Erste Hilfe Tipps bei Trotzanfall

vom 04.07.2019, 12:16 Uhr

Mein Enkel kommt gerade in die Trotzphase und wenn er was nicht will, dann kann es auch schon mal von seiner Seite aus laut werden und er schmeißt sich auf den Boden und weint bitterlich. Für mich als Oma nicht immer gut zu ertragen. Meine Kinder sind ja nun schon ein paar Jahrzehnte aus dem Alter heraus und man ist nicht so routiniert wie eine Mama und somit bekomme ich natürlich auch von allen Seiten Tipps. Links liegen lassen, drüber weg schauen und ihn einfach nicht beachten wird am meisten gesagt.

Ich aber nehme ihn ganz fest in den Arm und rede beruhigend auf ihn ein und schon ist gut. Das wird von vielen Seiten kritisiert, aber ich kann nicht anders. Er ist nicht so oft bei mir und da finde ich es schon krass, wenn er dann die Zeit verheult und trotzt. Welche Tipps habt ihr für Trotzanfälle?

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» Diamante » Beiträge: 41816 » Talkpoints: 38,11 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Ich bin zwar keine Mutter, habe aber schon das Gefühl, dass du mit dieser Vorgehensweise auf der richtigen Seite stehst. Der Erfolg gibt ja auch Recht, denn das Kind spürt sich, seine Grenzen und das Gegenüber, was wiederum zu einer schnellen Beruhigung führt. Ich persönlich glaube, dass diese uralten Tipps wie "Das Baby muss sich nur mal kräftig ausschreien, dann lernt es in Zukunft, dass es nicht alles bekommt, außerdem werden dann die Lungen schön gekräftigt" extrem gefährlich für die zu erlernenden frühkindlichen Bindungsmuster sind.

Die Kinder halten dann nicht still, weil sie so schön gelernt haben, was ein Säugling oder auch ein kleineres Kind gar nicht kann, sondern versinken in Resignation. Das sieht nach außen aus, als läge man mit dieser Methode richtig, in Wahrheit züchtet man aber frühkindliche Bindungstraumen heran. Ich glaube, dass man diesen Denkansatz auch im Trotzalter als Grundlage heranziehen kann, auch wenn dort das Thema Grenzen noch mit ins Spiel kommt und alles etwas schwieriger macht. Kinder können ihre Gefühle noch nicht wie Erwachsene regulieren, also brauchen sie dabei externe Sicherheit und Hilfe, um das lernen zu können.

Und keine Tiermutter würde ihr Junges heillos und stundenlang heulen und kreischen lassen, ohne aktiv zu werden. Ich denke, der Instinkt gibt einem in dieser Sache den Weg vor. Das heißt ja nicht, dass der Junge dann trotzdem bekommt, was er will, es geht nur darum, seine überschießenden Gefühle wieder auf ein für ihn erträgliches Level zu bringen. Mit Frustration umgehen zu können muss ein kleiner Mensch auch erstmal lernen.

» Verbena » Beiträge: 3709 » Talkpoints: 4,96 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Ich bin ebenfalls keine Mutter, um hier sinnvolle Ratschläge mit auf dem Weg geben zu können. Wenn ich als Kind trotzig war und an viele Situationen kann ich mir natürlich nur schemenhaft erinnern, wurde ich ganz einfach ignoriert. Leider gab es aber auch mal den Klaps auf den Arsch, wenn ich trotzig im Supermarkt war. Ich war auch die Art Kind, die 4 Stunden bockig im Kinderzimmer gesessen hat und mit niemanden ein Wort geredet hat. Ich konnte schon sehr stur, trotzig und bockig als Kind sein.

Doch in den meisten Fällen wurden wir bei trotzigen Phasen ignoriert. Aber leider eben auch mit „du darfst nicht mit einkaufen“ bedroht oder ähnliche Szenarien, wenn wir bockig waren. Das habe ich genau so auch bei meinen Geschwistern beobachtet und das hat sich in der Familie schon bei allen so abgespielt. Ob das eine richtige Wahl ist? Ich weiß es natürlich nicht und wollte nur mitteilen, wie es bei uns war. Das musst Du keineswegs nachmachen.

Mir erscheint Deine Methode da doch die bessere Variante und ich wüsste nicht, ob das gerade bei mir nicht etwas besser gewesen war. Ich habe sogar durch diese Strumpfhosen, die man als Kind bekam, mich auf den Boden gelegt, rumgeschrien und geweint. Die wollte ich aus haben, weil die mich wirklich gejuckt haben. So sehr, dass ich auch alles immer Wund hatte. Irgendwann bekam ich da dann ausnahmsweise mal meinen Willen und musste sie nie wieder anziehen.

Deine Methode wirkt aber besser und scheint ja auch generell nicht ganz die verkehrteste Variante zu sein. Würde ich also in jedem Fall beibehalten. Vielleicht hilft, je nach Alter in Zukunft und bockiger Phase auch das ehrliche und kindgerechte Gespräch? Ich weiß es als Nicht-Mutter natürlich nicht und wenn ich mit Kindern zu tun hab, dann meist ab Teenager und Jugendliche.

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» Kätzchen14 » Beiträge: 4685 » Talkpoints: 0,41 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Wenn in den Arm nehmen funktioniert ist das eine gute Variante. Meinem Sohn wäre das dann zu eng, zu beklemmend und er würde noch mehr hochdrehen. Ich gehe meistens zu ihm hin, rede mit ihm. Frage nach, was er denn möchte und versuche dann aber auch abzulenken, einfach mit ihm über andere Dinge zu reden. Vielleicht klingt das im ersten Moment bescheuert, aber bei uns funktioniert das noch ganz gut.

Beispielsweise hatten wir mal den Fall, dass er getragen werden wollte und wir gerade einkaufen waren, mit seiner Schwester im Wagen und er wollte eigentlich auch laufen, aber nun eben nicht mehr. Er hat sich hingeworfen, geschrien, so dass auch alle geguckt haben. Letztendlich war es wohl eine Mischung aus Trotz und Müdigkeit, aber ich habe mich dann zu ihm heruntergesetzt und ihm erklärt, dass er mir ja so gar nicht beim Einkaufen helfen kann und ich doch seine Hilfe brauche, damit wir auch alles kaufen, was er so mag und zack stand er auf und meinte dann, dass wir seine Wurst nicht vergessen dürfen.

Letztendlich muss man wohl sehen was bei dem Kind funktioniert. Ignorieren ist für eine kurze Zeit sicherlich auch mal ganz okay, wenn es wirklich sehr schlimm ist. Man muss eben sehen worauf das Kind wirklich reagiert und wofür es dann auch zugänglich ist in der Situation.

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» Ramones » Beiträge: 40002 » Talkpoints: 4,76 » Auszeichnung für 40000 Beiträge



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