Hochzeitseinladung ausschlagen, weil man lernen muss?

vom 11.07.2017, 09:22 Uhr

Als meine Schwägerin vor ein paar Jahren geheiratet hat, hatte sie auch ihren Cousin und deren Freundin eingeladen. Es handelte sich um einen Tag, an dem die Hochzeit statt finden sollte und nicht etwa einige Tage, die durch gefeiert werden sollten. Dennoch haben der Cousin und die Freundin beide abgesagt, mit der Begründung, dass sie sich im Klausurenstress und Lernstress für die Uni befinden.

Daraufhin meinten Verwandte dann, dass es sicherlich nur eine Ausrede sei und man doch auch einen Tag mal aufs Lernen verzichten könnte. Aber ich meine, dass meine Schwägerin auch an einem Samstag geheiratet hat. Da weiß ich nun nicht, wie es an Unis gehalten wird und ob auch Samstags Klausuren geschrieben werden. Ich könnte mir ansonsten vorstellen, dass man da als Student eben nicht einfach sagen kann, dass man eine Klausur auslässt und lieber zur Hochzeit geht.

Könnt ihr nachvollziehen, dass man eine Hochzeitseinladung ausschlägt, weil man lernen muss? Unter welchen Umständen würdet ihr das durchaus für möglich halten? Oder würdet ihr auch direkt daran denken, dass es sich nur um eine Ausrede handelt, um eben nicht zur Hochzeit gehen zu müssen?

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» Nelchen » Beiträge: 32238 » Talkpoints: -0,25 » Auszeichnung für 32000 Beiträge



Ich kann das auf jeden Fall nachvollziehen. Wenn man strebsam ist und lernen muss, dann sollte man sich nicht die Birne wegknallen, sondern an die eigene Zukunft denken und lernen. Das sollte man dann aber auch verstehen. Wenn viele Klausuren anstehen oder man nicht mal eben so gut verlernen konnte, dann muss man eben auch Veranstaltungen absagen. Natürlich sollte man eine Hochzeitseinladung aber nicht eine Woche vorher ausschlagen, sondern wenn möglich ein paar Monate, damit man besser planen kann als Gastgeber.

Mal aus Sicht des Studenten gesehen würde ich auch mein Ziel verfolgen wollen, weil ich einen guten Abschluss haben wollen würde, was dann Verwandte von mir denken, wäre mir egal, da man mit der Hochzeitsteilnahme keine Vorteile bei der Klausur hat.

Ob es nun eine Ausrede war oder nicht, wird nur das Paar wissen, aber ich finde es nachvollziehbar, dass ein Student in der Lernphase nicht weggeht. Das kenne ich auch von Studenten und wenn dann eine Feierlichkeit ansteht kann man die auch mal höflich absagen.

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» Ramones » Beiträge: 45872 » Talkpoints: 4,32 » Auszeichnung für 45000 Beiträge


Naja, ich denke nicht, dass gerade um "Birne wegknallen" geht. Ich gehe auch auf Hochzeiten und trinke keinen Alkohol. Ich denke, dass man ja auch ansonsten eben nicht so lange bleiben muss und nicht sich nicht gerade betrinken muss. Gerade, wenn man eben gerade in einer Lernphase steckt.

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» Nelchen » Beiträge: 32238 » Talkpoints: -0,25 » Auszeichnung für 32000 Beiträge



Nelchen hat geschrieben:Naja, ich denke nicht, dass gerade um "Birne wegknallen" geht. Ich gehe auch auf Hochzeiten und trinke keinen Alkohol. Ich denke, dass man ja auch ansonsten eben nicht so lange bleiben muss und nicht sich nicht gerade betrinken muss. Gerade, wenn man eben gerade in einer Lernphase steckt.

Auch wenn man meint mit dem nicht lange bleiben, wie schaut es denn in Realität aus? Gehst du als erstes, wirst du komisch angeschaut und mit nur einer Stunde ist es nicht getan. Da wirst du dann erst zum Essen überredet, dann noch bis die Torte angeschnitten ist und am Ende hockst du auch bis abends da und hast nichts weiter geschafft. Dann sind die Feiern selten im heimischen Wohnzimmer, sondern es kommt noch die Strecke mit dazu die man hin und wieder zurück braucht und wenn das mehrere hundert Kilometer sind, dann ist es auch mit einem Tag nicht getan selbst wenn man nicht lange bleiben wollte.

Ich kann es gut verstehen wenn man das ausschlägt und nicht alles ist eine Ausrede, nur weil man nicht zur Hochzeit gehen will. Ich kenne das auch, dass jemand meinte mitten in den Prüfungen heiraten zu müssen und dann auch alle einzuladen und hinterher auf die Beleidigte Leberwurst gemacht hat, weil viele mit der Aussage dann abgelehnt haben. Samstag wurde zwar keine Klausur geschrieben, dafür die Tage davor 3 Stück und die kommende Woche darauf 3 weitere, dass du das komplette Wochenende damit verbracht hast, für die anderen drei Klausuren zu lernen damit diese auch bestanden werden. Diese drei weiteren Klausuren waren dann auch direkt die Endnote für das Studium, dass es keine weitere Möglichkeit gab mit Ausgleich und verbessern in der darauf folgenden Zeit, wie die gute Dame versuchte das zu argumentieren damit doch noch mehr Leute zu ihrer Feier kommen.

Dazu kommt noch, dass die Feier 150 Kilometer in die andere Richtung gehalten worden ist. Mit Bahn und Bus bist du da nicht hin gekommen und auch mit dem Auto hast du deine 2,5 Stunden einfache Wegstrecke über die Landstraßen gebraucht. Sprich 5 Stunden reine Fahrzeit und selbst mit "nicht lange bleiben" bist du am Ende den kompletten Tag los gewesen. Einer hat sich erweichen lassen und war dort, ist Samstag früh hin zur Feier und kam erst Sonntag morgen in der Nacht zurück und wollte "auch nicht lange bleiben". Da ist es dann so gelaufen mit Überreden und "bleib doch noch bis die Torte kommt" usw.

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» Sorae » Beiträge: 19435 » Talkpoints: 1,29 » Auszeichnung für 19000 Beiträge



Nelchen hat geschrieben:Da weiß ich nun nicht, wie es an Unis gehalten wird und ob auch Samstags Klausuren geschrieben werden.

Das kommt durchaus vor. Zu meiner Studienzeit war es normal, dass man auch am Samstag eine Klausur hatte. Ganz einfach, weil zu wenig Räume für die ganzen Klausuren, Kurse und über 40.000 Studenten vorhanden waren. Da kann nicht jeder Student die Klausur am Montag oder Dienstag schreiben, das ist nicht machbar.

Hinzu kommt, dass es bei uns auch Blockunterricht am Samstag oder Sonntag gegeben hat und man sogar an gesetzlichen Feiertagen Unterricht hatte. Ich musste zum Beispiel am Tag der Deutschen Einheit in die Uni und eine Freundin von mir musste am Ostersonntag in die Uni, weil die Dozentin da unbedingt Unterricht machen wollte.

Wenn dann noch das "Glück" dazu kommt, dass man 11 Klausuren in 14 Tagen schreiben muss, hat man einfach keine Zeit das Wochenende damit zu verplempern, auf irgendwelche Hochzeiten zu gehen. Die Fahrt hin und zurück kostet auch wieder Zeit und nerven, man isst nur, es ist laut, man schläft zu wenig. Die Zeit könnte man fürs Lernen definitiv besser nutzen.

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» Täubchen » Beiträge: 33305 » Talkpoints: -0,78 » Auszeichnung für 33000 Beiträge


Wie kommt man eigentlich darauf, dass Studierende immer ganz viel Zeit haben und mal eben so zu Feiern kommen können? Mein Mann hat am Wochenende immer gearbeitet, der brauchte das Geld. In den Semesterferien ist er Vollzeit gegangen und hat natürlich die Schichten mit Zuschlägen genommen. Weihnachten, Silvester und so weiter war der immer weg. Dazu kam dann der Lernstress und Klausuren im Rudel an ungünstigen Tagen oder zu unmöglichen Uhrzeiten.

Oder was hätte ich damals in der klinischen Rotation machen sollen? 42 Stunden normaler Dienst, plus ein Notdienst an jedem Wochenende, ansonsten gibt es den Schein nicht. Dazu regelmäßig Breitschaftsdienste und Nachtdienste und natürlich andauernd die Einteilung vor dem eigentlichen beginn zum Messen, und wenn man gerade in der Rinderklinik gelandet ist, auch zum Melken. Dazu noch lernen. Wo bleibt da die Zeit für viel Privatleben?

» cooper75 » Beiträge: 12355 » Talkpoints: 518,73 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


Meine Erfahrung sagt, dass 1) Leute ihre Hochzeiten und sonstigen Personenstandsfälle als sehr viel wichtiger für ihre Umwelt ansehen als diese selbst und 2) Studieren und akademisches Arbeiten von Leuten, die damit weniger Erfahrung haben, gerne belächelt und nicht ernst genommen wird. Wenn man einen Motor auseinander nimmt oder einen Zaun streicht, sieht das in den Augen vieler eben mehr nach "Arbeit" aus wie wenn man als StudentIn stundenlang am Laptop sitzt und in Büchern blättert.

Da ich selber weiß, dass auch Studieren Arbeiten bedeutet, würde ich es unhinterfragt hinnehmen, wenn die Person eben keine Zeit für eine Hochzeitsfeier hat. Cousins und Cousinen gibt es in den meisten Familien sowieso wie Sand am Meer, und es wird schon genügend Publikum für den ganzen Zinnober zusammenkommen, auch wenn einzelne geladene Gäste (ehrlich gesagt) Wichtigeres zu tun haben. Und selbst wenn es sich um eine Ausrede handeln sollte, sehe ich auch nicht, was daran so aufsehenerregend sein sollte. Nicht jeder reißt sich darum, bei Familienfeiern vorne und mittig dabei zu sein, kann jedoch auch nicht offen zugeben, dass man lieber daheim auf dem Sofa sitzen und sich die Zehennägel feilen möchte.

» Gerbera » Beiträge: 9984 » Talkpoints: 1,81 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Ich würde eine solche Begründung nicht als Ausrede ansehen, sondern sie glauben, wenn man mir das sagt. Für ein Studium muss man schon einiges machen und wenn eine Klausur ansteht natürlich noch mehr. Darum verstehe ich es gut, dass man dann auch mal zu Hause bleibt und lernt, statt zu einer Feier zu gehen. Man weiß ja nun auch gar nicht, wie der Kontakt zwischen der Braut und ihrem Cousin war und vielleicht hatten die Beiden ja auch gar nicht viel miteinander zu tun.

Aber auch wenn sie engen Kontakt hatten, muss doch jeder für sich selber entscheiden, was für ihn vorgeht. Wenn das in dem Moment das Studium ist, hätte ich dafür vollstes Verständnis. Wenn eine wichtige Klausur bevorsteht oder sogar an dem Tag der Hochzeit geschrieben werden muss, dann hat man doch auch gar nicht den Kopf frei für eine Feier. Außerdem weiß man ja auch gar nicht, wie weit der Cousin entfernt wohnte. Wenn er noch durch halb Deutschland hätte fahren müssen, hätte es doch erst recht keinen Sinn gemacht.

» Barbara Ann » Beiträge: 28516 » Talkpoints: 0,60 » Auszeichnung für 28000 Beiträge


Wenn man den Termin schon einige Woche vorher kennt, könnte man dann nicht quasi "vorlernen"? Es also einplanen. Dafür müsste man es natürlich auch wollen. Wenn sie sich dagegen entscheiden, ist es zu akzeptieren. Ein Überreden hat hier wohl eher keinen Sinn, da sie das am Tag der Feier vielleicht sogar kundtun und den tollen Tag sicher nicht als solchen genießen werden. Das kann schon mal auf die Stimmung schlagen. Also lieber unbeschwert feiern, wenn es halt sein muss, ohne Cousin und dessen Freundin. Vielleicht haben sie mal später das gleiche Glück und kassieren Absagen aus den selben Gründen.

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» Quasselfee » Beiträge: 2110 » Talkpoints: 20,07 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Qasselfee hat geschrieben:Wenn man den Termin schon einige Woche vorher kennt, könnte man dann nicht quasi "vorlernen"? Es also einplanen.

Liege ich richtig in der Annahme, dass du noch nie studiert hast? "Vorlernen" ist nur bedingt möglich. In der Regel muss der Stoff von einem ganzen Semester (teilweise sogar von 2 Semestern bei Modulabschlussprüfungen) gelernt werden, da er abgefragt wird. Wenn also knapp 11 Klausuren in 14 Tagen geschrieben werden müssen und man dafür den Stoff von 11 Fächern von 1-2 kompletten Semestern drauf haben muss, dann kann man nicht ausreichend vorlernen, wenn man zwei Wochen vor der Klausurphase von der Hochzeit unterrichtet wird.

Was mich persönlich stört ist, dass viele Menschen einfach annehmen, dass Uni genauso ist wie die Schule. In der Schule schreibt man zwei Klassenarbeiten oder Klausuren pro Halbjahr, in einem Abstand von maximal vier Wochen. Da ist nicht viel zu lernen für, mal ehrlich. Ich hatte teilweise Klassenarbeiten, da wurde nur ein winziges Thema behandelt und fertig, mehr hat man in 3-4 Wochen Unterricht einfach nicht geschafft durchzunehmen. Bis zur Klassenarbeit wurde dann endlos wiederholt, damit sich das Wissen auch festigt.

In der Uni sieht das aber anders aus, in der Vorlesung rattert der Dozent in der Vorlesungszeit (die in der Regel 4 Monate pro Semester dauert) alles runter, was er weiß, wiederholt wird nicht wirklich und dann sieh zu, dass du am Ende des Semesters alles auswendig kannst. Wiederholt wurde in meinem Studium eigentlich nur, wenn später ein Seminar kam, das sich auf eine Grundvorlesung bezogen hat vom Inhalt her. In den Vorlesungen selbst wurde nichts wiederholt, nicht mal für Klausuren. Wenn man dann noch nebenher arbeiten muss, weil man seinen Lebensunterhalt finanzieren muss, dann sieht es schon knapp aus von der Zeit her. In den Semesterferien kommen dann die ganzen Blockkurse und Praktika dazu. Also eine wirkliche Pause nur für das Lernen hat man nicht, das ist quasi Dauerstress.

Schüler haben deutlich kürzere Abstände zwischen den Klassenarbeiten, müssen nicht nebenher arbeiten und leben zu Hause bei den Eltern, die sich um alles kümmern von Einkäufen bis hin zu Wäsche und Kochen. Ein Student muss das alles nebenher erledigen. Versuch da mal wirklich den Stoff von zwei Semester vorzulernen und dann auch noch für 10 Fächer, wenn du gerade erfahren hast, dass in vier Wochen Hochzeit ist und du gefälligst antanzen sollst, weil der Cousin sonst beleidigt ist.

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» Täubchen » Beiträge: 33305 » Talkpoints: -0,78 » Auszeichnung für 33000 Beiträge


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