Kinder darauf vorbereiten, wie sie im Notfall helfen können?

vom 17.03.2021, 14:03 Uhr

Als ich mich eben ein bisschen verbrannt habe und den Finger kühlen musste, habe ich mich an eine Geschichte erinnert, die uns meine Tante vor fast dreißig Jahren erzählt hat und die sie unheimlich stolz auf ihren Sohn machte. Paul war da etwa acht Jahre alt, seine Schwester Julia sechs. Meine Tante war gerade nicht im Haus, eventuell war sie im Garten.

Auf dem Herd stand aus irgendeinem Grund die heiße Suppe. Julia wollte den vollen Topf mit der kochenden Suppe vom Herd nehmen. Es kam, wie es kommen musste: Der ganze heiße Topf kippte über ihr aus. Paul, hochintelligent und eher wenig praktisch veranlagt, reagierte blitzschnell, als seine Schwester schrie. Er packte sie und zerrte sie unter die Dusche, wo er sofort das kalte Wasser anstellte und dafür sorgte, dass sie auch darunter blieb. Meine Tante fand sie dort erst eine Weile später, alarmiert von dem dritten Kind.

Es ist kaum vorstellbar, was passiert wäre, wenn Paul nicht sofort und geistesgegenwärtig so gehandelt hätte. Julia wäre wohl ihr Leben lang entstellt gewesen, zumindest wären viele Behandlungen nötig gewesen. Kochende Suppe ist ja noch mal heißer als nur Wasser und klebt auch mehr an der Haut, wodurch die Verbrennung intensiviert wird. Als meine Tante Paul später gefragt hat, woher er wusste, was er machen muss, erzählte er, dass er das einige Zeit vorher im Fernsehen gesehen hatte.

Unserer ganzen Familie wurde daraufhin bewusst, dass auch Kinder im Notfall lebenswichtig sein können. Und wenn sie nur Hilfe holen, kann das auch schon wichtig sein. Wir alle wurden daraufhin von unseren Eltern oder Großeltern auf einige Dinge hingewiesen, die auch wir im Notfall machen können. Das fing an mit der Notrufnummer und ihrer Bedeutung. Oder dass wir auch Nachbarn Bescheid sagen können. Oder eben, dass wir sofort kühlen müssen bei Verbrennungen.

Damals war das noch nicht so bekannt und im Bewusstsein der Erwachsenen, dass auch Kinder schon großes leisten können. Heute wird glaube ich so einiges schon im Kindergarten oder auch der Schule vermittelt. Glaubt Ihr, dass Eure Kinder bereit wären, bei einem Notfall im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu helfen? Wie bereitet Ihr sie darauf vor? Haben Eure Kinder schon einmal in einer Notsituation helfen können?

» SonjaB » Beiträge: 2529 » Talkpoints: 48,54 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Ich habe manchmal ziemlich schüchterne Kinder, sie brauchen immer ein paar Minuten um beispielsweise mit jemanden zu reden oder sich dann "normal" zu verhalten. So waren aber sowohl ihre Mama, also ich, als auch der Papa so als Kind, also braucht man da auch nicht so viel anderes Verhalten erwarten denke ich. Deswegen bin ich mir nicht sicher, ob sie es dann wirklich so umsetzen würden, aber ich erkläre das meinen Kindern auf jeden Fall.

Wenn ich mich selber mal verbrannt habe, dann habe ich gezeigt, dass man das mit Wasser kühlt und auch gesagt, dass man sofort den Krankenwagen holen muss und auch am besten die Person unter die Dusche stellt, wenn es mehr als nur mal der Finger ist und es beispielsweise die heißen Nudeln waren. Meine Kinder sind nie alleine, aber sie wissen was zu tun ist und lernen das teilweise auch im Kindergarten. Da hatten sie mal das Thema Feuerwehr, wobei da die Nummer erklärt wurde und was die so machen. Was ich da aber beispielsweise mit meinen Kindern besprochen habe ist, dass sie rausgehen sollen und wenn wir da sind nach uns rufen sollen, dann sofort raus, auch wenn wir nicht reagieren aus und zum Nachbarn und da anrufen. Zumindest der Große wird das auch so machen.

Ebenso habe ich meinem Sohn beigebracht, was er machen soll, wenn es der Oma mal nicht gut geht und sie Hilfe braucht. Sie ist nämlich sehr krank und wenn sie dann umfällt oder so, dann macht es Sinn, dass er nicht in Panik verfällt. Denn wenn wir mal bei Oma sind, dann kommt es schon vor, dass sie auch mal auf ihn aufpasst. Er weiß also ihre Adresse, kann das Haus beschreiben und weiß den Namen der Oma und was er da sagen soll. Ich bin das mit ihm durchgegangen. Mit mir hat man das auch gemacht und ich finde es wichtig, denn es kann schnell mal zum Fall der Fälle kommen.

Genauso habe ich meinen Kindern aber auch beigebracht, dass sie bei Berührungen egal von wem die kommen Nein sagen dürfen und dass das okay ist, wenn man da etwas nicht möchte. Das war mir auch wichtig und ich habe da auch gesagt, dass man dann laut werden soll, wenn sich jemand nicht dran hält und das machen die auch beide. Man sollte seinen Kindern eben für den Notfall alles beibringen, ob sie es dann umsetzen und machen ist eine Sache, wenn sie es aber verinnerlicht haben ist die Chance größer gut zu handeln und nicht kopflos zu agieren.

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» Ramones » Beiträge: 46509 » Talkpoints: 2,20 » Auszeichnung für 46000 Beiträge


Ich habe zwar keine eigenen Kinder, aber ich halte es auch für sinnvoll, je nach Alter die entsprechenden Basics zu vermitteln, wie man sich im Notfall verhält. Wichtig fände ich aber vor allem, das Ganze eher spielerisch zu vermitteln. Du weißt ja nicht, was in einem Fünfjährigen vorgeht, wenn es heißt: "Wenn Oma mal zusammenbricht und blau anläuft, musst du Folgendes machen:" Letzten Endes ist es immer noch die Verantwortung der Erwachsenen, im Notfall richtig zu reagieren und es sollte für ein Kind dicke reichen, zu wissen, dass es Alarm schlagen und Hilfe bei den nächstgelegenen Erwachsenen holen soll.

Die mir seinerzeit vermittelte Mittelalterpädagogik, die hoffentlich heute nicht mehr im Umlauf ist, hat mir als kleinem Mädelchen nämlich vor allem Angst gemacht, dass an jeder Ecke Tod und Gefahren lauern und es meine Verantwortung ist, die gängigen Erste-Hilfe-Maßnahmen dann richtig anzuwenden und einen korrekten Notruf abzusetzen. Und natürlich eigenständig zu beurteilen, ob es sich um einen "richtigen" Notfall handelt. Weil sonst hätte Klein Gerbera maximal geschimpft bekommen, weil sie Erwachsene gestört und völlig über reagiert hätte. Sprich, Oma wäre bei mir wohl sang- und klanglos eingegangen, weil ich mich nicht getraut hätte, irgendwas zu machen.

» Gerbera » Beiträge: 10360 » Talkpoints: 1,72 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Meinen eigenen Kindern habe ich schon recht früh dem Alter entsprechend vermittelt, was man tun sollte, wenn es zu einem Notfall kommt. Und wenn es am Anfang "nur" darum geht, Hilfe zu holen und beim Opfer zu bleiben, später kann man das Ganze dann auch noch erweitern. Auch in den Klassen der Kinder habe ich mich für eine altersgerechte Erste-Hilfe-Schulung eingesetzt, die dann auch tatsächlich durchgeführt wurde.

Ich selber leite eine Kinderfeuerwehr, dort haben wir 6-Jährige bis 10- bzw. 12-Jährige Kinder, die durchaus in der Lage sind, Erste-Hilfe zu leisten, wenn man es ihnen richtig beibringt und auch regelmäßig übt. Sicherlich gibt es bei z.B. der Herz-Lungen-Wiederbelebung manchmal Hemmungen und auch körperliche Grenzen, weshalb ich diese Dinge auch nur den großen Kindern zeige, die vor dem Übertritt in die Jugendfeuerwehr stehen. Aber Hilfe holen, bzw. einen Notruf absetzen, Verbände anlegen, stabile Seitenlage mit Atem- und Pulskontrolle bekommen auch die ganz Kleinen hin. Natürlich ist es beim Üben noch etwas anderes, als tatsächlich mal in einer echten Notsituation, aber ohne es zu üben, würde wahrscheinlich kaum jemand überhaupt etwas tun.

Tatsächlich hat dann auch eines meiner Kinderfeuerwehr-Kinder in einer Notsituation schon geholfen. Zwar nur, indem es das verunfallte Kind beruhigte und loslief, um Hilfe zu holen (in dem Fall zufällig mich, weil ich der erste Erwachsene war, der ihm über den Weg lief), aber das war in der Situation auch das einzig Richtige.

Also traut Euch, Kindern auch mal die nicht so schönen Dinge des Lebens altersgerecht zu vermitteln. Wenn nur einem anderen dadurch geholfen wird, hat es sich auf jeden Fall gelohnt.

» Squeeky » Beiträge: 2788 » Talkpoints: 5,68 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



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