Beim Arzt Broschüre statt Beratung bekommen?

vom 07.10.2015, 12:53 Uhr

Vor einigen Jahren war ich bei einem Frauenarzt, der im Behandlungszimmer auch einen Ständer mit unterschiedlichen Flyern und Broschüren hatte. Die meisten Ärzte haben sowas ja nur im Wartezimmer. Wenn ich manchmal fragen hatte, wurden mir dann solche Broschüren in die Hand gedrückt, anstatt das der Arzt mit erklärt hat, um was es geht.

So war das auch bei einer Bekannten von mir, die neulich bei dem gleichen Arzt war. Auch sie hat nur eine Broschüre bekommen, als sie nach Hormonstäbchen als Verhütungsmethode gefragt hat. Der Arzt meinte, dass dort alles wichtige gut erklärt sei und sie sich entscheiden solle.

Habt ihr auch Ärzte die es sich einfach machen und einfach jedem eine Broschüre in die Hand drücken, anstatt selbst zu erklären, um was es geht? Findet ihr das in Ordnung oder würdet ihr einen solchen Arzt meiden? Ist es euch in einigen Fällen lieber einen Flyer zu bekommen, weil es zu peinlich für euch ist, wenn der Arzt etwas erklärt?

» Crispin » Beiträge: 14916 » Talkpoints: -0,43 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Als ich das erste Mal bei meinem neuen Frauenarzt war, hat er das auch so gemacht. Er hat mir dann einen Haufen Broschüren mitgegeben und mir nicht wirklich etwas dazu gesagt, aber das war auch eine andere Situation, weil er mir gerade gesagt hatte, dass ich schwanger bin und ich das erste Bild meines Kindes in der Hand hatte und einfach auch nicht empfänglich dafür war, was da noch hätte gesagt werden können. Mittlerweile erklärt er viel, fragt auch ob ich Fragen habe und so weiter.

Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass sich ein Arzt auch Zeit nimmt und wenn einer nur Material gibt und selber nichts erklärt, wäre das wirklich schlimm für mich. In so einem Fall würde ich dann auch noch mehr fragen stellen, bis man eben mit mir redet und mich nicht mehr ignoriert.

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» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


Ich finde es kommt schon darauf an, worum es im Einzelnen geht. Um jetzt mal beim Thema Frauenarzt zu bleiben: ich habe bei meinem ersten Termin bei meiner Ärztin einen kleinen Flyer bekommen, wo eben ganz genau erklärt wurde, wie man die Brust nach Knoten und dergleichen abtastet.

Wenn man sich das genau anschaut und durchliest, kann man das auch selbst fragen und selbst darauf kommen. So schwer ist das ja nicht und bei so etwas käme ich mir etwas dämlich vor, da noch einmal nachzufragen, obwohl ja eigentlich alles da steht.

Bei anderen Sachen wäre mir aber schon wichtig, dass man da ein vernünftiges Beratungsgespräch bekommt. So hatte ich schon einige Fragen an meine Gynäkologin, die sie mir sehr gut beantworten konnte. Unter anderem ging es um eine Pille mit anderer Dosierung oder die Resultate vom Abstrich oder so.

So etwas kann man theoretisch auch nachlesen, aber mir ist lieber, dass ich da im direkten Gespräch noch einmal nachfragen kann, wenn etwas nicht ganz klar ist. Ich finde das "idiotensicher" und da macht man sich auch weniger Sorgen wie ich finde. Denn gerade bei einem Ergebnis vom Abstrich hat sie das einmal so formuliert, dass ich schon fast Panik bekommen habe, dass etwas nicht stimmt oder so.

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» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,56 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Eine persönliche Beratung und Untersuchung ist mir wichtiger als irgendwelche Infos, die ich mir genauso gut aus dem Internet ziehen könnte. Ärzte werden für Leistungen bezahlt, dazu gehört für mich auch das Beraten und untersuchen, ist aber nur meine Meinung.

» Nebula » Beiträge: 3041 » Talkpoints: 6,06 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Nebula hat geschrieben:Ärzte werden für Leistungen bezahlt, dazu gehört für mich auch das Beraten und untersuchen, ist aber nur meine Meinung.

Dafür müsste dann aber sichergestellt werden, dass die Ärzte auch tatsächlich leistungsgerecht bezahlt werden. In vielen Regionen behandeln gerade Frauenärzte oft doppelt so viele Patienten pro Quartal wie erlaubt. Das bekommen sie nicht vergütet. Und für die, die bezahlt werden, gibt es in vielen Regionen weniger als 15 Euro pro Quartal.

Wie soll ein Arzt sich dann denn Zeit nehmen und ausführlich beraten? Es ist doch logisch, dass immer mehr Sprechzeiten für Privatpatienten und Selbstzahler eingerichtet werden.

Im Schnitt erwirtschaftet eine Praxis einen Umsatz von 166.000 Euro pro Jahr, das sind Einnahmen von weniger als 14.000 Euro im Monat. Und nun zieht mal die Kosten für Räumlichkeiten, Geräte, Verbrauchsmaterial und Personal ab. Viele Hausärzte erwirtschaften nur 7.000 Euro pro Monat. Damit die etwas zum Leben haben, arbeiten die oft am Wochenende im Ausland. Hier schließen viele Ärzte die letzten 2 oder 3 Wochen des Quartals, weil das Budget nicht reicht und Strafzahlungen drohen.

» cooper75 » Beiträge: 13452 » Talkpoints: 524,97 » Auszeichnung für 13000 Beiträge


Oh 7000 Euro sind sehr viel Geld, manche Menschen müssen mit unter 1000 Euro im Monat auskommen (Essen, Miete etc.) Mir kann keiner erzählen, dass ein Arzt seine Praxis für nur 1200 Euro Eigengehalt offen hat.

Ich habe einen Hausarzt, der in seinem eigenen Haus seine Praxis hat und ich kenne noch einige Ärzte, die das genauso machen. Der Mietaspekt fällt somit weg. Lohnen muss es sich für viele Ärzte trotzdem, sonst hätten sie schon lange zugemacht. Bei uns hier hat der Sohn von unserem damaligem Hausarzt seine Praxis übernommen und der macht seine Arbeit genauso gut.

Wo ich beipflichte ist der Zeitfaktor, ist das Wartezimmer voll bleibt oft nur wenig Zeit für eine ausführliche Beratung oder ein Gespräch zwischendurch. Mir ist es wichtig, dass ein kompetenter Arzt einen behandelt, denn eine Broschüre ersetzt nie den Gang zum Arzt, das steht manchmal sogar drauf. :-)

» Nebula » Beiträge: 3041 » Talkpoints: 6,06 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


7000 Euro Einnahmen, Nebula. Davon muss die Praxis, das Personal, das Material und das Leben, die Krankenversicherung und die Altersvorsorge des Arztes finanziert werden. Das soll viel Geld sein? Was glaubst du denn, was der Betrieb einer Praxis kostet? Arbeiten die Angestellten umsonst? Kostet Strom und Wasser für Ärzte nichts? Zahlen die keine Miete oder keinen Kaufpreis für die Räume?

Du verwechselst gerade Einnahmen mit Gewinn. Der Gewinn bleibt nach Abzug der Kosten. Und die müssen von dem Geld erst noch abgezogen werden. Ohne Dienste im Ausland, Notdienste in Kliniken in der Nacht Gutachtertätigkeiten und ähnliches bliebe nur ein dickes Minus.

» cooper75 » Beiträge: 13452 » Talkpoints: 524,97 » Auszeichnung für 13000 Beiträge



Nein ich weiß, was Umsatz und Gewinn ist und nochmal, ich glaube nicht das ein Arzt eine Minute länger offen lässt, wenn er nur Verluste einfährt und das über Monate oder Jahre. Ein Arzt kann manchmal mehr abrechnen, als ein Laie überhaupt weiß. Die Zahl 7000€ stört mich an der Stelle. Ich glaube es gibt da keine pauschale Zahl, denn wenn es nun 15000€ sind, würde die Sache mit Gehalt, Miete, Material, Fahrtkosten etc. schon wieder anders aussehen.

Eine Angestellte ist mit dem Arzt zusammen, bleibt nur die Zweite, die Miete für ihre Wohnung zahlen muss. :D Nee mal im ernst, wenn ein Arzt es sich leisten kann, jeden Tag weniger als 8 Stunden seine Praxis offen zu haben und zwei mal im Jahr in Urlaub fährt, kann es nicht so schlecht laufen.

Ich kenne keinen Arzt, der seine Praxis 40 Stunden in der Woche offen hat.
Es ist hier nicht die Rede von Ärzten im Krankenhaus, im Ausland oder sonst wo. Diese bekommen ganz andere Zuschläge und sind meist angestellt im Gegensatz zu Ärzten die ihre eigene Praxis haben und für sich selbst verantwortlich sind.

» Nebula » Beiträge: 3041 » Talkpoints: 6,06 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Ich kenne genug Abrechnungen, und nicht jeder Arzt verdient gut. Dir ist schon klar, wie und was abgerechnet werden darf? Dass ein Arzt nur eine begrenzte Anzahl gesetzlich Versicherte behandeln darf? Dass er oft die Rente seines Vorgängers finanzieren muss?

Ohne Privatpatienten, Selbstzahler und viele junge, fast gesunde Patienten, die jedes Quartal die Karte abgeben, haben viele Praxen keine Chance. Die Honorarreform hat jede fünfte Praxis in unserem Kassenbezirk an den Rand der Pleite getrieben. Und genügend Praxen, die Patienten normal erleben, stecken mitten im Insolvenzverfahren. Aber du wirst es besser wissen, nehme ich an.

» cooper75 » Beiträge: 13452 » Talkpoints: 524,97 » Auszeichnung für 13000 Beiträge


Meine Mutter hat über 30 Jahre lang als Arzthelferin (oder mittlerweile Medizinische Fachangestellte) gearbeitet und dabei vier Ärzte kommen und gehen sehen. Mein Cousin ist seit mittlerweile fast 15 Jahren selbst niedergelassener Arzt.

Zwar arbeite ich selbst nicht im Gesundheitssektor, habe aber von den beiden sehr viel mitbekommen und bekomme es noch mit. Daher kann ich cooper75 nur vollsten zustimmen, der den Nagel ziemlich genau auf den Kopf trifft.

Woran liegt es wohl, dass es immer weniger niedergelassene Ärzte gibt, gerade auch im ländlichen Bereich, während die Zahl der Medizinstudenten weiterhin ansteigend ist? Sicherlich nicht im hohen Einkommen und damit verbundenen Luxusleben.

Diese Zeiten sind für niedergelassene Ärzte schon längst vorbei, weswegen einen heutigen Medizinstudenten kaum 10 Pferde zu einer Niederlassung treiben könnten. Stattdessen wollen sie in Krankenhäusern arbeiten, das aber am liebsten im Ausland beispielsweise in der Schweiz, wo wesentlich besser bezahlt wird als in Deutschland.

Natürlich gibt es auch noch Ausnahmen beim Einkommen den verschiedenen niedergelassenen Ärzte. Wenn man eine Radiologie-Praxis eröffnet, lässt sich beispielsweise immer noch gutes Geld verdienen, wenn das Geschäftsmodell richtig aufgezogen ist.

Auch ist der Verdienst, wie in vielen Bereichen, im Westen und Süden höher als im Norden und Osten. Dennoch gibt es einige niedergelassene Ärzte, die nicht mehr als 2500€ Netto im Monat in die eigene Tasche bekommen.

Oftmals kann es auch weniger sein, wenn entsprechende Weiterbildungen und Investitionen anstehen. Die muss der Arzt nämlich durchaus selbst zahlen und bekommt maximal einen sehr geringen Zuschuss von der Kassenärztlichen Vereinigung, wenn diese mal wieder die Spendierhosen an hat.

Und nur weil die Sprechzeiten keine 40 Stunden pro Woche betragen, bedeutet dies ja nicht, dass der Arzt abseits von diesen nicht arbeitet. Im Gegenteil: Würde er die Praxis 40 Stunden pro Woche offen haben, käme er gar nicht dazu, all die andere Arbeit zu erledigen, die neben den Untersuchungen noch ansteht.

Man muss also durchaus zwischen niedergelassenen Ärzten und solchen unterscheiden, die beispielsweise in einem großen Krankenhaus in leitender Position fest angestellt sind. Die Gehaltsunterschiede zwischen beiden Gruppen sind gravierend.

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» TamiBami » Beiträge: 2166 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


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