Mit jemandem zusammen sein der sich nicht selbst liebt?

vom 19.08.2015, 20:43 Uhr

Ich habe seit einigen Tagen eine ständige Diskussion mit einem Kumpel von mir, den ich schon seit einigen Monaten kenne und seitdem viel Zeit mit ihm verbringe. Nun ist es eben so, dass er auch seit Wochen einer Frau hinterherläuft, mit der es nicht so richtig klappen mag. Ich kenne sie auch und bin deswegen recht gut informiert, was ihre "Beziehung" angeht und langsam ebenso wie sie, genervt von ihm.

Es ist nicht so, dass sie ihn nicht auch mögen würde, sie ist sogar ziemlich verliebt in ihn und hat ihm dies auch deutlich gemacht. Allerdings gab es am Anfang ihrer Kennenlernphase einige Hindernisse zu überwinden, weshalb er nun verunsichert ist. Generell ist er eben sehr unsicher und kann sich selbst auch nicht wirklich leiden, was sie extrem stört und was ich auch gut verstehen kann.

Sie ist der Meinung, dass sie nicht mit ihm zusammen sein kann, bevor er nicht anfängt sich selbst zu lieben (was zwar kitschig klingt, aber meiner Meinung nach auch eine wichtige Komponente in einer Beziehung ist). Wie seht ihr das? Könntet ihr mit jemandem zusammen sein, der sich selbst nicht liebt und wertschätzt?

» Wunschkonzert » Beiträge: 6635 » Talkpoints: 29,40 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



Ich finde auch, dass Selbstakzeptanz ein Grundstein für eine Beziehung zu einem anderen Menschen darstellt. Wenn man sich selbst nicht liebt, wie kann man dann jemand anderen lieben? Das ist leichter gesagt als getan, ich kenne das Problem sehr gut, wenn man mit sich selbst nicht im Reinen ist und versucht, seinem Partner das klar zu machen.

Ich denke auch in dieser Situation gilt wie so oft: Kommunikation ist das A und O. Vielleicht kann sie ihm ja helfen, seine Selbstzweifel zu überwinden. Natürlich heißt es immer, man muss mit sowas selbst zurecht kommen, aber manchmal kann eine außenstehende Person den nötigen Denkanstoß geben.

» Schnuffline » Beiträge: 1019 » Talkpoints: 33,16 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Ich finde, dass das durchaus logisch klingt. Eine Freundin von mir hatte auch massive Minderwertigkeitskomplexe und hat mittlerweile gelernt, sich selbst zu lieben und zu akzeptieren wie sie ist. Sie ist mittlerweile glücklich verheiratet.

Aber davor hatte sie mindestens 3 Beziehungen (ich weiß nur von dreien), die zwar länger gehalten haben, aber alle in die Brüche gegangen sind, weil sie sich wegen ihrer Komplexe ständig schlecht geredet hat und abgewertet hat und der Partner das irgendwann nicht mehr ertragen konnte. Wenn ich jemanden wirklich liebe, dann will ich ja auch nicht hören, wie er ständig in Selbstmitleid badet und sich selbst abwertet, aber es war egal was man gesagt hat, sie hat einfach nicht damit aufhören können oder wollen.

Mittlerweile scheint sie diese Phase aber überwunden zu haben, da sie wie gesagt seit Jahren glücklich liiert ist, vor kurzem geheiratet hat und im Moment sogar ein Haus mit ihm baut und Nachwuchs plant.

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» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,56 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Ich glaube, es kommt darauf an, wie stark man sich selber hasst, ich mochte mich auch noch nie besonders und meine erste Freundin musste mir immer sagen, dass sie mich sehr mag und sie mich sehr hübsch findet und mit der Zeit hat es sie auch ein wenig genervt. Wenn sich aber ein Partner sich selber extrem hasst und sich vielleicht sogar noch selber verletzt, dann wäre eine Beziehung für mich auch undenkbar.

» Bascolo » Beiträge: 3562 » Talkpoints: 31,87 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Es kann ja durchaus mal vorkommen, dass einen irgendwas an sich selbst stört. Das kann dann zum Beispiel mal sein, dass man etwas zugenommen hat oder dass einem seine Friseur nicht mehr gefällt oder so. Daran kann man ja aber leicht was ändern. Das finde ich dann gar nicht so schlimm.

Wenn man wirklich nur was zu meckern hat an seinem eigenen Körper dann würde mich das auch ziemlich nerven. Man sollte sich meiner Meinung nach so akzeptieren und lieben wie man ist.

» elli.fant06 » Beiträge: 1009 » Talkpoints: 0,96 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Ich glaube auch, dass man erst lernen muss, sich selbst zu lieben, bevor man eine Beziehung mit jemandem eingeht und jemanden liebt. Es geht ja dann nicht nur darum, dass man sich selbst ständig schlecht macht und schlecht über sich redet, was den Partner dann verständlicherweise irgendwann nervt. Es geht ja auch darum, dass es sich ja auch allgemein auf die Beziehung auswirkt, wenn man unzufrieden und unglücklich mit sich selbst ist.

Auch wenn man nicht offensichtlich über sich selbst meckert oder schlecht über sich spricht, drückt es ja allgemein die Stimmung, wenn man wieder schlechte Laune hat, nachdem man auf die Waage gestiegen ist. Zudem ist es dann sicher auch oft so, dass man den Partner für Dinge kritisiert, die man eigentlich an sich selbst nicht mag und die einen an einen selbst stören. Sicherlich versucht man dann auch unbewusst seine Unzufriedenheit am Partner auszulassen und das kann nicht gut für eine Beziehung sein.

Ich denke auch, dass man andere Probleme hat, wenn man selbst nicht mit sich im Reinen ist und sich selbst hasst, als einen Partner zu suchen und sich dann auch noch um eine Beziehung zu kümmern. Man hat doch genug mit sich selbst zu kämpfen und eine Beziehung bringt doch automatisch nur noch weitere "Probleme" mit sich. Man hat eben auch mal Meinungsverschiedenheiten und kein Partner ist perfekt. Wie will man denn auch noch damit umgehen können, wenn man im Prinzip gar nicht den Kopf für so etwas hat?

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 34336 » Talkpoints: 0,15 » Auszeichnung für 34000 Beiträge


Für manche Leute ist es bestimmt genau das Richtige, weil es ihnen gefällt, wenn der Partner oder die Partnerin emotional auf sie angewiesen ist. Gerade wenn das eigene Ego auch eher fragil daherkommt, habe ich den Eindruck, dass manche Zeitgenossen ganz happy sind, wenn der/die andere "unsicher" ist und sich in allem am Schätzelein orientiert, damit es auch ja keinen Streit gibt.

Früher oder später wird das ewige "Ja, Schatz" den meisten zwar langweilig, aber das ist ja kein Naturgesetz. In vielen Beziehungen gibt es ein "Machtgefälle", wenn man so will, und manche mögen es gerne etwas ausgeprägter. Es hat ja auch Vorteile, wenn man davon ausgehen kann, dass in einer Beziehung passiert, was man will, weil der Andere sich gar nicht traut, Wellen zu machen.

Und manche haben ja auch das berühmte "Helfersyndrom" und können sich nichts Schöneres vorstellen, als die Beziehung als "Projekt" anzugehen und den Partner unter dem Vorwand von Hilfe und Unterstützung nach ihrem Bilde zu formen.

» Gerbera » Beiträge: 9818 » Talkpoints: 1,63 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



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