Kleine Verfehlungen und Wünsche der Kollegen umgehen?

vom 25.05.2015, 02:07 Uhr

Ich benenne bei anderen oft kleine Dinge, die mich stören, nicht, sondern sorge selbst dafür, dass das Problem nicht mehr auftritt. Ein Beispiel ist meine Kollegin, die mein Büro mit mir teilt und mit der ich auch die Büromaterialien gemeinsam verwende. Sie neigt dazu, das Kopierpapier nicht aufzufüllen, wenn es bei unserem Drucker alle ist. Dann stelle ich fest, dass es fehlt, wenn ich was drucken will. Daher habe ich das nun behoben und gleich eine ganze Kiste Kopierpapier aus dem Büromaterialraum in unser Büro geschleppt, das reicht für den Rest des Jahres und darüber hinaus.

Ein anderes Beispiel ist, dass sich bei einem früheren Job manchmal jemand darüber aufgeregt hat, wenn ich Geschirr am Schreibtisch stehen gelassen habe. Aber ich hatte eben nicht immer gleich Lust, das wegzuräumen. Da ich aber auch keine Lust auf Diskussionen hatte, habe ich das Geschirr dann im Schreibtischfach versteckt. So hatte ich meine Ruhe, ich habe das weggeräumt, wann ich wollte und es hat sich keiner aufgeregt.

Als meine Vorgesetzte neulich wollte, dass ich etwas ausarbeite, was ich nicht sinnvoll fand, habe ich einfach was aus dem Internet kopiert, das merkt die gar nicht, weil sie nicht so internetaffin ist und ich hatte keinen Aufwand, sie hatte was sie wollte. Sie beharrt ohnehin immer auf ihrer Meinung, es hätte gar nicht geholfen, ihr zu erklären, dass das keinen Sinn macht.

Die Alternative dazu ist ja, dass man offen sagt „Hey, hole doch mal Papier wenn Du es alle machst“ oder „Reg dich doch nicht über das bisschen Geschirr auf“, aber meine Erfahrung ist, dass das nichts bringt. Wenn man sich über etwas beschwert oder widerspricht, dann führt das meistens zu Konflikten und ich habe keine Lust auf Konflikte.

Darum umgehe ich das, indem ich solche Dinge selbst löse und entweder alles heimlich umgehe oder eben ein Problem mehr oder weniger dauerhaft selbst löse. Ich kann das echt nicht leiden, mit anderen diskutieren zu müssen, das ist mir zu anstrengend und ich weiß ja, dass andere mir zuliebe ohnehin nichts verändern oder von ihren Wünschen abweichen, also ist es auch aussichtslos.

Wie macht ihr das, wenn ihr keine Konflikte wollt? Umgeht ihr Konflikte auch so?

» Zitronengras » Beiträge: 9393 » Talkpoints: 0,18 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Das kommt darauf an, wie ich gelaunt bin. Ich hatte hier auch so ein Exemplar, die hat lieber zig Schubladen durchgesucht um ein Blatt zu finden, das sie zum Drucken braucht, als eben nach unten zu gehen und etwas Papier zu holen. Tackernadeln wurden aus meiner Schublade genommen und solche Sachen.

Die Tackernadeln habe ich irgendwann versteckt und Kopierpapier habe ich mir heimlich auf Halde gelegt, irgendwann musste sie dann auch mal gehen. Am schlimmsten war es immer, wenn sie Toner am Drucker auswechseln musste. Dabei hat sie davon am meisten verschwendet. Ich habe meine Sachen dann immer über einen anderen Drucker gejagt, das konnte sie nicht. Wenn man was gesagt hat, dann kam ein "jaja" und ein paar Wochen später, hatte man das Selbe in grün.

Das Geschirrproblem hatte ich auch mit der Putzfrau. Das wäre ja so ekelig, dass immer das alte Geschirr auf dem Tisch steht. Ich habe ihr dann erklärt, dass ich lediglich zwei Tassen auf dem Tisch habe, die ich tagsüber benutze, aber auch jeden Morgen spüle. Seither ist zumindest was mich betrifft Frieden. Bei einigen Schweinchen hat sie aber auch durchaus recht.

Was so unsinnige Tätigkeiten betrifft, gehe ich auch den Weg des geringsten Widerstandes. Im Endeffekt zählt da auch das Ergebnis und wenn man es eben googlen kann, was soll's? Nur muss man bei Vorgesetzten aufpassen, die nicht zu sehr zu verwöhnen, sonst meinen die man hätte Zeit und Lust sich damit zu beschäftigen. Ich habe daher aufgehört, alles schnell hinterherzutragen, sondern warte lieber, bis sie von sich aus fragen. Hat den Vorteil, dass da auch einiges in Vergessenheit gerät.

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» Bellikowski » Beiträge: 7700 » Talkpoints: 16,89 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


Du findest ja anscheinend eine Lösung, ohne eben einen Konflikt auszulösen und trotzdem auch deine Ansicht zu vertreten. Du machst dann ja nur indirekt, was von dir verlangt wurde und findest deinen eigenen Kompromiss dazu.

Anders ist das sicherlich, wenn man immer allen versucht alles recht zu machen. Ich kenne das von mir von früher. Da habe ich jegliche Art von Konflikten vermieden und lieber gemacht, was andere eben verlangt haben. Ob ich das gut fand oder nicht. Ich denke aber, dass es gar nicht gut ist, wenn man immer allen Konflikten aus dem Weg geht. Man sollte schon schauen, wie wichtig einem die Sache ist.

Wenn man sozusagen mit puschen so weiter kommt, wie du es dann machst, ist das in Ordnung. Ich hätte da nur gerade bei der Sache mit dem Chef bedenken, dass das doch mal irgendwie raus kommt und dann der Ärger groß ist. Und es vielleicht anders gekommen wäre, wenn man da direkt gesagt hätte, was man selbst darüber denkt und sich nicht einfach einen Text aus dem Internet zieht.

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» Nelchen » Beiträge: 32238 » Talkpoints: -0,25 » Auszeichnung für 32000 Beiträge



Als nahkampferprobte Bürokraft gehe ich mittlerweile auch oft den Weg des geringsten Widerstandes und stelle mich nur dann ernsthaft auf die Hinterbeine, wenn es sich in meinen Augen auch lohnt. Diese kleineren Konflikte, die einfach daraus entstehen, dass man unterschiedliche Charaktere und Persönlichkeiten auf relativ engem Raum zur Kooperation zwingt, kosten nur Energie und Nerven, die dann in der Freizeit fehlen.

Es würde mir zudem schließlich auch nichts bringen, einen anderen Job zu suchen oder die Branche zu wechseln, weil ich den Job an sich ja mag und auch gut kann. Und Büro-Hexen, mit denen man partout nicht auf Augenhöhe kommen kann, gibt es bestimmt überall und in allen Branchen, für die ich als geborene Aktenschubserin geeignet bin.

Ich käme mir zwar schon ein bisschen kindlich-trotzig vor, wenn ich mein gebrauchtes Geschirr verstecken würde, damit ich auch ja nicht das Gefühl haben muss, die Kollegin habe mir hier Vorschriften zu machen. So etwas habe ich in der Pubertät mit meiner Mutter gemacht. Mittlerweile würde ich eher milde nicken und der Dame (oder dem Herrn) zustimmen, dass das Geschirr gespült gehört, aber meine gebrauchte Kaffeetasse einfach ungerührt stehen lassen.

Aber generell habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass es im Regelfall die Mühe einfach nicht wert ist, andere Leute quasi dazu zu erziehen, die Druckerpatrone rechtzeitig auszutauschen oder ähnlichen Kleinkram zu erledigen. Auch bedingt sinnvolle Anweisungen von oben habe ich schon ausgesessen, sprich nicht aktiv verweigert, sondern eher mal ein paar Tage abgewartet, ob sich das Problem von alleine lösen wird. Wenn es darauf ankommt, kann ich zwar auch anders, aber im Alltag gebe ich mich im Büro immer freundlich-friedlich und dickschädlig bis Dorthinaus.

» Gerbera » Beiträge: 10366 » Talkpoints: 3,75 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Bei uns im Büro regt sich keiner über Geschirr auf, dass herumsteht. Ich habe eine Kollegin, bei der teilweise drei benutzte Tassen auf dem Schreibtisch stehen, bei der Chefin steht meist eine benutzte Teekanne auf dem Tisch und eine gebrauchte Tasse. Da stört sich echt niemand dran, unsere Prioritäten liegen da eher anders. Daher würde ich da auch eher den Weg des geringsten Widerstands gehen, schließlich lohnt es sich hier ja gar nicht, wenn man auf Krawall gebürstet Stress machen.

Andererseits kann man das auch nicht pauschalisieren und es gibt durchaus Situationen, wo man Konflikten eben nicht aus dem Weg gehen kann. So hatte ich zum Beispiel kürzlich das Problem mit der vielfach hier erwähnten egozentrischen und nervtötenden Kollegin, dass die mich blöd angemacht hat. Sie hatte mich gebeten, was für sie zu erledigen, allerdings brauchte ich dafür bestimmte Unterlagen und konnte nicht mal eben ohne Unterlagen starten. Da es eine Aufgabe war, die der neuen Leitung sehr wichtig ist und ich dummerweise eine der wenigen bin, die sich mit dem dafür vorgesehen Programm im Schlaf auskennt, hatte ich nicht die Option, diese Aufgabe abzulehnen.

Ich habe also gewartet, bis ich die Unterlagen bekommen und dann kam sie nach Wochen (!) an und fragte, wo denn die fertigen Sachen sind. Sie war zwischendurch im Urlaub, damit nicht ansprechbar und verschollen. Es stellte sich heraus, dass sie die relevanten Unterlagen auf einem völlig fremden Schreibtisch abgelegt hat (besagte Schreibtisch-Besitzern neigt eh zu Chaos und der Schreibtisch gilt daher als Bermuda-Dreieck) und davon ausgegangen ist, dass ich die Sachen schon finden würde. Dabei kam nicht mal ein Hinweis, eine Nachricht gar nichts.

Ich meine, ich habe ein Postfach im Sekretariat, das für Unterlagen für mich gedacht ist. Also die Situation hätte ich gar nicht umgehen können durch entsprechendes Verhalten und blöd anmachen, weil ich wegen ihrer Dämlichkeit meine Aufgabe nicht machen kann, lasse ich mich auch nicht.

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» Täubchen » Beiträge: 33305 » Talkpoints: -0,78 » Auszeichnung für 33000 Beiträge


Man muss sicherlich nicht jede Diskussion suchen, aber wenn man dann Dinge der Kollegen immer übernehmen muss, finde ich das weniger gut. Ich meine wenn man Lösungen findet, die einen nicht belastet, dann ist das auch gut so und dann kann man solche Tricks auch gerne anwenden, aber es darf nicht zur Belastung werden. Ich versuche immer einen gesunden Mittelweg zu finden, wobei ich durchaus auch schon mal etwas sage, wenn es zu viel wird.

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» Ramones » Beiträge: 46509 » Talkpoints: 2,20 » Auszeichnung für 46000 Beiträge


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