Durch Einsamkeit irgendwann etwas wunderlich werden?
Menschen die viel und lange alleine waren, werden ja oftmals etwas wunderlich. Sei es, dass sie in ihrem Verhalten irgendwie etwas anders sind oder das sie vielleicht öfter mit sich selbst sprechen. Ich kenne einen Mann der viele Jahre alleine war und kaum Kontakt zu anderen Menschen hatte. Er ist auch etwas komisch dadurch geworden und redet oft sehr viel und manchmal auch etwas wirre Sachen, wo man dann nur schlecht mitkommt und sich bemühen muss, zu verstehen, was er denn meint.
Dadurch das er aber nun wieder eine Frau und mehr Kontakt zu anderen Menschen hat, hat sich das schon sehr viel bessert und man merkt ihm eigentlich nichts mehr an. Ich frage mich, ob jeder irgendwann etwas wunderlich wird, wenn er so viel und lange alleine ist. Habt ihr da Erfahrungen machen können? Ist das durchaus normal, dass man durch lange Einsamkeit irgendwann vielleicht etwas sonderbar wird?
Mein Vater hat einen Kumpel, der noch nie eine richtige Freundin hatte und auch sonst eher selten unter Leute geht. Er ist nett, keine Frage, aber man merkt ihn schon an, dass er ein bisschen sonderbar ist und ihm die Einsamkeit eigentlich nicht gut tut. So sammelt er viel und redet über Dinge, die ihn interessieren, ohne Punkt und Komma, als ob er richtig darauf gewartet hätte seine Gedanken dazu loszuwerden.
Der Mensch braucht eben auch ein paar regelmäßige Sozialkontakte. Wenn man immer nur sich selber hat, wird man meiner Meinung nach schon komisch, weil man selber das eigene Verhalten immer irgendwie gut findet und man keinen mehr hat, der einem auch mal sagt, wenn etwas nicht gut läuft.
Ich bin mir hier nicht sicher, was die Henne und was das Ei darstellt. Sicher werden manche Leute etwas "wunderlich", wenn der soziale Zwang wegfällt, sich so zu gebärden, wie es die Umwelt gerne hätte, weil man eben allein ist. Sprich, man führt beispielsweise keine Selbstgespräche oder trägt unterschiedliche Socken, wenn die Kinder "Papa, du bist peinlich!" schreien oder die Ehefrau die Stirn runzelt. Ich bin mir nur nicht sicher, ob die (tatsächliche oder vermeintliche) Einsamkeit als Ursache dafür gelten kann, oder ob die Leute nicht schon von Natur aus "wunderlich" sind, und ihre Eigenheiten alleine nur besser ausleben können.
Ich bin beispielsweise sogar ganz gerne allein, weil ich mich dann nicht zusammenreißen muss und Dinge tun kann, die mir Spaß machen, und auch auf Arten, die mir Spaß machen. Das kann für Außenstehende vielleicht auch etwas befremdlich wirken, aber bei mir liegt es garantiert nicht daran, dass ich einsam bin. Ich bin einfach nur komisch.
Außerdem bin ich aus genannten Gründen auch nicht der Meinung, dass sich die Umwelt immer ein Urteil anmaßen sollte, ob ein Mensch jetzt sozial akzeptabel "wunderlich" oder einsam ist oder die imaginäre Messlatte für Normalität überschreitet. Manche Leute sind vielleicht sogar ganz zufrieden mit ihren Sammlungen, ihren Interessen und der Tatsache, dass niemand die Stirn runzelt, wenn sie Selbstgespräche führen.
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