Der Skandal um Novak Djokovic und die Australian Open

vom 06.01.2022, 23:40 Uhr

Ich denke jeder, der heute Nachrichten geschaut hat, hat diese Geschichte mitbekommen. Der Weltranglistenerste im Tennis Novak Djokovic wollte im anstehenden "Australian Open" Turnier erneut nach dem Sieg greifen. Daraus wird erstmal nichts, so scheint es zumindest. Nachdem er zwar vorher eine Ausnahmegenehmigung und ein Visum für die Einreise nach Australien und in das Land einreisen, kam es zum Eklat. Die australische Regierung erkennt das Visum nicht an und hat die Ausreise Djokovics angeordnet.

Mehrere Quellen berichten darüber, dass eine solche Ausweisung dazu führen könnte, dass er in den nächsten drei Jahren das Land nicht mehr betreten dürfe. Vor allem in seinem Heimatland Serbien ist der Unmut groß, und die Empörung könnte zu schwerwiegenden diplomatischen Problemen zwischen beiden Ländern führen. Schließlich ist es eine Sache, wenn ihm das Visum im Voraus versagt geblieben wäre, aber ihn dort in einem Hotel festzuhalten, das für eine staatliche Quarantäne Einrichtung umgebaut wurde, das geht für viele Serben zu weit. Es haben sich mehrere Demonstranten im Land versammelt, um der australischen Regierung ihren Unmut durch Proteste deutlich zu machen.

Allen voran natürlich Djokovics Vater, der eine mehr als eine ungerechte Behandlung seines Sohnes anprangert und dies mit mit einer "Kreuzigung" vergleicht. Das ist natürlich eine sehr emotionale Sprache, aber zeigt auch, wie ungerecht die sind Scheidung wahrgenommen und wie empört die Familie und auch die Berater Djokovics über diese Entscheidung sind. Die Familie möchte wohl auch juristisch dagegen vorgehen.

Die australische Regierung hingegen bleibt hart. Es sind lediglich die Gerichte, die eine sofortige Ausweisung Djokovic blockiert haben und in den nächsten Tagen eine Entscheidung bezüglich seines Aufenthalts und deiner Teilnahme an dem Turnier treffen werden. Das Argument der Regierung ist, dass diese Regeln nunmal gelten und deswegen auch im Falle Djokovics angewandt würden. Es gebe einfach keine Ausnahmen und das sei wohl nie vorgesehen gewesen. Wieso dann die Regierung eines Bundesstaats anders gehandelt hat, als die australischen Behörden es gerne hätten? Das weiß ich leider nicht.

Wie empfindet ihr das? Als Weltranglistenerster ist Djokovic natürlich auch nicht einfach irgendjemand, sondern der beste Tennisspieler der Welt. Ich finde es auch befremdlich, dass ihm ja zunächst die Erlaubnis gegeben wurde, woraufhin er ja überhaupt in das Land eingereist ist, um dann später einen Rückzieher zu machen. Mir ist unverständlich, wie man diplomatisch so ungeschickt agieren kann. Ich möchte nicht, dass dieser Thread zu einer Impfdiskussion führt, sondern eher darüber reden, was dies denn für politische und diplomatische Auswirkungen haben könnte.

» Lily » Beiträge: 172 » Talkpoints: 42,83 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Für mich klar, soll er sich doch impfen lassen. Problem solved. Wer hier der Sturkopf ist, liegt doch auf der Hand. Und Hut ab vor den australischen Behörden. Endlich mal Leute, die nicht vor der weltweit korrumpierenden "Sportmafia" einknicken. Djokovic geht es ja nur ums Geld. Und um die Gesundheit anderer kehrt er sich einen feuchten Kehricht. Wenn es nach mir ginge, würde ich jeden, der sich unsolidarisch verhält in der Pandemiesituation, indem er sich nicht impfen lässt, oder sogar noch in dem Zusammenhang Negativpropaganda macht, sofort disqualifizieren.

» Gorgen_ » Beiträge: 546 » Talkpoints: 214,86 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Der größte Skandal ist in meinen Augen einfach, dass sowohl Djokovic als auch die Behörden unfähig waren ein transparentes Verfahren hinsichtlich seiner Zulassung zu den Australian Open durchzuführen.

Es hieß ja von Anfang an, dass nur Geimpfte Spieler anreisen und antreten dürfen. Dann kam die medizinische Ausnahmegenehmigung als Hintertür dazu. Ich kann es ja verstehen, dass man Menschen, die aus bestimmten Gründen sich nicht impfen lassen können, zugesteht, dass sie trotzdem ihrem Beruf nachgehen dürfen. Aber dafür muss es ja klare Regeln geben, zumal es für Australier selber ja auch schwer war solche Genehmigungen zu bekommen und viele von ihnen ihre eigenes Heimatland nicht betreten durften, weil sie nicht geimpft waren.

Hier hätte man einfach ganz klar erklären sollen, warum es jetzt für einige Tennisspieler eine Ausnahme geben soll. Zumal es sich ja hier nicht um irgendwelche Paralympics handelt, wo eben gehandicapte Menschen ihrem Sport nachgehen. Wir reden ja hier von völlig austrainierten Athleten im besten Alter, die zu den fittesten des Planeten gehören sollten. Mit einer schweren Vorerkrankung kommt man ja eher selten in diesen Kreis. Da sind ja von weltweit Millionen von Tennisspieler die besten paar hundert Spieler dabei.

Hier muss es also schon wirklich sehr gute Gründe geben, warum es da nicht möglich sein sollte solche Spieler zu impfen. Und wenn es die Gründe gibt, dann ist das eben so. Aber dann sollte man sie doch einfach kommunizieren. Es geht ja hier um eine Person des öffentlichen Lebens, wo gerade die Australier alle darauf schauen, warum der nun rein darf und ihre Verwandten nicht. Man muss ja vielleicht die Erkrankung nicht exakt benennen. Aber man kann doch sagen, er kann sich was weiß ich wegen einer Autoimmunerkrankung nicht impfen lassen oder er hat erst kürzlich eine Infektion durchlaufen, weswegen eine Impfung erst in zwei, drei oder vier Monaten empfohlen wird. Vorausgesetzt dass dies in den Regeln zur Erteilung so einer Genehmigung drin steht.

So finde ich das Ganze eben doch sehr befremdlich und es wirkt einfach nach Extrawurst, weil er so berühmt ist und man unbedingt die Nummer 1 dabei haben will. Und genauso benimmt er sich in meinen Augen eben auch. Damit sammelt er bei mir jetzt nicht gerade Sympathiepunkte.

» Klehmchen » Beiträge: 5317 » Talkpoints: 940,79 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Klehmchen hat geschrieben: Damit sammelt er bei mir jetzt nicht gerade Sympathiepunkte.

Ich glaube, mit dieser Meinung bist du nicht allein! Die Frage ist eher, ob Novak Djokovic insgesamt ein Sportler ist, der viel Sympathie auf sich zieht und menschlich sehr beliebt ist. Ich hatte das Gefühl, dass viele ihn als arrogant und abgehoben wahrnehmen. Im Hinblick darauf macht es natürlich Sinn, wenn viele das jetzt als Bestätigung dieses Bildes sehen und sein Verhalten als typische Erscheinung seiner Arroganz.

» Lily » Beiträge: 172 » Talkpoints: 42,83 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Lily hat geschrieben:
Klehmchen hat geschrieben: Damit sammelt er bei mir jetzt nicht gerade Sympathiepunkte.

Ich glaube, mit dieser Meinung bist du nicht allein! Die Frage ist eher, ob Novak Djokovic insgesamt ein Sportler ist, der viel Sympathie auf sich zieht und menschlich sehr beliebt ist. Ich hatte das Gefühl, dass viele ihn als arrogant und abgehoben wahrnehmen. Im Hinblick darauf macht es natürlich Sinn, wenn viele das jetzt als Bestätigung dieses Bildes sehen und sein Verhalten als typische Erscheinung seiner Arroganz.

Na ja, er ist halt der Typ Athlet, der alles dem Erfolg unterordnet. Damit ist man eben eher selten von Haus aus sympathisch, weil man immer verbissen ist. Aber trotzdem kann man sich auf so eine Art ja auch Respekt verdienen und erarbeiten ohne dass man gleich der Liebling der Nation ist.

Das was da jetzt aber passiert ist doch eine Posse sondergleichen. Wie schon geschrieben, gibt es ja klare Regeln, die festgelegt wurden unter welchen Voraussetzungen man an den Australien Open teilnehmen kann. Was ist denn so schwer daran, dass als australische Behörde einmal öffentlich darzulegen, was man tun muss, insbesondere wenn man nicht geimpft ist und dann zu sagen, was Sportler wie Djokovic eben unter welchen Angaben beantragt haben?

So heißt es vielerorts, man hätte eine Ausnahmegenehmigung bis 6.Dezember beantragen müssen. Dann spielen doch alle fadenscheinigen Gründe keine Rolle mehr, wenn er die erst Ende Dezember beantragt hat. Geht ja gar nicht anders, wenn der Grund eine Infektion vom 16.Dezember sein soll. Ich meine, wenn man sich das als Außenstehender so anschaut, dann gab es ewig ein Rätselraten um seinen Impfstatus, dann darum ob er teilnehmen will und wird und immer so nach dem Motto, lasst euch überraschen. Und dann ganz plötzlich präsentiert er kurz vor Ultimo eine Covid-Infektion, die gerade so noch in den Zeitplan passt um rechtzeitig zum Turnier genesen zu sein.

Klar Zufälle gibt es immer mal. Aber gerade wenn es so ein heikles Thema ist, wo man vorher schon wusste, dass das die Gemüter allerorts bewegen wird, dann sollte man sich schon um Transparenz bemühen und nicht immer erst dann was präsentieren, wenn eine Frist droht abzulaufen und immer nur soviel wie gerade so nötig ist.

Egal wie das jetzt nach den neuerlichen Einsprüchen ausgeht. Am Ende hat der Tennissport dabei verloren, weil da jemand in seinem blinden sportlichen Ehrgeiz sich wichtiger genommen hat als den Sport selber.

» Klehmchen » Beiträge: 5317 » Talkpoints: 940,79 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


Warum Djokovic sich nicht impfen lassen wollte, liegt auf der Hand: Er wollte keinesfalls eine Einschränkung seiner Leistungsfähigkeit durch eventuell irgendwie geartete, auftretende Impfreaktionen in Kauf nehmen. Dadurch meinte er, könne er sich einen Vorteil anderen Spielern gegenüber, sei er auch noch so klein, erheischen. Das betrachte ich als unfair anderen (geimpften) Spielern gegenüber. Sport schließt den Begriff Fairness mit ein. Und wer unfair ist, disqualifiziert sich selbst.

Mittlerweile konnte man aus Pressemitteilungen erfahren, dass Djokovic keineswegs regelrecht zur Ikone der Impfgegner stilisiert werden sollte, indem man ihm alles durchgehen ließe. Hut ab vor den Australischen Behörden.

Ja, Australien hat scharfe Import- und Einreisegesetze. Das merkt man schon am Zoll. Beispielsweise müssen Gegenstände und Verpackungen aus Holzbestandteilen erst begast werden, um der Einschleppung von Schädlingsinsekten Herr zu werden. Leider hat das bei Covid nicht so geklappt, wie es wünschenswert gewesen wäre. Bleibt nur eine strikte Einreisepolitik. Hätte Djokovic keine Falschangaben gemacht, indem er auf dem Einreiseformular, der Wahrheit entsprechend, geschrieben hätte, er wäre innerhalb der letzten vierzehn Tage gereist, und nicht in dem Punkte gelogen, wären die Richter wohl gnädiger gewesen. Aber so riecht die ganze Sache stark nach einer eilig zusammengeschusterten, ausschließlich Djokovic in den Kram passenden Trickstrategie. Diese Strategie ging leider nicht auf und fiel Stück für Stück wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

» Gorgen_ » Beiträge: 546 » Talkpoints: 214,86 » Auszeichnung für 500 Beiträge


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