Der Weg ist das Ziel - könnt ihr irgendwas damit anfangen?

vom 02.01.2022, 16:32 Uhr

Mit den meisten weisen Sprüchen kann ich so gar nichts anfangen. Der Weg ist das Ziel - bei mir stimmt das nie. Ich habe eben mühsam einen neuen Reißverschluss in eine Hose genäht. Der Weg bis zum Erfolg war sehr nervig und ich wäre sehr dankbar dafür gewesen, mir diesen Weg durch einen Zauberspruch oder ein gute Näherin zu ersparen. Auch Wege, die ich zu einem Zielort gehe oder fahre, sind nie mein Ziel. Gerade mit Kindern sind lange Bahnfahrten kein Vergnügen. Diese Wege habe ich nie als Ziel für irgendetwas empfunden.

Wenn ich eine Bergwanderung mache, ist natürlich der Weg das Ziel. Ich muss den Gipfel nicht unbedingt erreichen. Dasselbe gilt wahrscheinlich für einen Segeltörn oder eine Skiabfahrt. Aber dazu brauche ich keinen weisen Spruch, weil niemand etwas anderes behaupten würde und durch den Spruch eine Erkenntnis gewinnen würde.

Auch im übertragenen Sinn, wie etwas in dem Sinne, dass man das Leben genießen muss, weil es kein Ziel am Ende gibt, verstehe ich diese Weisheit nicht. Wie versteht ihr diesen Spruch? In welchem Zusammenhang passt er? Vielleicht bin ich nicht weise genug, um solche Weisheiten zu verstehen und für mich nutzen zu können.

» blümchen » Beiträge: 4507 » Talkpoints: 68,16 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Es ist halt wie bei allen diesen klugen Sprüchen, manchmal passts und manchmal eben nicht. Und für den einen ist das dann ein Beweis, dass der Spruch nichts taugt und der andere denkt, dass der Spruch die Lebensweisheit schlechthin beinhaltet. Die Wahrheit, sofern es sie denn gibt, liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte.

Ich interpretiere den Spruch so, dass man auch davon profitieren kann wenn man nicht blind auf das Ziel zu hetzt sondern schaut, was am Wegesrand liegt, vor dem Zugfenster vorbei zieht, sich auf das Buch freut, für das man während des Flugs Zeit hat, oder eben auch versucht am Arbeitsprozess selber Spaß zu finden.

Natürlich gelingt das nicht immer und Reißverschlüsse und ich werden wohl auch nie Freunde werden. Ich schlage mich lieber zwei Stunden mit einer Knopfleiste oder mit Haken und Ösen herum als so einen dämlichen Reißverschluss einzusetzen. Aber so ist das eben. Ich kenne niemanden, der näht und jeden einzelnen Arbeitsschritts seines Projekts liebt und genießen kann.

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» Cloudy24 » Beiträge: 26891 » Talkpoints: 167,17 » Auszeichnung für 26000 Beiträge


Ich glaube man kann das auch so interpretieren, dass alles erstmal angefangen werden muss und das finde ich schon passend und zutreffend. Bei solchen Sprüchen gibt es ja auch immer mehrere Wege das zu interpretieren und sicherlich arbeitet man immer auf ein Ziel hin und das macht mal mehr und mal weniger Spaß, aber man muss eben alles erstmal anfangen und wenn man nichts anfängt, kann man auch nichts erreichen.

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» Ramones » Beiträge: 46693 » Talkpoints: 11,45 » Auszeichnung für 46000 Beiträge



Ich interpretiere den Spruch noch ganz anders, denn für mich bezieht der sich auf längere Aktionen, die Monate, Jahre oder Jahrzehnte dauern. Ich meine, der stammt ja nun auch aus einer Zeit, wo Wege sehr sehr viel Zeit in Anspruch genommen haben und man schon "drei Dörfer weiter" ganz neue Erfahrungen gesammelt hat, falls man jemals so weit kam.

Und wenn man sich aufmacht, um etwas bestimmtes zu erreichen, dann wird der Weg dahin sehr viel verändern. Wer ein Studium absolviert, wird sich auf seinem Weg entwickeln und diese Entwicklung ist das eigentliche Ziel und nicht die Abschlussprüfung. Das ist heute weniger erwünscht, aber weg ist es nicht. Das ist nur ein Beispiel. Auch wer eine Sportart erlernt oder ein Hobby ernsthaft betreibt, entwickelt sich auf dem Weg zum Ziel. Und das ist das, was erreicht werden soll.

» cooper75 » Beiträge: 12637 » Talkpoints: 358,35 » Auszeichnung für 12000 Beiträge



Ich interpretiere diesen Spruch gar nicht so wörtlich. Aber er passt dann auch nicht in jeder Situation. Bei dem Beispiel mit dem Reißverschluss kommt es natürlich auf den Erfolg, sprich: das Ziel, an, denn es geht in diesem Fall ja vermutlich weniger darum, dass Du Spaß beim Nähen hast, sondern vielmehr, dass Du die Hose wieder anziehen kannst.

Ich kann mir den Spruch beim geselligen Kochen vorstellen. Oder wenn man eben mal Zeit und Lust dazu hat. Dann empfindet man die innere Befriedigung schon während des Kochens, also in der Betätigung selbst. Da kommt es nicht nur auf das Ergebnis an bzw. man ist auch zufrieden, wenn es "nur" schmeckt und nicht auch noch schön aussieht wie auf vielen Kochbuch-Fotos.

Oder ich bastel in meiner Freizeit Grußkarten. Da ist für mich auch der Weg das Ziel, nämlich das Basteln. Es kommt mir nicht in erster Linie auf das Ziel, in dem Fall viele schöne Grußkarten, an, auch wenn das natürlich das Ziel des Basteln ist. Aber wenn ich eben an einem Tag nur die Vorarbeiten mache bzw. nur eine neue Technik versuche zu verstehen oder mir Gedanken darüber mache, welche Farben miteinander harmonieren und was noch auf die Karte passt, damit es dann eine harmonische Gesamtkomposition wird, bin ich auch zufrieden.

Im wörtlichen Sinne ist dann etwa auch das Wandern auf dem Jakobsweg ein gutes Beispiel für diesen Spruch. Es kommt dabei nicht nur darauf an, in Santiago de Compostela anzukommen. Das kann man auch erreichen, indem man hinfliegt oder -fährt. Es geht um den ganzen Prozess des Pilgerns, um das, was man auf dem Weg dorthin erlebt.

Aber der Spruch passt eben nicht in jeder Lebenslage. Manchmal kommt es einfach nur auf das Ergebnis an, da ist es egal, wie man es erreicht. Wenn ich oben das Beispiel des Kochens genommen habe, so gibt es natürlich auch andere Fälle, wo es im Endeffekt nur darauf ankommt, ob pünktlich ein schmackhaftes Essen auf dem Tisch steht. Da ist dann eben nicht der Weg das Ziel, sondern nur das Ergebnis zählt.

» SonjaB » Beiträge: 2561 » Talkpoints: 0,51 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


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