Ohne Stress kein glückliches Leben möglich?

vom 20.11.2018, 09:18 Uhr

Eine Bekannte von mir ist der Ansicht, dass man nur dann wirklich glücklich sein kann, wenn man echten Stress im Leben erlebt hat. Denn nur dann könnte man die positiven Aspekte des Lebens wirklich schätzen lernen. Was haltet ihr von dieser Aussage? Meint ihr, dass man nur durch Stress die glücklichen Momente des Lebens zu schätzen weiß oder meint ihr, dass andere Emotionen da genauso relevant sein könnten? Wärt ihr auch ohne Stress glücklich im Leben?

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» Täubchen » Beiträge: 33313 » Talkpoints: -0,47 » Auszeichnung für 33000 Beiträge



Stress ist ja nicht gleich Stress. So blöd das auch klingt. Kurzzeitstress ist von der Evolution gewollt. Er mobilisiert bei Gefahr Energiereserven, Langzeitstress hingegen unterdrückt diese. Wenn dieser Langzeitstress ohne Bewältigung einfach so stehen bleibt wird die homoöstatische Gegenregulation durchbrochen. Es bricht das Hormonsystem zusammen und es kommt zu Allostase und Krankheit. Ich denke, dass will niemand erfahren.

Es gibt hier auch eine Differenzierung zwischen positiven und negativen Stress. Unter positiven verstehe ich antreibenden, motivierenden)Stress und negativen Stress, eher in Richtung von extremer Stress und Traumen, meist in Kombination mit gelernter Hilflosigkeit. Somit ist letzerer für die Psyche eher belastend als das sie zu einem glücklichen Leben beitragen könnten.

Vielleicht meint die Kollegin, dass man insbesondere wenn man negative Erfahrungen gut verarbeitet man eventuell ein wenig dankbarer ist für die kleinen positiven Dinge. Ich kenne auch Menschen bei denen scheinbar alles immer glatt lief und beim ersten Wind der ein wenig dagegen wehte zusammen brachen. Man entwickelt auch ein wenig mehr psychische Abwehrkräfte wenn man wohldosierten Stress im Leben hat. Immer mit der Anmerkung, dass man diesen nicht hilflos ausgesetzt ist, sondern noch Möglichkeiten zur Bewältigung hat.

Somit kann ich die Frage mit ja und nein beantworten. Glück hat meiner Ansicht nach nichts damit zu tun ob man Stress hat oder nicht. Es ist vielmehr die Möglichkeit sich Situationen anzupassen ohne seine Mitte zu verlieren und eine gewisse Dankbarkeit für die Realität aufweisen. Dies kann jedoch sowohl bei Menschen der Falls sein die viel Stress haben, jedoch auch bei Menschen mit wenig Stress. Ich denke somit man kann auch ohne Stress ein glückliches zufriedenes Leben führen.

» TinaPe » Beiträge: 419 » Talkpoints: 1,79 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Erst einmal gibt es ja positiven und auch negativen Stress, der von den Menschen auch komplett unterschiedlich wahrgenommen und verarbeitet wird. Ich verstehe es schon, was deine Bekannte meint, aber auf Stress im Leben würde ich das nicht unbedingt beziehen. Sicher kann man vielleicht eher glücklich sein, wenn man auch mal Probleme zu verarbeiten hatte und das Glück zu schätzen weiß. Aber bei Stress würde ich nicht sagen, dass ohne diesen kein glückliches Leben möglich wäre.

» Barbara Ann » Beiträge: 28382 » Talkpoints: 54,62 » Auszeichnung für 28000 Beiträge



Man sollte dabei vielleicht bedenken, dass jeder Mensch etwas anderes als Stress empfindet. Was für die eine Person stressig ist, ist für andere Menschen eben nicht so. Für mich ist mein heutiges Leben recht stressfrei. Auch wenn ich an 6 Tagen in der Woche arbeite und mein Wochenende erst am Samstag kurz nach 11 Uhr beginnt. Für andere Menschen ist Arbeit am Samstag aber vielleicht mit Stress verbunden.

Allerdings würde ich nicht sagen, dass man Stress erlebt haben muss, um glücklich sein zu können. Es sind wohl eher die weniger guten Phasen im Leben, die man erlebt haben sollte, damit man die positiven Zeiten besser zu schätzen weiß. Und das macht doch dann glücklich. Zumindest ist das meine Einstellung zu diesem Thema.

» Punktedieb » Beiträge: 16642 » Talkpoints: 100,66 » Auszeichnung für 16000 Beiträge



Es ist schon so, dass man Dinge mehr zu schätzen weiß, wenn man sie nicht mehr hat oder wenn man mal sieht, wie es auch anders sein kann. Ein aktuelles Beispiel ist ja sicherlich das man nun auch gerne alles machen wollen würde, keine Masken tragen und so weiter und es aber muss. Wenn das dann nicht mehr so ist, wird man die neu gewonnene Freiheit auch ganz anders zu schätzen wissen und so ist es sicherlich in gewisser Form auch mit Glück. Wenn man immer nur alles zufriedenstellend erlebt, dann weiß man es nicht zu schätzen, hat man aber immer mal wieder Stress, schlechte Tage dazwischen wird man merken dass man das Glück dann wieder mehr zu schätzen weiß.

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» Ramones » Beiträge: 42549 » Talkpoints: 29,19 » Auszeichnung für 42000 Beiträge


Normalerweise unterscheidet man glaube ich zwischen positivem und negativem Stress (Eustress und Distress). Eustress empfindet man, wenn man beispielsweise eine anspruchsvolle Aufgabe gut bewältigen kann. Dann steht man zwar unter Stress, fühlt sich am Ende aber gut, wenn man erfolgreich sein konnte. Typisch für Eustress ist die begrenzte Dauer, gefolgt von Entspannung und Zufriedenheit.

Gefühle von Distress empfindet man, wenn man beispielsweise an einer belastenden Situation über längere Zeit nichts ändern kann und sich ihr gewissermaßen ausgeliefert fühlt. Typisch für Distress ist eine unabsehbar lange Dauer oder immer wiederkehrende ähnliche Stress-Situationen. Während Eustress sicher dazu führt, dass man sein Leben als zufriedenstellend erlebt, nagt Distress eher am eigenen Lebensgefühl und führt wahrscheinlich nach und nach dazu, sich unzufrieden und unglücklich zu fühlen.

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» lascar » Beiträge: 2616 » Talkpoints: 503,17 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


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