Probleme von anderen Menschen selbst in die Hand nehmen?
Wenn Freunde oder Verwandte über Probleme klagen, dann versuche ich schon meistens, ihnen zu helfen und auch hilfreiche Tipps zu geben. Manchmal packe ich auch ein wenig mit an, um der Person auch tatkräftig zur Seite zu stehen. Allerdings kann ich mich nicht daran erinnern, dass ich Probleme von anderen einfach komplett selbst in die Hand genommen habe, um diese zu lösen.
Genau das macht eine Freundin aber auch gerne. Besonders dann, wenn ihre Eltern oder Verwandten irgendwelche Probleme oder Schwierigkeiten haben, nimmt sie diese komplett selbst in die Hand. Sie meint, dass diese sich meistens dadurch viel schneller lösen lassen, als wenn sie stundenlang irgendwelche Ratschläge gibt, wenn sich die Probleme in der Zeit auch lösen lassen könnten. Wie ist es bei euch? Nehmt ihr durchaus auch Probleme von anderen Menschen selbst in die Hand?
Ohne nachzufragen würde ich das nicht machen. Bisher habe ich mich nicht getraut einfach etwas selber zu machen und habe dann lieber Ratschläge gegeben. Natürlich habe ich dann auch mal im Internet geschaut oder so, aber sonst würde ich nichts weiter machen. Ich würde auch mitgehen und auch einiges in die Wege leiten, aber dann muss die Person damit einverstanden sein.
Eine Tante von mir bat mich neulich meinem Cousin bei seiner Bewerbung zu helfen. Dessen Motivation war nicht besonders groß und irgendwie hat er es auch nicht hin bekommen die Bewerbung gut zu formulieren. Am Ende sah es dann so aus, dass ich mir einfach seine Sachen hab geben lassen und alles alleine gemacht habe. Ich habe mir das Design ausgesucht und alles selbst formuliert.
Anders hätte das auch zu nichts geführt. Er war einfach nicht motiviert und es hätte mich sehr viel Zeit gekostet, dass Problem mit ihm zusammen zu lösen. Auch wenn meine Eltern Probleme mit ihren Laptops oder PCs haben löse ich das Problem meist alleine.
Man muss aber schon aufpassen, dass man das nicht immer tut. Eine Bekannte von mir hat mir beispielsweise auf eigene Faust mal einen Nebenjob besorgt, nur weil ich angesprochen habe, dass ich einen suche. Das fand ich dann doch etwas übereifrig und unpassend.
Ich würde das auch nicht einfach so ungefragt machen. Das fände ich auch aufdringlich, wenn das einfach jemand bei einem meiner Probleme machen würde. Ich würde dann höchstens anbieten, dass ich das Problem in die Hand nehmen könnte, damit es einfacher und schneller geht.
Aber gerade wenn es darum geht, dass jemand etwas lernen sollte, wäre es sicherlich besser, wenn man ihm dabei nur behilflich zur Seite stehen würde. Sonst lernt die Person dadurch ja nichts. So wäre das zumindest bei Schulaufgaben oder irgendwelchen Dinge die Beruf und Studium betreffen.
Sagen wir es mal so, manche kommen selbst mit einem Ratschlag nicht aus den Pötten und am Ende läuft es so oder so darauf hinaus, dass man es selbst macht. So sieht es nun wieder bei meinem Ex Partner aus, wenn dieser bald sein Dienstzeitende hat. Da habe ich schon seit Monaten gesagt, dass er sich kümmern muss mit Bewerbungen, Arbeitssuchend melden und Co und gemacht hat er rein gar nichts. Entsprechend habe ich das in die Hand genommen, ihn Arbeitssuchend gemeldet beim Amt mit dem Onlineverfahren, seine Bewerbungen geschrieben und ihn mal richtig getreten, dass er auch mit seinem Hintern hochkommt und die Termine zum Vorstellungsgespräch und Co wahrnimmt.
Alleine hätte der nichts auf die Reihe bekommen, da kann man reden und machen was man will, dafür ist er zu Faul, zu dumm und auch zu naiv und im Endeffekt schlägt er sich seit 35 Jahren so durch, dass ihm die anderen diese Dinge dann erledigen. Da muss man nicht mal nachfragen, denn darauf bekommt man auch nie eine Antwort. Es klappt alles nur, wenn man es ihm vorgekaut und vorbereitet vor die Nase setzt und das macht er dann auch.
Ich habe schon etlichen Leuten dabei zugesehen, wie sie ewig nicht in die Gänge gekommen sind oder in einer Situation festgehangen, mit der sie nicht glücklich waren. Aber ich weigere mich ehrlich gesagt, ihre Probleme selber in die Hand zu nehmen.
Meine Schwester ist beispielsweise gerade auf Jobsuche, und ich helfe ihr insofern, dass ich zumindest grob recherchiere und ihr Angebote zukommen lasse, die ich zufällig entdecke. Wenn sie mich fragen würde, würde ich natürlich auch ihre Unterlagen gegenchecken und ihr den einen oder anderen Tipp geben. Aber nie und nimmer würde ich den ganzen Bewerbungsprozess übernehmen, während sie sich entspannt zurücklehnt und Anschreiben formulieren, Termine vereinbaren und sie am Ende noch zum Vorstellungsgespräch chauffieren. Irgendwo hört bei mir die Hilfsbereitschaft auf und das Ausnützen von Gutmütigkeit fängt an. Verhungern muss hierzulande keiner, und falls es für mehr als Hartz nicht reicht, ist das auch nicht mein Problem.
Vom Helfersyndrom und Märtyrertum bin ich so weit entfernt, wie es nur geht. Meiner Erfahrung nach handelt es sich hier nämlich um eine Falle, in die besonders Frauen gerne tappen. Man freut sich, dass man helfen kann und offensichtlich kompetenter und lebenstüchtiger ist als der faule Sack, der nicht in die Puschen kommt, und in Wirklichkeit ermöglicht man es der Person nur, sich auf anderer Leute Kosten ein schönes Leben zu machen. Ich helfe meinen Mitmenschen schon ganz gern, aber ich nehme doch nicht ihr ganzes Leben in die Hand!
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