einer gewissen Partei sich absolut nicht davor scheuen, auch Familie und minderjährige Kinder für ihre zweifelhaften Zwecke zu instrumentalisieren. Das ist zwar schade und in meinen Augen auch nicht richtig, aber letzten Endes nicht das Problem der Schule, die sich mit der Bagage nicht herumschlagen will.

» Gerbera » Beiträge: 9338 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Ich muss natürlich sagen, dass ich mich mit Waldorfschulen und die Interaktion zu Eltern nicht auskenne. Ändert für mich aber nichts daran, dass die Schule hier im Grunde ein Kind wegen seinen Eltern benachteiligt und das halte ich für rechtlich eben von großem Belang. Es ist in meinen Augen verboten und mit dem Grundgesetz nicht vereinbar. Das gilt ja dann wohl auch im Bezug auf Religion und Politik sowie Geschlecht dann, wenn das Kind eines Politikers betroffen ist.

Alle weinen immer, dass die AFD sich überall als Opfer sieht und jetzt? Jetzt gibt man ihr doch im Grunde nur Recht, wenn man einem Kind die Waldorfschule nimmt, weil der Papa ein AFD-Politiker ist. Das ist in meinen Augen auch eine Frechheit, dass dafür das Kind leiden muss.

Das Kind kriegt hier etwas ab, wofür es nichts kann. Gar nichts. Es kann nichts dafür, dass der Papa AFD Politiker ist. So wie viele Kinder nichts dafür können, dass ihre Eltern Salafisten sind oder den Koran widerwärtig auslegen oder man in einer Mormonen Familie geboren wird. Dafür können Kinder erst einmal nichts. Das muss auch ihren späteren Weg nicht zwangsläufig beeinflussen!

Für mich ist das total über das Ziel hinaus geschossen. Sowas geht wirklich gar nicht und die das begrüßen hoffe ich, sind wahre Saubermänner, politisch immer korrekt, zahlen brav ihre Steuern, haben nie unter der Hand für einen 5er oder 10er den Flur bei Nachbarn geputzt usw. Nicht, dass der Nachwuchs darunter leiden muss.

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» Kätzchen14 » Beiträge: 5594 » Talkpoints: 0,12 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



"Hitler und die Nationalsozialisten sind nur ein Vogelschiss in 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“. Vielleicht gefiel der Leitung der Waldorfschule in Berlin ja diese Aussage von Alexander Gauland so gar nicht. Oder diese Äußerung von Herrn Gauland: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“

Das kann man sich gut vorstellen. Und der Papa des abgelehnten Kindes ist AfD-Politiker und nicht nur Parteimitglied. Denn ob und wo ich Parteimitglied bin, geht ja niemanden außer mir etwas an. Eine Äußerung, einen Menschen anderer Hautfarbe nicht zum Nachbarn zu wollen, stößt wohl bei den wenigsten klugen Menschen auf Begeisterung.

Das zeigte dann auch die Welle der Solidarität mit Jerome. "Jerome, sei unser Nachbar!" hieß dann von seinen Fans. Ich könnte mir auch schlechtere Nachbarn als Herrn Boateng vorstellen, nur mal so am Rande erwähnt. Äußerungen der Parteiführung wirken sich eben auch auf andere Politiker der gleichen Partei aus. Das kann ich schon gut verstehen.

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» Quasselfee » Beiträge: 2110 » Talkpoints: 20,07 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Wenn man die Wahl hat sich seine Schüler aussuchen zu können, dann würde ich mich nun auch nicht mit einem AfD Mitglied auseinandersetzen wollen. Sind wir mal ehrlich, das ist eine Schule, bei der Eltern eben auch sehr aktiv werden und da würde ich mir doch nicht freiwillig so jemanden ins Haus holen wollen. Natürlich kann auch jeder seine Meinung haben, aber wenn die auf so einer ausgrenzenden Art und Weise stattfindet, dann muss man sich auch nicht wundern, dass man von einer Schule aussortiert wird, auf die sicherlich auch schwarze Kinder gehen oder Kinder von Menschen, die mal aus dem Ausland kamen.

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» Ramones » Beiträge: 43629 » Talkpoints: 4,18 » Auszeichnung für 43000 Beiträge


Natürlich ist es so, dass das Kind nichts für seine Eltern kann. Aber ich kann nachvollziehen, dass man sich niemanden kontroverses in die Schule holen möchte (für die ja teilweise nicht wenig Geld gezahlt wird). Die Angst vor den Reaktionen anderer Eltern könnte da schon abschrecken.

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» morgenmuffel56 » Beiträge: 15 » Talkpoints: 1,34 »



Ich kann hier die Angst der Schule schon nachvollziehen. Auf Waldorfschulen ist die Interaktion mit den Eltern der Kinder sehr viel stärker als man sich das vielleicht vorstellt. Das Kind hier für seine Eltern zu bestrafen finde ich schon etwas extrem. Da gäbe es sicherlich andere Möglichkeiten zur Regelung. Zum Beispiel könnte man Verhaltensregeln für die Eltern festlegen. So etwas gibt es wahrscheinlich schon, müsste dann dementsprechend erweitert werden. Wenn die Eltern Politik mit Kindern in der Schule betreiben wollen, kriegen Sie eben Hausverbot.

» SusiTalk » Beiträge: 10 » Talkpoints: 0,99 »


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