In eine Krankheit flüchten und diese als Ausrede nutzen?

vom 29.11.2015, 18:08 Uhr

Eine Bekannte von mir hat chronischen Reizdarm und verbringt daher die meiste Zeit zu Hause. Sie meint, dass sie keine große Lust hat, etwas zu unternehmen oder zu verreisen, da ihr das zu unsicher und zu riskant ist. Sie hat dann Angst, dass keine Toilette in der Nähe ist und sie meinte auch, dass sie sich am wohlsten fühlen würde, wenn sie in den eigenen vier Wänden wäre.

Jedenfalls soll ihr Partner jedoch nur noch genervt von ihr sein, da er es nicht verstehen kann, wie seine Freundin sich so einigelt und nichts mehr unternehmen will. Er unterstützt sie zwar, versteht es aber auch nicht, wieso sie nicht einfach mit ihm ins Kino oder in den Urlaub möchte, da das mit der Toilette dann ja kein Problem mehr wäre.

Er meint, dass sie sich nur in die Krankheit flüchten würde und auch die Krankheit ständig als Vorwand und Ausrede für alles verwenden würde. Kennt ihr Menschen, die sich in eine Krankheit flüchten? Wie kann und sollte man damit umgehen?

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 29608 » Talkpoints: 26,62 » Auszeichnung für 29000 Beiträge



Deine Bekannte tut mir da wahnsinnig leid, denn ein Reizdarm ist doch keine Ausrede, meistens führen Stress und psychische Belastungen zu solchen Symptomen, was ihr Partner aber auch nicht besser macht, wenn er Druck auf sie ausübt, auch wenn er sie sonst unterstützt. Deine Bekannte wird sich in der Situation nicht wohlfühlen, außerdem gehören Magenkrämpfe und Bauchschmerzen auch dazu, das möchte man nicht in der Öffentlichkeit haben.

An einem Reizdarm leidet man unter gewissen Umständen jahrelang, natürlich gibt es auch mal sehr gute und bessere Phasen, aber ganz verschwinden wird das wohl nicht. Man kann damit und danach Leben und sich auch zurechtfinden, aber das ist auch nicht immer so einfach. Ich selbst würde nie behaupten, dass sich jemand in eine Krankheit flüchtet und diese als Ausrede benutzt, denn man weiß doch nie genau was bei den Personen los ist, vor allem wenn man kein Arzt ist.

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» soulofsorrow » Beiträge: 8560 » Talkpoints: 7,93 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


Vielleicht hat sie einfach Panik und traut sich nicht mehr, raus zu gehen. Verstehen kann ich das, wenn es tatsächlich so ist, dass sie unter dieser Krankheit leidet.

Eine Bekannte von mir hat angeblich ein ganz schlimmes Rückenleiden. Sie kann also nicht arbeiten, keinen Sport machen, keinen Haushalt führen, nichts Schweres tragen und auch nirgendwo hin gehen. In ärztlicher Behandlung ist sie aber nicht und abnehmen kann sie auch nicht (ist ihr zu anstrengend und würde sowieso nichts für ihren Rücken bringen). Dass der Mann da langsam durchdreht, kann ich schon sehr gut nachvollziehen.

Mit schweren Krankheiten ist nicht zu spaßen und wenn jemand wirklich unter einer Krankheit leidet, die ihn davon abhält, bestimmte Dinge zu unternehmen, dann tut mir das sehr leid. Man muss halt immer von Fall zu Fall entscheiden, bzw. abwägen, ob es sich um eine wirkliche Krankheit oder um eine Ausrede handelt.

» Sandra980 » Beiträge: 1011 » Talkpoints: 12,76 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Ich finde es schwierig zu beurteilen, weil ich denke, dass deine Bekannte unter dem Reizdarm schon sehr leidet und ich denke auch, dass ihr Partner das nicht gerade besser macht, wenn er sie dazu drängt, etwas mit ihm zu unternehmen, was sie aber einfach nicht möchte. Ich verstehe hier aber auch den Partner, der mit seiner Partnerin gemeinsam etwas unternehmen möchte und das nicht möglich ist, weil sie sich nur zu Hause verschanzen möchte.

Hat deine Bekannte es denn mal versucht, Medikamente gegen den Reizdarm zu nehmen? Diese helfen leider auch nicht jedem Betroffenen gleich gut, aber ich kenne doch einige Menschen, die sich deutlich wohler fühlen, seit sie die Medikamente nehmen, eben weil sie auch mal raus gehen können, ohne ständig im Hinterkopf zu haben, wo denn wohl die nächste Toilette ist.

» Barbara Ann » Beiträge: 25060 » Talkpoints: 35,79 » Auszeichnung für 25000 Beiträge



Ich kann die Argumentation des Partners schon irgendwie nachvollziehen. Ich persönlich käme dann auf die Idee, dass sich jemand in eine Krankheit flüchtet, wenn ich gar nicht sehe, dass etwas gegen die Krankheit unternommen wird, sondern man nur ständig die Krankheit vorschiebt, um bestimmten Situationen aus dem Weg zu gehen.

So weiß man zum Beispiel gar nicht, was die Frau gegen den Reizdarm unternimmt. Also ob sie beim Arzt war, ob sie vielleicht Stressbewältigungsmethoden ausprobiert hat oder ob sie ihre Ernährung umgestellt hat um herauszufinden, ob es an bestimmten Nahrungsmitteln liegt. Wenn sie so gar nichts in der Hinsicht versucht hat, dann kann ich die Aussage des Partners sehr gut verstehen und hätte denselben Verdacht, dass das nur eine Ausrede ist. Aber aus dem Text geht eben nicht hervor, was sie bisher getan hat gegen den Reizdarm und ob das überhaupt der Fall gewesen ist.

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» Täubchen » Beiträge: 24943 » Talkpoints: 2,39 » Auszeichnung für 24000 Beiträge


Ich kann beide Seiten verstehen und denke, dass man irgendwann durchaus Angst entwickelt, wenn man so einen Reizdarm hat. Da kann es ja durchaus vorkommen, dass man in eine Situation kommt, in der man auf die Schnelle keine Toilette findet. Mir geht es da durch die Blase ähnlich und ich habe auch schon schlechte Erfahrungen gemacht, als ich dringend musste und keine Toilette vorhanden war. Aber man muss natürlich etwas gegen diese Ängste machen und sie nicht gewinnen lassen. Dadurch schränkt man sein Leben ja auch ein.

Ich kann aber auch verstehen, dass der Partner irgendwann genervt und kein Verständnis mehr aufbringen kann. Immerhin könnte man ja schauen, ob man nicht irgendwelche Maßnahmen für den Notfall ergreifen kann, so dass die Frau da etwas abgesicherter ist. Man könnte ja ein Wohnmobil oder einen Wohnwagen mieten und damit mal wegfahren. Da hat man die Toilette ja quasi dabei. Oder auch zum Arzt gehen und sich dort mal beraten lassen.

Ich kenne aber auch jemanden, der eine psychische Erkrankung hat und diese durchaus mal als Ausrede vorschiebt, wenn er auf etwas keine Lust hat. Das finde ich dann schon wirklich unpassend und denke, dass man so das Verständnis der anderen ausnutzt. Irgendwann wird einem dann sicherlich auch nicht mehr geglaubt, wenn man gerade wirklich eine schlechte Phase hat.

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» Nelchen » Beiträge: 28361 » Talkpoints: 1,32 » Auszeichnung für 28000 Beiträge


Den Schilderungen nach kommt es mir persönlich auch so vor, als würde sie ihre Erkrankung nur vorschieben, um zu Hause zu bleiben. Ich leide unter Colitis ulcerosa und das ist in einem Schub sehr unangenehm. Es gibt aber Möglichkeiten den Schub so abzufangen, dass man ein normales Leben führen kann und dass man nicht ständig auf die Toilette muss. Falls mal was daneben geht, trage ich während einem Schub immer eine spezielle Slipeinlage, es ist dann zwar immer noch unangenehm, aber ich muss nicht auf alles verzichten.

Auch meine psychische Erkrankung ist nicht sonderlich spaßig, besonders wenn ich psychische Schmerzen bekommen sollte. Dann kann ich mich wirklich nicht mehr bewegen und es geht gar nichts. Am Anfang hat mein Partner mich auch immer versucht zu zwingen, weil er dachte, ich würde nur Ausreden suchen, mittlerweile ist er soweit, dass er mich Dinge einfach in meinem Tempo erledigen lässt und hetzt mich dann auch nicht mehr.

Dann dauert es halt länger bis ich mich aufrappele, aber ständig eine Erkrankung vorschieben, finde ich irgendwann auch nicht mehr angebracht. Ich denke, dass man bei jeder Erkrankung irgendwann einen Punkt finden sollte, bei dem man sich noch etwas Lebensqualität erhalten sollte. Wenn wir verreisen, machen wir die Fahrten oder Ähnliches auch von meinem Zustand abhängig, gegebenenfalls machen wir uns einen ruhigen Tag und entspannen.

Deine Bekannte sollte vielleicht therapeutische Hilfe annehmen. Das habe ich ebenfalls getan und es hilft mir auch beim Umgang damit. Auch wird ihre Angst angegangen und sukzessive wird sie auch bei dem Umgang damit unterstützt. Auch merkt ihr Partner dann vielleicht auch, dass sie sich Unterstützung sucht und etwas gegen ihren Zustand tut. Tut sie das nicht, dann kann es vielleicht sogar sein, dass ihr Partner keine Lust mehr auf die Beziehung hat und diese auf kurz oder lang in die Brüche geht. Das will sie ja wahrscheinlich auch nicht.

» Wibbeldribbel » Beiträge: 10289 » Talkpoints: 5,52 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



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