Nach Adoption keine Verbindung zu Herkunftsland haben?
Eine Bekannte von mir kommt ursprünglich aus Asien, ist aber mit 2 Jahren adoptiert worden. Seitdem wohnt sie mit ihren Eltern in Nordrhein-Westfalen und fühlt sich mit der Kultur dort auch sehr eng verbunden. Sie mag Karneval und die christlichen Feiertage und Feste. Mit der asiatischen Kultur hingegen fühlt sie sich kein bisschen verbunden und mag auch gar kein asiatisches Essen.
Tatsächlich möchte sie noch nicht einmal nach Asien reisen, auch wenn sie weiß aus welchem Ort ihre Eltern stammen. Ich finde das sehr ungewöhnlich. Ich denke, dass ich auf jeden Fall mein Herkunftsland sehen und kennenlernen wollen würde, wenn ich adoptiert wäre.
Könnt ihr nachvollziehen, dass adoptierte Kinder so eins mit der neuen Kultur werden, dass sie rein gar kein Interesse mehr an ihrem Herkunftsland haben? Wärt ihr gar nicht neugierig, anstelle meiner Bekannten?
Ich finde es ja gut, dass sich deine Bekannte bei ihren Adoptiveltern und in dem Land, in das sie adoptiert wurde, so wohl fühlt. Genauso wird es sich ja von allen Seiten gewünscht worden sein. Wenn sie mit der asiatischen Kultur und auch mit asiatischem Essen nichts anfangen kann, dann verstehe ich es auch, dass sie nicht in ihr Herkunftsland reisen möchte, weil die Reise für sie dann sicher kein großes Vergnügen, sondern eher eine Strapaze wäre.
Ich muss aber sagen, dass ich an der Stelle deiner Bekannten unbedingt wissen wollen würde, woher ich komme und in welchem Ort ich geboren wurde. Da wäre ich auf jeden Fall sehr neugierig drauf. Allerdings bin ich auch ein sehr reisebegeisterter Mensch und das ist ja auch nicht jeder so unbedingt.
Ich glaube ich könnte das auch nicht, wenn ich adoptiert worden wäre. für mich gehört es zur eigenen Identitätsfindung dazu, dass man eben weiß, woher man kommt und wo die Wurzeln liegen. Ich glaube ich würde mich total entwurzelt fühlen, wenn ich ganz offensichtlich nicht in ein Land gehöre bzw. dort verwurzelt bin. Bei einer Asiatin sieht man ja ganz offensichtlich, dass sie nicht in Deutschland ihren Ursprung hat, auch wenn sie hier gut integriert ist und sich hier heimisch fühlt. Wobei ich es aber gut finde, dass die Adoptiveltern sich so gut um das Kind gekümmert haben, dass das Kind gar kein Bedürfnis danach hat, die andere Familie zu suchen.
Ich denke, dass man eben mit dem Land, in dem man aufgewachsen ist mehr anfangen kann. Das andere Land war ein Teil einer Vergangenheit, an die man sich nicht oder nur kaum erinnert, damit kann man dann eben nichts anfangen. Wobei ich schon denken würde, dass ich mir zumindest mal das Land ansehen würde, vielleicht den Ort, in dem ich mal gelebt habe, aber ich denke, dass keiner damit eine große Verbindung haben wird.
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