Menschen mit überempfindlichem Darm beneiden?

vom 04.07.2016, 19:05 Uhr

Meine Freundin hat festgestellt, dass sie wohl Reizdarm hat, einen empfindlichen Darm. Immer merkt sie die Symptome nicht, sondern nur, wenn sie größere Portionen gegessen hat. So wirklich bewusst war ihr das nicht, sie hat es erst vor kurzem festgestellt bzw. hat sich der Verdacht erhärtet.

Eine Unverträglichkeit liegt bei ihr nicht vor, weil es absolut unabhängig davon ist, was sie isst. Es kommt immer darauf an, wie viel sie isst. Sie sagt selbst, sie weiß noch gar nicht, wie viel sie (trotz großem Hunger) essen "darf" ohne diese Symptome direkt auszulösen. Sie findet das schon ziemlich belastend. Denn oft bekommt sie etwa eine halbe Stunde nach dem Essen regelrechte Bauchkrämpfe, die dann immer heftiger werden. Sie fühlt sich nicht gut, manchmal ist ihr schwindelig und dann verlässt die Nahrung sie im Prinzip wieder.

Ihr freund meint, dass sie doch froh sein könnte, denn so könnte sie essen so viel sie wollte ohne zuzunehmen. Er würde sie doch darum beneiden, denn bei ihm würde sich zu viel Nahrung automatisch in Fettdepots umwandeln und er würde dann schneller zunehmen. Seht ihr das auch so? Findet ihr, dass man Menschen mit überempfindlichen Darm beneiden sollte oder findet ihr das unpassend?

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» Täubchen » Beiträge: 33305 » Talkpoints: -1,02 » Auszeichnung für 33000 Beiträge



Ich finde diese Aussage sehr kurz gedacht und vor allem in der Situation nicht angemessen. Immerhin ist es seine Freundin und er sollte merken, wie sie darunter zu leiden hat, dass das so ist. Ich finde, dass man da niemanden beneiden muss. Es ist sicherlich nicht besonders angenehm, wenn man dann zum einen die Bauchkrämpfe bekommt, die dann ja aber auch gelöst werden wollen und das muss man dann eben auch überall machen, was ja nicht immer so toll ist.

Menschen mit Darmproblemen finde ich nicht beneidenswert, ganz im Gegenteil. Es ist ja auch nicht schön, wenn man immer Durchfall hat und dann muss man eben auch mehr essen, weil ja sonst nichts übrig bleibt. Isst man aber zu viel wird es wieder ausgelöst. Schön stelle ich mir das nicht vor.

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» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


Möglicherweise wollte er sie trösten, indem er einen der wenigen positiven Aspekte ihrer Symptome betonen wollte, auch wenn es sich auf den ersten Blick ungeschickt anhört. Und nein, ich finde nicht, dass man die Freundin da in irgendeiner Weise beneiden müsste.

Sie würde vermutlich auch lieber selbst eine freiwillige Diät oder Sport treiben, wenn sie abnehmen wollte, als sich mit solch sicher ziemlich quälenden Symptomen rumplagen zu müssen. Ich zum Beispiel finde Bauchschmerzen immer ziemlich belastend und unangenehm, da käme ich nie auf die Idee jemanden zu beneiden.

» Verbena » Beiträge: 5174 » Talkpoints: 3,53 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Hier ist aber jemand mal sagenhaft taktvoll. Schlank sein ist ja schön und gut, aber doch nicht um den Preis der Gesundheit. Offensichtlich zieht der Schlankheitswahn in der Gesellschaft tatsächlich immer weitere Kreise. :uebel:

Ich glaube zwar mal wieder nicht, dass man überhaupt auf die Idee kommen kann, aber die Frage ist nun mal gestellt und die Antwort liegt auf der Hand: Nein, ich beneide Leute nicht, die mit dem Essen höllisch aufpassen müssen, damit sie keine schmerzhaften Krämpfe bekommen und am Ende noch den Porzellanbus fahren müssen, und zwar auch bei Feiern, im Urlaub oder bei sonstigen passenden und unpassenden Gelegenheiten. Umgekehrt könnte ich mir eher vorstellen, dass es den Betroffenen vielleicht sogar lieber wäre, 10 Kilo zuviel auf den Rippen zu haben, und dafür nicht für jeden unüberlegten Bissen gesundheitlich büßen zu müssen.

Auch würde ich eine intime Beziehung zu einem Menschen, der mir ins Gesicht sagt, ich solle doch froh sein, dass ich regelmäßig Bauchweh und, sorry, das Kacken bekomme, weil ich so wenigstens schön schlank bleibe, vehement überdenken. So eine Aussage ist bestenfalls unüberlegt, schlimmstenfalls charakterlos und gemein. Er hat also lieber eine schlanke als eine gesunde Partnerin? Na danke.

» Gerbera » Beiträge: 11346 » Talkpoints: 56,04 » Auszeichnung für 11000 Beiträge



Ich habe auch schon seit vielen Jahren einen Reizdarm, wobei ich in meiner Jugend riesige Probleme damit hatte. Ich hatte ständig Bauchschmerzen und Krämpfe gehabt. Mittlerweile weiß ich jedoch damit umzugehen und habe kaum noch richtige Probleme damit. Schmerzen kommen eher selten, es ist stattdessen eher so, dass ich bei der kleinsten Aufregung eben auf Toilette muss, manchmal dann auch zehnmal am Tag.

Mittlerweile finde ich das gar nicht mehr so unpraktisch. Es ist ja wirklich so, dass man nicht wirklich zunehmen kann, wenn man ständig auf Toilette muss und direkt alles ausscheidet, was man so isst. So hat man auch immer einen flachen Bauch. Wenn ich da an andere Personen denke, die ständig unter Verstopfung leiden, kann ich mich schon immer glücklich schätzen.

Aber natürlich ist es unpraktisch, wenn man aufgeregt ist, weil beispielsweise ein Referat ansteht und man dann quasi nicht mehr von der Toilette wegkommt. Ich denke, dass der Freund einfach einen Scherz gemacht hat oder die Freundin aufmuntern wollte, indem er einfach einen positiven Aspekt genannt hat. So schlimm finde ich die Reaktion nun nicht.

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 35273 » Talkpoints: -0,01 » Auszeichnung für 35000 Beiträge


Ich kann mir schon vorstellen, dass der Freund sie einfach aufmuntern wollte und das ziemlich ungeschickt angestellt hat, indem er solche Worte gewählt hat. Ich muss sagen, dass ich es doch ziemlich unpassend finde, dass er so etwas sagt, wenn er es doch mitbekommt, dass es für seine Freundin sehr unangenehm ist, solche Probleme zu haben, wenn sie mal etwas mehr gegessen hat. Ich würde deine Freundin sicher nicht beneiden und bin froh, dass ich mit Reizdarm keine Probleme habe.

» Barbara Ann » Beiträge: 28946 » Talkpoints: 58,66 » Auszeichnung für 28000 Beiträge


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