Haschisch für Tourette von Krankenkassen bezahlen lassen?

vom 20.07.2016, 00:01 Uhr

Mittlerweile haben sehr viele Tourette Patienten erkannt, dass ihnen Cannabis als Medikament in Form eines Joints & Co hilft. Sie können dadurch auch mal ein bis zwei Stunden oder länger ohne Ticks auskommen, was insbesondere schweren Tourette Patienten gut tut, um am alltäglichen Leben teilnehmen zu können. Immerhin ist der soziale Umgang für viele so schwer, dass sie vereinsamen, öffentlich ausgelacht werden und mehr.

Ich sehe immer wieder Reportagen, wo Tourette Patienten bemängeln, dass sie die medikamentöse Verabreichung von Cannabis nicht bezahlt bekommen. Anders als auf der Straße kosten hier oftmals 1-10 Gramm bis zu 75,- Euro. Auf der Straße bekommt man ein Gramm für bereits 5,- Euro, was aber mehr gestreckt ist und deswegen nicht den gewünschten Effekt erzeugen würde.

Leider gibt es kaum einen Patienten, der es trotz ärztlicher Diagnose und Gutachten von den Krankenkassen verschrieben bekommt. So müssen die meisten Tourette-Patienten alle Kosten selber übernehmen. Einen habe ich gesehen, der sich Cannabis nur bis Mitte des Monats für 300,- Euro leisten kann, weil danach das Geld ausgeht.

Ich finde es unglaublich traurig, dass man Versicherungen hat und diese nicht da eingreifen, wo es erforderlich ist. Ich habe die Menschen gesehen, sie schlagen sich auch selber, haben ununterbrochen Ticks und können dadurch kaum arbeiten. Durch das offizielle Kiffen ist ihnen mehr Freiraum und Privatsphäre sowie Eigenständigkeit gegeben, was auch Krankenkassen gut kommt, wenn man einen Beitrag zahlen muss oder?

Nun sind ja immer mehr Ärzte schon am hoffen, dass endlich zumindest Tourette Patienten das Cannabis bezahlt bekommen und auch die Diskussionen darüber haben den Bundestag erreicht. Ich frage mich daher, ob Ihr glaubt, dass hier bald eine Lösung gefunden wird oder glaubt ihr, dass dies noch lange warten muss und auch gar nicht wichtig ist? Was denkt Ihr, muss die Krankenkasse den Konsum bezahlen oder nicht?

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» Kätzchen14 » Beiträge: 6121 » Talkpoints: 1,52 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



Selbstverständlich wäre das begrüßenswert, aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg in Deutschland. Immerhin dürfen chronisch Kranke seit Kurzem nach einem Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig ihr Cannabis auf Antrag selbst anbauen, obwohl die Polizei entsprechende Zulassungen gerne ignoriert und die Pflanzen trotzdem konfisziert.

» Paulie » Beiträge: 554 » Talkpoints: 0,24 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Paulie hat geschrieben:obwohl die Polizei entsprechende Zulassungen gerne ignoriert und die Pflanzen trotzdem konfisziert.

Macht sie das wirklich? Wofür gibt es denn dann Zulassungen, wenn man letzten Endes sowieso am "Arsch" ist, wenn die Herren der Polizei kommen und einem alles zu Nichte machen? Hast Du davon auch gehört, dass sie dann vielleicht sogar bestraft werden oder fällt das wenigstens weg, weil es eine Zulassung gab?

Bei YouTube sind einige Tourette-Patienten die auch schon in unserem TV waren. Sie tun mir wirklich leid und es wäre so simple ihnen zu helfen, aber irgendwie mahlen unsere Mühlen in vielen Belangen so langsam. Lieber beschäftigt man sich damit, dass Cannabis legalisiert werden soll, um Dealer zu vermeiden, was vollkommender Quatsch ist.

Statt man sich lieber darum kümmert, dass solche Patienten ein besseres Leben haben, aber nein. Ich bin da immer sehr naiv und denke mir, wofür zahlen diese Menschen ihre Krankenkasse, wenn am Ende fast nichts übernommen wird?

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» Kätzchen14 » Beiträge: 6121 » Talkpoints: 1,52 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



@Paulie, dass stimmt so nicht. Bisher hat kein Patient die Erlaubnis zum Eigenanbau zur Selbstversorgung aus medizinischen Gründen erhalten. Weil allerdings das Cannabis in der Apotheke zu teuer ist, haben Menschen mit der Erlaubnis zum Kauf und zum Konsum aus Verzweifelung selbst angebaut.

Selbstverständlich haben die Beamten dann die Pflanzen konfisziert. Denn eine Erlaubnis, das Zeug in der Apotheke zu kaufen, ist keine Erlaubnis zum Anbau. Die Polizei hat also nichts falsch gemacht. Das Problem lag ganz allein bei der Bundesopiumstelle.

Denn die hätte schön lange auch eine Erlaubnis zum Anbau bestimmter Mengen zum eigenen Gebrauch erteilen können. Theoretisch gab es die Möglichkeit, aber es wurde nie einem Antrag stattgegeben. Jetzt muss die Erlaubnis unter bestimmten Voraussetzungen erteilt werden.

» cooper75 » Beiträge: 13452 » Talkpoints: 524,97 » Auszeichnung für 13000 Beiträge



Mit neuen Medikamenten ist das doch häufig so, dass es eine Weile braucht, bis die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Und besonders dann, wenn das Medikament eine emotional aufgeladene Vorgeschichte hat, ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Krankenkassen nicht von jetzt auf gleich eine Kehrtwende machen. Für die Patienten ist das natürlich schwierig, wenn man da lange abwarten muss, bis sich mit der Zeit die Verhältnisse ändern, während man selbst weiterhin krank ist.

Die Preise in der Apotheke mit den Warenpreisen auf der Straße zu vergleichen, das finde ich gewagt. Wenn ich auf der Straße ein Tütchen kaufen würde, dann wüsste ich auch nicht, wie rein das Zeug da drin ist und wie viel Wirkstoff enthalten ist. Wenn man in der Apotheke das beziehen darf, vermute ich schon, dass zum Beispiel die Wirkstoffkonzentration standardisiert wird und nur Rohware aus kontrolliertem Anbau bezogen wird. Das kostet eben mehr, als ein Produkt aus Schwarzanbau oder Import aus unbekannten Quellen.

Zudem frage ich mich schon, ob das wirklich die Pflicht der Kasse ist, ein Medikament aus einer Pflanze zu zahlen, das man anscheinend problemlos zu Hause anbauen kann. Und wenn es solche Erlaubnisse anscheinend schon gibt, würde ich als Krankenkasse auch erwarten, dass der Patient sich nach Möglichkeit durch eigenen Anbau versorgt.

Und wo kann man das nachlesen, dass die Polizei angeblich Pflanzen konfisziert, die angeblich mit Erlaubnis von Kranken angebaut wurden? Wenn das nur Behauptungen sind, wäre ich damit ganz vorsichtig. Niemand wird gerne zu Unrecht beschuldigt und die Polizei schon gar nicht. Und gerade in solchen Gebieten gibt es haarfeine Unterschiede, was nun erlaubt ist und was nicht, dass man das als Laie ganz schnell falsch einschätzen kann. Bevor ich also nicht hundert Prozent sicher wäre, dass das wirklich ein Fehler der Polizei ist, würde ich das lieber nicht so sagen.

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» trüffelsucher » Beiträge: 12446 » Talkpoints: 3,92 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


Dann klärt mich bitte auf, was ich an den einschlägigen Pressemeldungen falsch verstanden habe. Den Bericht über die Konfiszierung trotz Erlaubnis habe ich im "Hanf-Magazin" gelesen, ich finde ihn nur gerade nicht wieder.

» Paulie » Beiträge: 554 » Talkpoints: 0,24 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Paulie, in dem von dir verlinkten Artikel steht doch genau das, was ich geschrieben habe. Die Bundesrichter haben im April diesen Jahres entschieden, dass die Erlaubnis zum Selbstanbau erteilt werden muss. Vorher hat die noch niemand erhalten.

Die Betroffenen hatten nur eine Erlaubnis zum Kauf in der Apotheke. Das rechtfertigt keinen Anbau. Das Urteil ist aus dem April, die Bundesopiumstelle prüft langsam. Folglich kann die Polizei nicht ständig irgendwelchen Patienten die Pflanzen wegnehmen, weil kaum jemand bisher Pflanzen haben darf. Bisher kann niemand legal mehr als eine Ernte gehabt haben, realistisch wächst die erste Generation noch.

Außerdem legt die Stelle genau fest, wie viele Pflanzen es sein dürfen. Wer zu viel züchtet, hat weiterhin verloren. Bisher traf es immer Selbstanbauer, die ihren Konsum aus der Apotheke decken durften. Die haben aber gerne behauptet, dass sie doch eine Erlaubnis hätten. Nur galt aber nicht zum Anbau.

» cooper75 » Beiträge: 13452 » Talkpoints: 524,97 » Auszeichnung für 13000 Beiträge



Dann muss ich eingestehen, dass ich das fehlinterpretiert, bzw. falsch in Erinnerung hatte. Den Bericht im Hanf-Magazin habe ich nicht erfunden, vermutlich haben die da ebenfalls etwas gründlich falsch verstanden in Richtung "Jetzt dürfen alle Kranken anbauen". Aber immerhin ist der Weg in eine Richtung geebnet, die es den Betroffenen deutlich leichter machen dürfte.

» Paulie » Beiträge: 554 » Talkpoints: 0,24 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Versteh mich nicht falsch. Ich finde es vollkommen in Ordnung, wenn Kranke ihre Pflanzen selbst anbauen dürfen. Ich hätte auch nichts gegen eine komplette Legalisierung. Aber in den letzten Jahren gab es immer Berichte über arme Patienten "mit Erlaubnis", denen die böse Polizei die Pflanzen weggenommen hat.

Meist kam dann irgendwann im Artikel die Einschränkung, dass die Erlaubnis eben nur für den Bezug aus der Apotheke oder die Erklärung zum Umfang der Erlaubnis fehlte ganz. Aber die Bundesopiumstelle hat trotz der gesetzlichen Möglichkeit vor dem Urteil keinem einzigen Antragsteller den Anbau erlaubt. Hätte sie das getan, hätte es gar nicht das Urteil gebraucht.

Dass jemand die horrenden Kosten nicht tragen kann oder will und verzweifelt selbst anbaut, das verstehe ich. Ich verstehe auch, dass jemand der das Zeug absolut überteuert kaufen darf, kein sonderliches Schuldbewusstsein hat, wenn er nur sich selbst versorgt. Nur waren eben die Berichte über den vermeintlich erlaubten Anbau schlecht recherchiert und unzutreffend.

» cooper75 » Beiträge: 13452 » Talkpoints: 524,97 » Auszeichnung für 13000 Beiträge


Ich denke mal, dass man einen Bericht im Hanfmagazin auch leicht anders interpretieren kann, weil die Aufgabe von so einem Magazin ja auch ist, ganz klar Stellung für den Hanf und die Konsumenten zu beziehen. Wenn man unheilbar an einer Krankheit erkrankt ist, die durch Haschisch gelindert werden kann, würde ich eventuell überlegen, ob man es auch auf dem Rechtsweg versucht, bevor man anbaut.

Allerdings bin ich kein juristischer Fachmensch und ich würde mich da erst bei einem Fachanwalt beraten lassen in wie weit das sinnvoll ist, in so einem Fall vor Gericht zu ziehen und sich den Anbau gerichtlich genehmigen zu lassen und wie viel so ein Gerichtsbeschluss wert wäre, wenn im Zweifel dann die Polizei vor der Haustür stehen würde, um nach Pflanzen zu suchen. Und letztlich ist es ja auch eine Kostenfrage, ob man sich als chronisch Kranker so eine Klage leisten kann oder eine Rechtsschutzversicherung hätte, die dafür aufkäme.

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» trüffelsucher » Beiträge: 12446 » Talkpoints: 3,92 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


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