Fernbeziehung - ich fühle mich ausgeschlossen

vom 04.01.2015, 22:23 Uhr

Mein Partner und ich führen sozusagen eine Fernbeziehung, wobei es sich nur um einen Weg von zwei Stunden pro Richtung handelt, es ist also nicht die Welt. Nerviger ist eher die Tatsache, dass man wegen der Zugfahrtzeiten nicht spontan sein kann und das Ganze auch ins Geld geht.

Früher war es so, dass wir beide unser eigenes Leben hatten, mein Freund machte sein Ding und ich meines. Ich hatte seine Freunde kennengelernt, seine engsten auch ein bisschen besser, aber mehr musste nicht sein. Ich bin grundsätzlich kein Fan davon, wenn man sich in die Clique des Partners "einzecken" will. Wenn wir uns streiten oder gar trennen, sollen meine Freunde natürlich 100% hinter mir stehen und das ist nicht gewährleistet, wenn sie sich zu gut mit ihm verstehen und sie sich unabhängig von mir mit ihm anfreunden. Aber wenn man in verschiedenen Städten wohnt, ist es ohnehin klar, dass das eher nichts wird.

Bisher hat er da auch nie großen Wert auf dieses Freundes-Ding drauf gelegt und musste mich auch nicht jedes Wochenende dabei haben, wir waren uns also einig und alles lief entspannt. Bis vor wenigen Monaten. Seit ca. zwei Monaten sind plötzlich alle seine ehemaligen Single Freunde in frischen Beziehungen und bringen ihre Partner immer mit. Sie gehen in Pärchen in ins Kino, gemeinsam feiern und veranstalten gemeinsame Spieleabende - immer als Pärchenabend. Und ich bin die Einzige, die nie dabei ist!

Bisher war es mir egal, wenn seine Freunde alleine mit ihm unterwegs waren, ich hatte kein Bedürfnis regelmäßig mitzukommen. Früher waren sie ja nur als Singles unterwegs, da war es ja okay für mich, nicht mitgenommen zu werden quasi als Anhängsel. Allerdings nehmen sie ja nun alle immer die Partnerin mit und da haben sich die Rahmenbedingungen einfach geändert. Ich finde es doof, aus den gemeinsamen Pärchenunternehmungen ausgeschlossen zu werden. Sein bester Freund hat seit einem Monat eine Freundin und die ist bereits besser in die Clique integriert als ich nach fast einem Jahr!

Durch die Entfernung ergibt sich aber das Problem, dass ich kaum in seiner Stadt bin. Es wäre für mich ein zeitlicher und finanzieller Aufwand, während er ohnehin 2-3 mal die Woche aus beruflichen Gründen in meiner Stadt ist. Aus diesem Grund bin ich natürlich sehr selten bei ihm zuhause. Daher ist es auch nicht so einfach für mich, regelmäßig Abende mit seinen Freunden zu verbringen. Die anderen Pärchen sind alle auf einem Haufen und wohnen wenige Kilometer von einander entfernt, dagegen habe ich ohnehin die A****karte gezogen.

Wenn ich sie jetzt kennenlerne (was für kommende Woche geplant ist), werde ich mich wie das fünfte Rad am Wagen fühlen. Ich werde ironischerweise die "Neue" sein und ohnehin nie ganz dazu gehören, weil ich nur einen Bruchteil der Zeit mit ihnen verbringen können wie sie untereinander.

Kann man diesem Dilemma irgendwie Abhilfe schaffen?

» Cappuccino » Beiträge: 3837 » Talkpoints: 17,55 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Ich finde es ein bisschen paradox, dass du einen Anschluss an seine Clique bisher kategorisch ausgeschlossen hast. Nun aber wünscht du ihn dir verzweifelt. Es hat sich doch nichts an deiner Begründung geändert. Ob seine Freunde nun in Partnerschaften sind oder nicht. Du wolltest nicht mit ihnen befreundet sein, weil du dich mal von deinem Freund trennen könntest und die dann Partei ergreifen müssten. Oder willst du nach wie vor nicht, dass er deine Freunde kennenlernt?

Aber gut. Jetzt willst du sie also kennenlernen und dazugehören. Die verlorene Zeit bekommst du nicht zurück. Das einzige, was du machen kannst, ist jetzt ziemlich offensiv vorgehen. Wenn du sie triffst, musst du dich für sie interessieren, das Gespräch suchen und eine Bindung aufbauen. Da du nur so selten da bist, solltest du schnell nach Telefonnummern fragen und die Leute auch unter der Woche anrufen. Facebook wäre eine gute Möglichkeit, um über die Entfernung dennoch eine gewisse Nähe herzustellen, in dem man immer mal was postet oder kurz chattet. Ideal wäre es, wenn du ihn öfter besuchst.

Aber ich denke, es ist einfacher, wenn du dir über deine Beweggründe klar wirst. Warum hat sich dein Denken da so radikal geändert? Es kann dir doch nicht plötzlich darum gehen, seine Freunde auch zu deinen zu machen, obwohl du das jahrelang vermieden hast. Warum ist es plötzlich wichtig für dich, dabei zu sein, nur weil seine Freund jetzt Partnerinnen haben?

Hat das nicht vielleicht vielmehr damit zu tun, dass deinem Freund auffallen könnte, dass so eine enge Partnerschaft mit räumlicher Nähe und gemeinsamen Freundeskreis und Unternehmungen ganz nett ist? Hast du vielleicht Angst, dass er sich eine Freundin in näherer Umgebung suchen könnte? Oder wartest du insgeheim darauf, dass er dich fragt, ob ihr zusammenzieht?

Ich denke, irgendetwas steckt dahinter. Wenn du jetzt nur das Problem mit den Freunden und den gemeinsamen Abenden löst, bekämpfst du nur Symptome. Nicht aber das eigentliche Problem. Das wird dann an anderer Stelle wieder an die Oberfläche kommen.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9449 » Talkpoints: 20,24 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Ich kann es auch nicht so ganz nachvollziehen, weshalb es dir jetzt plötzlich so wichtig ist, bei den gemeinsamen Unternehmungen mit der Clique dabei zu sein, wenn du es davor nie wolltest und es dir auch nie wichtig war. Es sind jetzt sehr viele Pärchen in der Clique, was früher nicht so war, aber warum sollte sich deine ganze Einstellung dadurch verändern? Willst du nur dabei sein, weil du das Gefühl hast, dass es von dir erwartet wird, auch wenn du es in Wirklichkeit gar nicht willst?

Dann ist das meiner Meinung nach die falsche Einstellung. Wieso solltest du dich jetzt zu etwas zwingen, wenn es zuvor auch nie geklappt hat und dir nie wichtig war? Nur um einen guten Eindruck vor den anderen zu machen? Dich jetzt komplett in den Freundeskreis zu integrieren wird ohnehin schwierig. Du wirst die Clique doch zwangsläufig weniger sehen, als die anderen sich untereinander sehen. Wenn sie so nahe beieinander wohnen, werden sie ja zwangsläufig öfter etwas unternehmen als du bei deinem Freund bist.

Ich würde mich an deiner Stelle also von dem Gedanken verabschieden, dich einhundertprozentig in die Gruppe integrieren zu wollen. Das ist zu schwer. Dein Start war nicht optimal, weil du damals von dir aus nicht dabei sein wolltest und die anderen werden ja ohnehin einiges ohne dich unternehmen. Aber was spricht denn dagegen, einfach ab und zu dabei zu sein und zwar dann, wenn du Lust hast und dann wenn du eben bei deinem Freund bist?

Du musst doch nicht erwarten, alles zu 100 Prozent genauso zu machen wie die anderen und genauso immer und überall dabei zu sein. Versuch doch einfach nett zu den anderen zu sein und einfach hin und wieder mitzukommen, wenn dich die Unternehmung an sich anspricht und es dir gerade passt. Das wird die anderen doch sicher auch freuen, wenn du wenigstens ab und zu dabei bist. Dafür ist es doch auch nicht notwendig, immer und überall dabei zu sein. Das kannst du eben auch gar nicht, wenn du woanders wohnst und noch dazu eben auch deinen eigenen Freundeskreis hast.

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 34336 » Talkpoints: 0,15 » Auszeichnung für 34000 Beiträge



Wie ist das Ganze denn ausgegangen? Ich finde es wie meine Vorredner auch recht befremdlich, dass du für seine Freunde kein Interesse gezeigt hast, aber nun wenn die auch eine Freundin haben plötzlich Interesse deinerseits aufkommt. Liegt das nun eher an der weiblichen Unterstützung? Das könnte ich ja in gewisser Weise nachvollziehen, allerdings sollten dir auch die Freunde deines Partners wichtig sein. Dann gleich an eine Trennung zu denken und wer dann auf deiner und wer dann auf seiner Seite sein würde, würde ich schon eher bedenklich finden als Sichtweise.

Ich würde an deiner Stelle überlegen, was du eigentlich willst. Gespieltes Interesse ist ja auch nicht so toll. Daher solltest du wissen, was du über die Personen wissen willst und dann das Beste daraus machen. Du hast doch auch eine gute Ausrede, immerhin wohnst du nicht in seiner Nähe und da ist es doch okay, wenn du die Freunde erst später kennenlernst. In so einem Fall bringt nur Ehrlichkeit etwas und das man freundlich ist. Wenn du sagst, dass du die Anfangszeit einfach mit deinem Schatz genießen wolltest und ihr euch ja nicht oft seht, ist das doch okay.

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» Ramones » Beiträge: 44246 » Talkpoints: 46,19 » Auszeichnung für 44000 Beiträge



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