Habt ihr euch schon als Mensch zweiter Klasse gefühlt?

vom 11.01.2019, 12:28 Uhr

Es kommt ja zum Beispiel im medizinischen Bereich durchaus vor, dass man sich als Mensch zweiter Klasse fühlt, weil man keinen Termin bekommt oder vielleicht als gesetzlich Versicherter Probleme hat, irgendwo unterzukommen.

Aber es kann auch durchaus im Berufs- oder Privatleben vorkommen, dass man sich als Mensch zweiter Klasse fühlt. Zum Beispiel, wenn man auf der Arbeit meist die niederen Arbeiten zugeteilt bekommt. Bei Auszubildenden ist das ja durchaus schon mal so. Aber auch im Privatleben trifft man schon mal auf Menschen, die sich für etwas Besseres halten und andere als Menschen zweiter Klasse behandeln.

Man hört ja auch oftmals, dass sich Senioren oft als Menschen zweiter Klasse fühlen, weil sie so behandelt würden. Nicht nur von Ärzten, sondern auch allgemein im Alltag. Da könnte man ja schon meinen, dass es auch eine Frage des Alters sein könnte.

Ist es euch schon mal passiert, dass ihr euch als Mensch zweiter Klasse gefühlt habt? Wann war das so und in welcher Situation? Ist euch das im Berufs schon so gegangen oder im Privatleben? Wie reagiert ihr darauf? Meint ihr, dass es durchaus häufiger vorkommt und manche Altersklassen besonders trifft?

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» Nelchen » Beiträge: 30282 » Talkpoints: 0,73 » Auszeichnung für 30000 Beiträge



Da es hier um gefühlte Zweitklassigkeit und nicht um etwas reales geht ist das doch vor allem eine Frage der inneren Einstellung und der Interpretation von Situationen.

Wenn ich zum Beispiel neu in einer Firma bin und "niedere Arbeiten" erledigen muss könnte ich über meine gefühlte Zweitklassigkeit jammern, ich könnte aber auch mein Gehirn einschalten und verstehen, dass ich nicht gleich die Leitung für ein Projekt übernehmen kann weil ich mich noch gar nicht eingearbeitet habe und die Abläufe in der Firma noch nicht kenne.

Sicher kann die finanzielle Situation dazu führen, dass man sich von bestimmten Aspekten des Lebens ausgeschlossen fühlt, aber das betrifft Senioren mit einer kleinen Rente doch genauso wie Alleinerziehende oder Arbeitslose.

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» Cloudy24 » Beiträge: 21445 » Talkpoints: 151,64 » Auszeichnung für 21000 Beiträge


"Mensch zweiter Klasse" hat für mich etwas mit Diskriminierung zu tun, und die kennt jeder, der kein gesunder, weißer, heterosexueller, westlich sozialisierter Mann unter 50 ist, auch wenn der Tatsache nicht jeder ins Auge sehen möchte. Dass ich als Kassenpatientin beispielsweise einen anderen Status habe als privat Versicherte, oder dass ich mit meiner Qualifikation im Job nicht die große Bestimmerin bin, hat für mich damit jedoch nicht viel zu tun, weil es sich hier um begründete Differenzierungen handelt. Das Leben ist nun mal unfair, und ich würde mich nur selber fertig machen, wenn ich mich darüber aufregen würde, für weniger Geld auch weniger Leistungen zu bekommen, oder für geringere Qualifikation auch "niederere" Aufgaben.

Hin und wieder komme ich mir im Alltag jedoch schon diskriminiert vor, auch wenn ich nicht dramatisch genug veranlagt bin, um mich gleich als "Mensch zweiter Klasse" zu sehen. Wenn beispielsweise bei Familienfeiern aller Art oder auch im Job die Herren der Schöpfung sich bräsig an der Kaffeetafel niederlassen und ihre Frauen/Töchter/Mütter auffordernd anschauen, die die Feier vorbereitet haben, Speis und Trank heranschaffen und hinterher noch beim Aufräumen helfen, komme ich mir schon manchmal wie eine Dienstmagd vor.

Und speziell bei mir im Job gibt es ein paar Kandidaten, die mich wie eine geistig minderbemittelte Praktikantin behandeln, weil sie Respekt direkt an den akademischen Grad knüpfen und glauben, ich hätte maximal Realschule. Aber was will man machen? Ich habe weder die Zeit noch die Kraft, alleine ein Umdenken zu bewirken.

» Gerbera » Beiträge: 7157 » Talkpoints: 0,30 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



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