Die Pille nach Gewicht dosieren?
Bei der Pille kann man in der Regel ja auch auf unterschiedliche Dosierungen zurückgreifen, egal welche Pille man gerade nimmt, meistens bekommt man diese in zwei oder mehr Dosierungen angeboten. In diesem Thread
Welche Aussage zur "Pille danach" ist richtig? wurde bereits diskutiert, dass sich die Wirkung der Pille danach mitunter eben auch nach dem Gewicht einer Person richten kann und die Wirkung bei übergewichtigen Personen nachlassen kann.
Ich selbst kenne eine Frau, die deutlich größer und korpulenter ist als ich und die die gleiche Pille nimmt wie ich. Ich habe von dem Wirkstoff den ich nutze die geringste Dosierung und sie daher auch. Dann kenne ich auch eine Kommilitonin die übergewichtig ist und diese nutzt ebenfalls die gleiche Pille. Ihre ist von einem anderen Anbieter aber der Wirkstoff und die Konzentration sind die gleichen.
Wirkt es sich also bei der Pille gar nicht aus, wie groß und schwer man ist, wenn es um die Wirkstoffskonzentration geht? Wenn drei komplett unterschiedliche Frauen die gleiche Pille bekommen, kann man da davon ausgehen, dass etwas falsch gelaufen ist oder ist das normal und man braucht bei der Pille nicht so sehr auf das Körpergewicht zu achten?
Sorry, wenn ich es so klar sage: Aber jede Pille ist ein Hormonschuss ins Blaue. Die einzig richtige Dosierung für ein bestimmtes Körpergewicht gibt es nicht. Denn die Hormonlage jeder Frau ist anders und bei hohem Gewicht trifft das erst Recht zu.
Eine niedrig dosierte Pille enthält immer noch etwas dreimal so viele Hormone, wie der Körper selbst produziert. Diese deutliche Überdosierung ist für mit für die Probleme verantwortlich, die die Pille verursacht. Ob die Pille sicher wirkt, das hängt von vielen Faktoren ab.
Ein Faktor ist das Gewicht. Einerseits vermindert ein hohes Gewicht den Blutspiegel der eingenommenen Hormone. Die Dosis wird quasi verwässert. Das ist aber meist kein großes Problem, schließlich ist die Menge extrem großzügig bemessen.
Viel problematischer sind die bei vielen schwereren Frauen veränderten körpereigenen Regelkreise zwischen den Hormonen. Die lassen sich oft nicht mehr einfach so durch die künstlichen Hormone an dieser Stelle beeinflussen. Eine höhere Dosierung mag vielleicht gut gehen, aber die bringt dann wieder verstärkt unerwünschte und gefährliche Nebenwirkungen. Für eine Frau mit hohem Gewicht ist die Pille definitiv keine geeignete Methode zur Verhütung. Sie mag bequem sein, aber sie ist auch verdammt gefährlich.
Generell ist die Pille nicht ohne. Das wird gerne einfach verdrängt, weil das Leben mit dem Medikament so bequem ist. Aber eigentlich hat noch kein Forscher die Hormone wirklich verstanden. Insbesondere die Generationen jetzt, die mit 13 oder 14 mit der Pille beginnen und sie bis zur Menopause durchnehmen, sind eigentlich ein groß angelegter Feldversuch, wo keiner die Auswirkungen wirklich absehen kann. 
Ich glaube nicht, dass man die Medikamentengabe allgemein nach Gewicht dosieren kann. Ich bin selbst kein Püppchen, aber ich reagiere beispielsweise gern mal empfindlich auf Medikamente. Von einer 400er Ibuprofen wird mir schon mal schwindelig und auch Erkältungsmedikamente habe ich schon gehabt, wo ich nur die Kinderdosis vertragen habe.
Gerade der Hormonhaushalt hat ja auch wenig mit der Körpergröße zu tun. Ferner spielt denke ich mal allgemein auch mit hinein wie ein Körper Dinge verstoffwechselt. Schon allein eine verstärkte oder geschwächte Schilddrüsenfunktion könnte da Unterschiede machen.
Gewicht spielt eine Rolle bei der Dossierung der Pille aber ist nicht die einzige. Ich habe deutliches Übergewicht und auch eine Hochdosierte Pille. Diese habe ich definitiv wegen meinem Gewicht. Meine Frauenärztin hat damals viele Sachen gefragt, welche sie zum Beispiel bei meiner Schwester nicht gefragt hat und auch extra noch einmal einen Hormon Check gemacht und sicher zu sein, dass ich die hohe Dosierung brauche.
Übrigens hat Gewicht einen hohen Einfluss auf die Hormone. Durch das gelagerte Fett haben Übergewichtige Frauen oft mehr männliche Hormone. Weswegen Gewicht auch dazu führen kann das eine Frau nicht schwanger wird oder keine Periode hat. Es gibt natürlich auch viele andere Sachen, die einen Einfluss auf den Hormonspiegel einer Frau haben. Das Gewicht ist nur einer davon.
@cooper75: Die Pille kam in den 70ern auf den Markt, es ist also schon an die 40 Jahre her, dass die ersten Frauen die Pille genommen haben und inzwischen kann man auch schon ganz gut abwägen, welche Auswirkungen sie auf die Frau hat. Damals allerdings hatte die Pille noch eine deutlich höhere Dosierung als heute. Man weiß ja inzwischen schon, dass viele Frauen nach dem Absetzen der Pille erstmal eine Zeit lang brauchen um schwanger zu werden und über die gesundheitlichen Risiken wird man heute auch schon ausreichend aufgeklärt. Ich denke daher nicht, dass die Pille unbedingt eine so ungewisse große Gefahr ist, die meisten werden da schon wissen, worauf sie sich einlassen.
@Crispin: Richtig, die Pille ist schon lange auf dem Markt. Aber die Wirkstoffe sind es nicht. Denn die Inhaltsstoffe der frühen Präparate sind schon lange durch andere ersetzt worden, von denen man hofft, dass sie harmloser sind. Auch sind die verheerenden Auswirkungen von höheren Dosierungen bekannt. Daher ist es ziemlich unsinnig, die Pille bei schwereren Frauen höher zu dosieren. Sie haben doch bereits bei den geringen Dosierungen massive Risiken.
Und die meisten wissen absolut nicht, worauf sie sich einlassen. Junge Mädchen wollen heute die Pille für bessere Haut, schönere Haare und größere Brüste. Den meisten fällt erst nach jahrelanger Einnahme auf, dass es sich um ein Verhütungsmittel handelt.
Aber das hat zumindest den Vorteil, dass sie in der Zeit der eher kürzeren Beziehungen Kondome verwenden, um nicht schwanger zu werden. Das schützt dann wenigstens vor Krankheiten.
In der Wissenschaft gilt die Pille als "relativ" sicher. Und hier ist nicht die verhütende Wirkung gemeint. Sie schützt zwar ganz gut vor dem vergleichsweise harmlosen Krebs von Eierstöcken und Gebärmutter. Aber dafür erhöht sie das Risiko für Krebs am Gebärmutterhals und für gut- und bösartige Tumore der Leber. Das ist aber den wenigsten Anwenderinnen klar. Sie wissen meist nur ein wenig über das Thrombose-Risiko. Da werden Herzinfarkte und Schlaganfälle aber meist auch ausgeblendet.
Wie soll ein Präparat wirklich sicher wein, wenn die Wissenschaft bis heute die hormonellen Regelkreise nicht wirklich entschlüsselt hat?
@cooper75: Ich finde man muss das schon ein bisschen differenzierter sehen, ich kann nicht jeder Doofbacke auf dieser Welt hinterherlaufen. Wenn es Leute gibt die meinen Nutella wäre ein gesundes Frühstück und Cola ein Saft, dann gibt es auch Leute die nicht wissen was die Pille wirklich ist. Das ist aber hoffentlich nicht die Mehrheit und ich bin davon ausgegangen, dass wir hier von halbwegs gebildeten Personen ausgehen.
Gegen Gebärmutterhalskrebs kann man sich heutzutage zum Glück impfen lassen, dass senkt das Risiko schon mal erheblich. Die Thrombosegefahr geht nur mit dem Östrogen überein und man kann die Gefahr ebenfalls beheben, wenn man eine Gestagenpille nimmt. Diese wird auch immer populärer und meines Wissens nach ist die einzige Auswirkung hierbei lediglich die, dass man nach einer durchgängigen Einnahme oft mehrere Monate warten muss, bis der Zyklus sich wieder einpendelt. Da man die Pille aber meist nimmt, da man eben das nicht will, sollte das kein Problem sein.
Ansonsten ist die Thrombosegefahr bei der heutigen Dosierung des Östrogens unbedenklich und war eigentlich nur bei der höheren Dosierung ein Thema. Heute sind selbst die hochdosierten Präparate deutlich geringer dosiert, als noch vor Jahren. Wenn man nicht gerade trinkt, raucht und keinen Sport macht, muss man sich da keine Sorgen machen. Was die sonstigen Risiken von Krebsarten angeht, so sollen diese teilweise sogar gesenkt werden. Nur durch die alten Präparate war eine Erhöhung zu beobachten. Ansonsten gibt es eigentlich viele Gestagene der zweiten Generation, deren Risiken schon gut erforscht sind und die oft verschrieben werden. Einige ''Außenseiter'' der dritten Generation sind zwar noch weitgehend unerforscht, aber soweit ich weiß boomen auf dem Markt momentan die Gestagene der zweiten Generation.
Es ist nicht wichtig die hormonellen Regelkreise zu entschlüsseln. Ich weiß nicht ob es dir bekannt ist, aber die Wirkungsmechanismen für die meisten Medikamente und Wirkstoffe sind absolut unbekannt. Für viele gibt es Theorien, für viele aber auch nicht und letztendlich haben die Pharmazeuten nur eines in der Hand: sie wissen was der Wirkstoff bewirkt! Und das ist eigentlich auch das wichtigste, auch bei der Pille wenn man mich fragt. Wenn man weiß, wie eine Frau geschützt ist und welche Nebenwirkungen es hat, dann braucht man auch keine Regelkreise zu entschlüsseln.
Es ist nur wichtig die Risiken auszuwerten, egal wie diese Zustande kommen. Das ist erst der zweite Schritt und wenn man das weiß, kann man die Pille sicherer machen und nach Alternativen suchen. Aber alles genau wissen kann man nicht, nach diesem Prinzip müsste man nämlich die meisten Medikamente vom Markt nehmen, denn die meisten Wirkungsmechanismen sind momentan unklar.
Es gibt genügend Alternativen zur Pille, die bei weitem nicht so sehr in den Hormonhaushalt eingreifen wie die Pille. Wer da Bedenken hat, kann auf anderem Wege erfolgreich verhüten. Jede Frau sollte sich in ihrem ureigensten Interesse deshalb informieren, was es für Alternativen gibt und welche Risiken und Nebenwirkungen diese haben. Wer das nicht tut, kann sich am Ende auch nicht herausreden mit "Ich hab's ja nicht gewusst." Sorry, aber alles kann man nun mal nicht auf die Gesellschaft abwälzen.
Gerade bei der Pille wollen manche Frauen/Mädchen ja auch bewusst ein paar Nebenwirkungen: bessere Haut, vollere Haare, kürzere Menstruation mit weniger Schmerzen, weniger Migräneanfälle. Und selbst Nonnen dürfen die Pille einnehmen - zwar nicht als Verhütungsmittel sondern als Arzneimittel, um das Risiko zu reduzieren an Eierstockkrebs bzw. Gebärmutterhalskrebs zu erkranken.
Man könnte sicherlich die Hormondosis individuell auf das Gewicht abstimmen. Aber eine solche Pille kann keiner bezahlen. Und da jede Frau auch etwas anders reagiert, wird kein Hersteller/Apotheker ein solches Risiko auf sich nehmen, um später für ungewollte Schwangerschaften belangt zu werden. Denn Fakt ist auch: Je geringer die Pille dosiert ist, desto genauer und disziplinierter muss sie eingenommen werden, damit der gewünschte Schutz bestehen bleibt.
@ Crispin: Man kann mittlerweile gegen einen Gebärmutterhalskrebs impfen, der durch das HPV Virus hervorgerufen wird. Genauer gesagt, impft man gegen diesen Virus, der als Nebenwirkung unter anderem Gebärmutterhalskrebs aber auch noch anderes hervor rufen kann. Es gibt aber auch eine ganze Reihe Tumore, die hormonell bedingt im Unterleib oder in sonstigen Organen wachsen können und gegen die ist die Impfung nach meinem Wissen unwirksam.
Ich bin kein Pharmazeut. Aber mich als Frau und potentiellen Verbraucher der Verhütungspille irritiert schon, wenn man dann Nachrichten in den Medien hört, dass auch die neueren Präparate weit mehr Risiken in sich tragen, als man bei der Markteinführung dachte. Für Laien ist die Markttransparenz hier leider recht wenig gegeben, da viele Informationen im Netz leider nur für Fachleute frei gegeben werden. Trotzdem bleibt bei mir da ein ungutes Gefühl zurück.
Deshalb habe ich mich für den anderen Weg entschieden und verhüte hormonfrei. Das hat den Vorteil, dass ich mir keine Sorgen zum Thema Dosierung von Hormonen machen muss. Aber mit der Abwägung von Nutzen und Risiko ist letztlich jede Frau auch sich und ihre Beratung alleine gestellt. Gerade mit deutlichem Übergewicht wäre ich immer sehr bedacht mit der Einnahme von Hormonen zur Verhütung.
Crispin hat geschrieben:Es ist nicht wichtig die hormonellen Regelkreise zu entschlüsseln. Ich weiß nicht ob es dir bekannt ist, aber die Wirkungsmechanismen für die meisten Medikamente und Wirkstoffe sind absolut unbekannt. Für viele gibt es Theorien, für viele aber auch nicht und letztendlich haben die Pharmazeuten nur eines in der Hand: sie wissen was der Wirkstoff bewirkt! Und das ist eigentlich auch das wichtigste, auch bei der Pille wenn man mich fragt. Wenn man weiß, wie eine Frau geschützt ist und welche Nebenwirkungen es hat, dann braucht man auch keine Regelkreise zu entschlüsseln.
Es ist nur wichtig die Risiken auszuwerten, egal wie diese Zustande kommen. Das ist erst der zweite Schritt und wenn man das weiß, kann man die Pille sicherer machen und nach Alternativen suchen. Aber alles genau wissen kann man nicht, nach diesem Prinzip müsste man nämlich die meisten Medikamente vom Markt nehmen, denn die meisten Wirkungsmechanismen sind momentan unklar.
Erstens ist es ein ziemlicher Unterschied, ob ein Medikament eingenommen wird, um eine schwere Erkrankung zu heilen oder zu lindern oder ob es sich um ein Lifestyle-Präparat handelt. Im ersten Fall sind einige Nebenwirkungen sicherlich zu verkraften. Wobei auch hier immer eine vernünftige Abwägung von Nutzen und Risiko stattfinden muss. Die Pille ist bequem, aber nur in seltenen Fällen tatsächlich nötig. Daher sind hier deutlich höhere Maßstäbe anzusetzen. Allerdings zählen hier eher wirtschaftliche Erwägungen.
Und natürlich ist es wichtig, die Regelkreise zu entschlüsseln und zu verstehen. Ohne zumindest ein Grundverständnis wäre die Entwicklung hormoneller Produkte zur Empfängnisverhütung gar nicht möglich gewesen. Und ein deutlich größere Verständnis hilft, Wirkstoffe besser beurteilen zu können und Risiken für die Anwender zu vermeiden.
Nur mal so als Beispiel aus einem anderen Bereich: Hunde werden seit einigen Jahrzehnten in Massen kastriert. Das verkaufen Tierärzte bis heute als sinnvoll und gesund. Dabei zeigen mittlerweile viele Meta-Studien, dass dieser Eingriff den Hunden viel mehr Schaden als Nutzen bringt.
Viele der Folgen wären durchaus abzuschätzen gewesen, wenn man eben genau diese Regelkreise besser verstehen würde. Lange Zeit hat man Störungen wie Diabetes, Leber- und Bauchspeicheldrüsenkrebs, Prostatakrebs, HD, ED oder Kreuzbandrisse und viele andere Folgen nicht mit der Kastration in Verbindung gebracht.
Medizin ist mehr Forschung als Wissen. Man kann sich nicht auf den Ergebnissen der letzten Jahre ausruhen. Die meisten Medikamente, die heute neu zugelassen werden, sind absolut nicht ausreichend erforscht. Man hofft, dass es gut geht. Auch bei der Pille kann man nicht sagen ohne Östrogen gibt es kein Thromboserisiko. Es ist nur etwas geringer. Im Prinzip ist die Einnahme ein groß angelegter Feldversuch. Und das ist kaum einer Anwenderin klar.
Ähnliche Themen
Weitere interessante Themen
- Junge Generation kennt deutsche Wörter nicht mehr 4072mal aufgerufen · 18 Antworten · Autor: anlupa · Letzter Beitrag von Wibbeldribbel
Forum: Alltägliches
- Junge Generation kennt deutsche Wörter nicht mehr
- Ungerechte / ungleiche Freundschaft 2180mal aufgerufen · 6 Antworten · Autor: merlinda · Letzter Beitrag von Hufeisen
Forum: Alltägliches
- Ungerechte / ungleiche Freundschaft
- Welche Bindung habt oder hattet ihr zu euren Urgroßeltern? 1396mal aufgerufen · 6 Antworten · Autor: Ampelmännchen · Letzter Beitrag von Verbena
Forum: Familie & Kinder
- Welche Bindung habt oder hattet ihr zu euren Urgroßeltern?
- Angst haben, bei Texten für Uni versehentlich zu plagiieren? 4187mal aufgerufen · 11 Antworten · Autor: Prinzessin_90 · Letzter Beitrag von pattyblack
Forum: Schule, Ausbildung & Studium
- Angst haben, bei Texten für Uni versehentlich zu plagiieren?
- Spazieren - In der Stadt oder auf dem Land? 2711mal aufgerufen · 19 Antworten · Autor: damomo · Letzter Beitrag von bambi7
Forum: Freizeit & Lifestyle
- Spazieren - In der Stadt oder auf dem Land?
