Gut, das Kind selbstbestimmt schlafen zu lassen?

vom 24.01.2022, 00:15 Uhr

Meist liest man ja, dass Kinder von Anfang an geregelte Zeiten brauchen - somit auch in der Regel feste Schlafenszeiten haben. Viele haben also für mittags und auch abends eine feste Zubettgehzeit festgelegt und bringen ihr Kind auch nahezu zu dieser Zeit tatsächlich täglich ins Bett.

Heute habe ich nun einen Blog-Artikel von einer Mutter gelesen, die ihren Sohn bereits seit der Stillzeit selbstbestimmt schlafen lässt. Er geht ins Bett bzw. schläft sobald er es selbst möchte und nicht wenn Mama ihn ins Bett bringt. Dies bedeutet zum Beispiel, dass ihr Sohn - inzwischen 3 Jahre - morgens zwischen 7:00 Uhr und 09:00 Uhr aufsteht, zwischen 12:00 Uhr und 17:00 Uhr Mittagsschlaf macht und abends meist zwischen 21:00 Uhr und 23:00 Uhr ins Bett geht. Laut der Mutter gab es deshalb noch nie Einschlafprobleme und trotzdem auch keine Übermüdungsphasen, da das Kind tatsächlich bereitwillig ins Bett geht wenn es Müdigkeit verspürt.

Wenn man allerdings diesen Zeitrahmen der Schlafenszeiten sieht, und das gab die Mutter auch zu, lässt sich der Tag mit dieser Methode schlecht planen. Das "Drumherum" muss sich immer spontan nach dem Schlafbedürfnis des Kindes richten. Und trotzdem findet die Mutter, dass ihre Methode dem Individuum und des Charakters gerecht wird und für sie käme es nicht in Frage ihr Kind zu festen Zeiten zum Schlafen zu zwingen.

Ich persönlich denke, dass diese Methode zwar schon gut klingt, dass dies aber tatsächlich nur so lange gut funktioniert wie man keine Verpflichtungen hat bzw. sich einfach an feste Zeiten halten muss. Das Kind kann ja schlecht erst um 09:30 Uhr in der Schule erscheinen, weil es erst um 23:00 Uhr ins Bett gehen wollte. Ich sehe das deshalb kritisch, weil ich fürchte die Umstellung wird schwierig.

Wie seht ihr das, würdet oder habt ihr euer Kind selbstbestimmt schlafen lassen oder gab es bei euch immer schon feste Schlafenszeiten? Worin seht ihr die Vor- und Nachteile?

» EngelmitHerz » Beiträge: 2995 » Talkpoints: 64,69 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Auf gar keinen Fall würde ich das machen. Bei einem Baby hat man ja oft noch keinen richtigen Rhythmus drin, da ist es für mich absolut okay, wenn das Kind nicht pünktlich schläft, aber bis zum dritten Lebensjahr sollte man da eine gewisse Routine aufbauen. Wobei ich auch dafür bin Kinder am Wochenende auch mal länger aufzulassen.

Gerade bei irgendwelchen Feierlichkeiten sieht man dann ja auch ganz gut, wie sich Kinder verhalten, wenn sie dann doch nicht pünktlich im Bett sind. Meine Tochter hat schon immer darauf bestanden zu einer bestimmten Zeit im Bett zu sein, da kann man auch wirklich die Uhr danach stellen. Das ist so ihr Punkt, bei dem entweder die Stimmung kippt oder man sie ins Bett bringt, von sich aus geht sie dann aber auch nicht. Das war aber tatsächlich schon immer dieser Zeitpunkt, warum auch immer.

Bei meinem Sohn ist es so, dass es ihm völlig schnurz ist ob er müde ist oder nicht, er geht nicht freiwillig ins Bett. Er hatte schon immer Schlafprobleme und findet dann einfach auch selber nicht den Punkt, wann er ins Bett müsste. Mag sein, dass das bei anderen Kindern besser funktionieren würde, aber meinen beiden würde ich das nicht zutrauen und ich denke auch nicht, dass man sich damit bei meinen beiden Kindern einen Gefallen tun würde.

Vor allem frage ich mich dann aber auch wie das in der Schule werden soll oder wie das ist, wenn man dann mit so einem System feste Zeiten einfügt, die es auch im Leben eines Kindes gibt, einen Arzttermin beispielsweise, der Kindergartenbesuch, was auch immer. Das sind dann sicherlich jedes Mal stressige Situationen, die man sich mit Struktur ersparen kann. Für mich hat das viel von nachgeben, es sich angenehm gestalten wollen, aber man scheitert sicherlich oft damit und dann ist es purer Stress und das kennt ja jeder, der Kinder hat, die mal drüber waren.

Das hat aber für mich auch etwas mit dem Alter zu tun, bei kleinen Kindern möchte ich durchaus Struktur aufzeigen, bei einem Teenager wäre ich hingegen schon der Meinung, dass dieser dann auch mal eigene Erfahrungen machen muss und da würde ich das durchaus auch mal okay finden das so zu machen.

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» Ramones » Beiträge: 46509 » Talkpoints: 2,20 » Auszeichnung für 46000 Beiträge


Das wird in den wenigsten Fällen machbar sein, auch wenn vielleicht biologische Gründe dafür sprechen, was ich aber auch bezweifle. Bei uns wäre das so gewesen, dass die Kinder bis spät in die Nacht wach gewesen wären. Ich hätte sie morgens mühsam wecken müssen und bald hätten sich Lehrer und Erzieher gemeldet, weil meine Kinder immer so unausgeschlafen wären und ihre schulischen Leistungen nachließen.

Nach Schule und Kindergarten hätten sie einen ausgiebigen Mittagsschlaf gehalten, den ich mir wegen der Arbeit nicht gönnen konnte. Abends wäre ich hundemüde ins Bett gefallen, hätte aber nicht schlafen können, weil die Kinder noch wach waren und Geräusche machten. Ich wäre irgendwann noch kaputter gewesen, als ich es eh schon ein paar Jahre lang war.

Der Mensch ist ja kein Lebewesen, welches alleine lebt, sondern in einem Verbund, wo Rücksicht auf alle genommen werden muss und in einem gewissen Maß gemeinsame Regeln gelten, damit alles gut funktioniert. Als die Kinder dann älter waren, durften sie zwar abends noch lesen, solange sie wollten, aber es musste Ruhe sein. Mein Ältester durfte auch noch mit Kopfhörer am Computer sitzen, solange er wolle, aber auch nur deshalb, weil er immer schon und immer noch nur fünf bis sechs Stunden Schlaf braucht.

Wenn meine Teenager von einer Party nach Hause kamen, mussten sie sich natürlich auch ruhig verhalten. Trotzdem konnte ich erst beruhigt einschlafen, wenn ich die Tür ins Türschloss fallen hörte.

» blümchen » Beiträge: 4100 » Talkpoints: 13,95 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Ich habe das bei ehemaligen Nachbarn erlebt, wo der Sohn abends so lange aufbleiben durfte, bis er von allein ins Bett gegangen ist. Man erspart sich zwar Abends den Stress, weil das Kind nicht diskutiert, aber bekommt es morgens auch nicht so einfach aus dem Bett. Das gibt dann schon morgens ordentlich Theater wenn beide Eltern zur Arbeit müssen.

Meine Kinder hatten feste Zeiten. Im Kindergartenalter gab es zwar unter der Woche zwei verschiedene Bettgehzeiten, aber das war dem geschuldet, dass sie morgens nicht immer so früh aufstehen mussten. Wenn ich einen Arbeitstag hatte, war halt zeitiges aufstehen nötig und so war die Zeit am Abend für das Bett entsprechend früh. Konnten sie morgens etwas länger schlafen, weil ich zu Hause gearbeitet habe, durften sie auch den Abend vorher ein wenig länger aufbleiben.

Am Wochenende, wo sie ausschlafen konnten, durften sie auch Abends länger auf bleiben. Ich bin der Meinung, dass Kinder schon früh den Unterschied zwischen normalen Wochentag und Wochenende lernen sollten.

» Punktedieb » Beiträge: 17174 » Talkpoints: 64,01 » Auszeichnung für 17000 Beiträge



Wie kommt ihr eigentlich alle auf die Idee, dass man ein Kind komplett alleine lässt, wenn man es selbstbestimmt schlafen lässt? Sorry, wer sein Kleinkind eine Stunde oder mehr "drüber" kommen lässt, der vernachlässigt es ebenso wie jemand, der sein Kind eine Stunde schreien lässt.

Es gibt schon noch etwas zwischen, ein Kind einfach sich selbst zu überlassen und Ramones, die irgendwo zwischen Machtphantasien, weil sie endlich mal was zu melden hat und die Kinder sich (noch) nicht wehren können, und einem starken Legitimationsbedürfnis schwankt, weil man als Hausfrau und Mutter ja überflüssig wäre, wenn man die Blagen nicht ständig gängelt und vermeintlich fördert.

So und jetzt erinnert sich mal an eure Babys. Die sind ständig einfach so eingeschlafen. Schlafprobleme gab es nur, wenn irgendwo der Schuh drückte oder die Zwerge einen Rhythmus lernen sollten. Und kaum hat man Kleinkinder, bekommt man die angeblich nicht mehr ins Bett und die können plötzlich nicht mehr schlafen?

Wer sein Kind selbstbestimmt schlafen lässt, macht es sich entgegen Ramones Ansicht nicht leicht. Er scheut keine Kämpfe, er hat sie nur nicht nötig, weil er sich nicht gegen das Kind durchsetzen muss. Aber er begleitet sein Kind, verhandelt, gibt Hilfestellung und zeigt Konsequenzen auf. Das hat meine Mutter schon so gehalten und ich auch.

Das funktioniert sehr gut und jedes Kind kommt zu seiner nötigen Erholung. Meine Jungs haben beispielsweise jeder ein ganz eigenes Schlafbedürfnis, mit festen Zeiten nach Alter kommt man da nicht weit. Man muss seinen Kindern auch einfach mal etwas zutrauen.

» cooper75 » Beiträge: 12515 » Talkpoints: 331,76 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


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