Faul sein, weil man studiert, anstatt zu arbeiten?

vom 04.09.2015, 22:24 Uhr

Nur mal so: Ich habe nie Bafög bekommen, weil mein Antrag nicht bewilligt wurde, was wiederum bedeutet, dass meine Eltern zu viel verdienen müssen. Wenn man kein Bafög bekommt, dann bedeutet das wiederum, dass die Eltern bis zum 25. Lebensjahr das Kind finanziell unterstützen müssen. Müssen. Es ist einfach Gesetz, man könnte die Eltern sonst auch verklagen.

Ich verstehe nun auch absolut gar nicht, wieso ich nun quasi als faule Socke dargestellt werde, wenn ich doch schon längst nicht mehr bei meinen Eltern wohne? Weil ich vor einigen Monaten irgendetwas geschrieben habe, wird das gegen mich verwendet, obwohl das nun unaktuell ist, alles klar.

Es ging in meinem Beitrag klipp und klar darum, dass meine Mutter mich und meinen Freund jetzt als faul ansieht, weil mein Freund nicht direkt ein Tag nach Beenden seines Studiums Arbeit gefunden hat und überhaupt so lange studiert hat und weil ich jetzt noch meinen Master machen möchte, anstatt "richtig" arbeiten zu gehen. Wie kommt man denn darauf, da frühere Sachen mit rein zu mischen, wenn das absolut nichts mit dem Thema zu tun hat?

Klar kann man uralte Thesen aus dem Forum gegen mich verwenden, nur weil ich mal bei meinen Eltern gelebt habe. Das ist aber auch schon ewig her und meiner Mutter ging es ja auch um die Situation im Moment, so dass ich nicht verstehen kann, warum man da uralte Sachen reinmischt. Wenn diese von Relevanz wären, hätte ich das doch in meinem Thread erwähnt, ohne das jemand anderen machen zu lassen.

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 34336 » Talkpoints: 0,15 » Auszeichnung für 34000 Beiträge



Nein, ich würde dich nicht als faul bezeichnen. Aber ich würde sehr wohl sagen, dass Kinder ab einem gewissen Alter für sich selbst sorgen sollten. Man kann nicht erwarten, dass die Eltern über ein gewisses Maß hinweg die Kinder endlos unterstützen. Diese Anspruchshaltung den Eltern gegenüber empfände ich als maßlos. Sie ist für mich höchstens dadurch zu erklären, dass derjenige, der diese Haltung vertritt, keine Ahnung oder keine reale Erfahrung dazu hat, was das Leben tatsächlich kostet.

Zu den verursachten Kosten: Die Miete für ein ungünstig gelegenes Zimmer in einer Unistadt liegt bei etwa 225,00 Euro inklusive Nebenkosten. Das ist kein Appartement, sondern ein WG-Zimmer. Die Nebenkosten schlagen noch einmal mit etwa 70 Euro pro Person zu Buche. Danach kommen noch die Kosten für Lebensmittel. Da liegen wir bei einer Lebensmittelausgabe von 6 bis 7 Euro pro Tag bei geschätzten 200,00 Euro pro Monat. Insgesamt also 495,00 Euro, die deine Eltern jeden Monat ausgeben. Wenn wir das Kindergeld in Höhe von 184,00 Euro gegenrechnen, sind wir bei 311,00 Euro im Monat. Das ist jetzt die preiswerte Minimalvariante, auf Jahre hochrechnen kannst du das sicher selbst.

Welche Dinge deine Eltern dir sonst noch zukommen lassen, kannst du vielleicht selbst versuchen, dir ehrlich zu beantworten. Mit der Haltung "Ich kriege keinen Cent von meinen Eltern" belügst du dich in meinen Augen selbst.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Ich bin jederzeit dafür, dass Eltern, wenn sie können, ihren Kindern eine gute Ausbildung und vielleicht auch ein Studium finanzieren sollten. Ich bin aber genauso gut dafür, dass diejenigen, die Wohnung, Essen, Wasser, Heizung, Müllgebühr, und so weiter gesponsert bekommen, eine Haltung wie sie von dir beschrieben und eingenommen wird mal genauer überdenken sollten.

Viele Kinder halten es für eine Selbstverständlichkeit, dass Eltern weiß der Himmel wie lange für sie und ihr Leben aufkommen. Das ist es nicht. Ich würde von meinen Kids nicht erwarten, dass sie mir jeden Tag vor Dankbarkeit zu Füßen liegen. Aber ich würde schon erwarten, dass sie sich an den Kosten beteiligen und garantiert nicht in der Welt stehen und propagieren, sie hätten von mir keinen Cent bekommen. Das ist schlichtweg gelogen und nur mit Erfahrungsmangel, und das auch nur kurzfristig, zu entschuldigen.

» tok_tumi » Beiträge: 837 » Talkpoints: 1,20 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Vielleicht hat dein Freund aus Sicht deiner Eltern nicht früh genug angefangen, sich nach einem Job umzusehen? Ich weiß nicht, wie deren Erwartungshaltung dazu ist und wann dein Freunde begonnen hat, sich zu bewerben. In diesem Punkt kann man deutlich verschiedene Ansichten vertreten.

Genauso ist es beim Master. Den kann man auch berufsbegleitend machen. Und Eltern finden diese Variante meist sehr attraktiv. Was nicht allein etwas mit den Kosten zu tun hat. Sie haben meist auch das Gefühl, dass ihr Kind mit einem Master-Abschluss und Berufserfahrung mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat.

Und ja, Eltern müssen ihre Kinder bis zum 25. Lebensjahr unterstützen. Aber wenn man sie nicht gerade verklagt, dann bestimmen immer noch sie, in welchem Umfang sie das tun. Und gefallen muss es ihnen schon gar nicht.

Auch wenn Eltern dazu verpflichtet sind, für den Mater zu zahlen, obwohl mit dem Bachelor ein erster berufsqualifizierender Abschluss erreicht worden ist, müssen sie das nicht toll finden. Es gilt immer noch das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme. Und dieser Paragraph ist keine Einbahnstraße. Man sollte auch einmal anerkennen, was die Eltern leisten.

» cooper75 » Beiträge: 12545 » Talkpoints: 339,16 » Auszeichnung für 12000 Beiträge



Was bitte leisten meine Eltern denn im Moment? Ich wohne seit fast einem Jahr nicht mehr zu Hause. Während ich studiere, jobbe ich nebenbei. Ich bezahle meine Miete selbst und alle Kosten, die mein Studium angehen. Ich mache den Haushalt selbst und bin in absolut keiner Weise von meinen Eltern abhängig. Sie geben mir nicht einen Cent und ich wohne da nicht.

Ich war sie lediglich besuchen. Ein Besuch hat nichts mit wohnen zu tun. Warum sollen sich denn meine Eltern denn bitteschön in so einer Weise in mein Leben einmischen und mir sagen, dass ich aufhören soll mit dem Studium, wenn sie in keiner Weise damit in Verbindung stehen? Also das verstehe ich nun gar nicht. Ich bin erwachsen und gehe meinen eigenen Weg, ohne von meinen Eltern abhängig zu sein. Da lasse ich mir doch nicht von ihnen sagen, dass ich faul bin!

Ich verstehe ehrlich gesagt nicht einmal die Wendung dieses Threads. Es ging hier wirklich nie um das Wohnen bei meinen Eltern und das hätten mir meine Eltern nie vorgehalten. Das hat rein gar nichts mit dem Thema zu tun @cooper75. Warum möchtest du denn aber um jeden Preis auf Sachen herumreiten, die schon längst der Vergangenheit angehören, nur weil sie irgendjemand in den Raum geworfen hat, obwohl sie irrelevant sind?

Die Mühe kannst du dir doch sparen. Klar habe ich früher bei meinen Eltern gewohnt, aber warum muss man auf solchen Sachen rumreiten, die keine Relevanz haben und um die es absolut nicht geht? In der Schule hätte man da ja klar gesagt: Thema verfehlt.

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 34336 » Talkpoints: 0,15 » Auszeichnung für 34000 Beiträge



Wo reite ich auf Sachen aus der Vergangenheit rum? Vielleicht solltest du noch einmal in Ruhe lesen, statt dich gleich aufzuregen? Was hat die Jobsuche deines Freundes mit der Vergangenheit zu tun? Und dein Master liegt wohl auch nicht in der Vergangenheit, oder?

Es soll Eltern geben, die machen sich extreme Sorgen. Und gerade wenn sie selbst nicht studiert haben, dann haben sie wenig Verständnis dafür, ewig zu lernen und nichts zu verdienen. Das ist ihnen einfach ungemein fremd und sie finden es erschreckend. Ist das so ein Drama? Nur weil sie Fleiß und Lebensplanung anders sehen?

» cooper75 » Beiträge: 12545 » Talkpoints: 339,16 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


Wenn du jetzt auf deinen eigenen Beinen stehst, dann frage ich mich, warum dich das überhaupt so berührt. Wenn das so ist, hast du dir doch nichts vorzuwerfen.

Ich persönlich bin über die Behauptung gestolpert, du bekämest keinen Cent von deinen Eltern. Ich denke, dass ich das in meinem Beitrag auch deutlich gemacht habe. In dieser Hinsicht kann ich Olly nur zustimmen: Die vorangegangene Unterstützung durch deine Eltern wird durchaus etwas zu deiner heutigen Selbstständigkeit beigetragen haben.

Wenn du jetzt deinen Master noch machen möchtest und trotzdem für dein Leben selbst sorgst, dann verdient das meiner Meinung nach Anerkennung. Ich wünsche Dir viel Erfolg.

Ungeachtet dessen frage ich mich, ob bei dem Streit nicht einfach generationenbedingt und erfahrungsbedingt unterschiedliche Emotionen hochgekocht sind. So etwas sollte man meiner Meinung nach mit Abstand und Ruhe noch einmal betrachten und später noch mal thematisieren - wenn es einem wichtig ist und man es nicht einfach auf sich beruhen lassen möchte.

» tok_tumi » Beiträge: 837 » Talkpoints: 1,20 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Wenn du nicht darin gewohnt hättest, hätten deine Eltern den Raum aber für sich selbst nutzen können. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Daher sollte man die Kosten für die Miete nicht als Selbstverständlichkeit ansehen.

Na ja, ich finde es schon selbstverständlich, dass Eltern ihren Kindern die Ausbildung finanzieren. Das gehört dazu. Eltern wollen doch normalerweise, dass ihre Kinder die bestmögliche Ausbildung erhalten. Außer es handelt sich um irgendwelche sehr einfach strukturierte Eltern, die mit Bildung nichts anfangen können.

Warum man sich ohne finanzielle Unterstützung kein Studium leisten kann, ist mir schleierhaft. Natürlich ist es deutlich unbequemer, aber es ist machbar. Ich habe den direkten Vergleich. Studium 1 gab es mit Waisengeld und studentischer Krankenversicherung. Das reichte wenig Jobben aus. Nur konnte ich nach dem Abschluss aus gesundheitlichen Gründen nicht lange in dem Job arbeiten.

Also ich hätte nicht nebenbei arbeiten können, zudem auch nicht gewollt. Diese typischen Studentenjobs hätte ich nicht machen wollen und meine Eltern hätten sicherlich auch nicht gewollt, dass ich solchen Jobs nachgehe. Zudem fehlt dann eben doch Zeit zum Lernen. Dann kann man trotzdem studieren, gehört dann aber wohl kaum zu den Besten.

Und man sollte zu den Besten gehören, wenn man nachher mal viel verdienen will oder promovieren möchte. Wer also noch nebenbei arbeitet, der schafft vieles nicht, hinkt hinterher oder hat irgendwann einen Burnout. Ich kenne da auch eine ehemalige Mitstudentin vorn mir – neben der Zusatzausbildung viel zu viel gearbeitet, nun schon seit über einem halben Jahr krank und es wirkt nicht so als wird das zeitnah besser. Sie kann ihre Zusatzausbildung wohl vergessen.

Wenn Eltern anfangen, dann von ihren Kindern Miete zu verlangen, dann hätten sie sich anstatt eines Kindes lieber einen zahlenden Untermieter anschaffen sollen. Wer Kinder bekommt, muss damit leben, dass er für deren Ausbildung aufkommt und wer das nicht will, der soll eben auf Kinder verzichten. Heutzutage ist eine gute Bildung essentiell und ich kann Leute nicht verstehen, die dann fordern, dass Kinder neben dem Studium arbeiten sollen und sich somit den Studiendurchschnitt versauen. Damit verbaut man dem Kind Chancen.

Es ist nett, wenn Eltern großzügig sind und einen unterstützen. Man überlebt aber auch, wenn man selbst zusehen muss, wie man zurechtkommt. Ich kenne einige Menschen, die ihr Studium selbst finanziert haben. Die leben auch noch alle und sind fertig geworden. Manchmal hat es eben länger gedauert.

Und, was ist aus denen geworden? Bei vielen Fächern konkurriert man gegen andere bei Bewerbungen. Da fragt dich dann der Personaler, warum du drei Semester länger gebraucht hast, während ein anderer in Regelstudienzeit fertig wurde und noch nebenbei hippe Praktika und ehrenamtliches Engagement gesammelt hat. Wer wird die Stelle wohl bekommen?

Ich verstehe nun auch absolut gar nicht, wieso ich nun quasi als faule Socke dargestellt werde, wenn ich doch schon längst nicht mehr bei meinen Eltern wohne? Weil ich vor einigen Monaten irgendetwas geschrieben habe, wird das gegen mich verwendet, obwohl das nun unaktuell ist, alles klar.

Da siehst du mal, wie das hier ist, da wird gerne auf anderen herumgehackt, kenne ich auch sehr gut. Das sind immer irgendwelche übertriebenen Moralvorstellungen, denen die Leute vermutlich selbst nicht gerecht werden und sie zeigen mit dem Finger auf andere, um davon abzulenken, dass sie selber auch nicht so heilig sind.

Ich habe den Eindruck, dass deine Mutter generell irgendwie komisch ist. Vielleicht ist sie frustriert oder mag ihren Putzjob absolut nicht und ein Leben als Hausfrau ist vielleicht auch nicht so erfüllend. Du wirst sie nicht ändern können. Und wenn sie öfters solche Aussetzer hat, dann mache zukünftig einen Bogen um sie. Das Geld kommt ja bestimmt eher von Deinem Vater und nicht von der Mutter.

» Zitronengras » Beiträge: 9393 » Talkpoints: 0,18 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



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