Befürchten nicht mehr aufhören können zu weinen?

vom 17.05.2018, 09:28 Uhr

Ich habe schon die Aussage gehört, dass jemand befürchtet, wenn er in einer bestimmten Situation anfängt zu weinen, nicht mehr aufhören zu können. Die Personen versuchen dann stark zu sein und eben nicht in Tränen auszubrechen. Wenn das passiert, haben sie wohl Angst, dass sie die Kontrolle verlieren und sich einfach nicht mehr beruhigen könnten.

Ist es wirklich möglich, dass man nicht mehr aufhören kann zu weinen? Versiegt der Tränenfluss nicht irgendwann automatisch? Wart ihr auch schon mal in der Situation, dass ihr dachtet, wenn ihr jetzt weint, könnt ihr nicht mehr damit aufhören?

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» Nelchen » Beiträge: 26582 » Talkpoints: 2,05 » Auszeichnung für 26000 Beiträge



So ging es mir ehrlich gesagt noch nie und ich denke, dass das eher etwas wäre, was ziemlich lange im Gedächtnis bleiben würde. Ich bin ein sensibler Mensch und auch wenn es Situationen gibt, in denen ich nah am Wasser gebaut bin, habe ich noch nie das Gefühl gehabt, dass ich nicht aufhören könnte mit dem Weinen. Selbst da bin ich viel zu realistisch und nüchtern. Jemand, der so empfindest, muss psychisch aber total am Boden sein. Mir ging es nicht mal so, als ich depressiv war und das will schon was heißen.

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» Täubchen » Beiträge: 18272 » Talkpoints: 0,97 » Auszeichnung für 18000 Beiträge


Denken und Fühlen kann man vieles, aber das muss doch nicht zwangsläufig irgendeiner Realität entsprechen. Irgendwo habe ich mal den netten Satz gelesen, Gefühle nähmen sich selbst viel zu wichtig und dramatisierten gerne um ihrer selbst willen und da ist wirklich etwas dran. Spätestens, wenn so jemand mit dieser Befürchtung wirklich in Tränen ausbricht, wird er oder sie schon merken, dass das nur ein temporäres Gefühl ist, was einen nicht für Stunden oder gar Tage in Atem zu halten vermag.

Oder hat schon mal jemand davon gehört, dass ein Mensch nach zwei Tagen in die Notaufnahme eingeliefert wurde, weil die Person überhaupt nicht mehr aufhören konnte zu weinen? Ich glaube eher nicht. Solche Gedanken kommen nur davon, wenn man das Gefühl zu lange unterdrückt hat und es anfängt, rappelig zu werden und ausgelebt werden zu wollen. Es dramatisiert dann eben.

» Verbena » Beiträge: 2535 » Talkpoints: 0,78 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Man kann durchaus tagelang im Bett liegen und mit Unterbrechungen immer wieder in Tränen ausbrechen, oder in der Öffentlichkeit spontan Rotz und Wasser heulen. Es kommt lediglich darauf an, wer wie überraschend gestorben ist. Meine Theorie ist hier sowieso, dass Leuten, die von sich behaupten, immer kühl und beherrscht zu sein und Gefühlsausbrüche anderen zu überlassen, einfach noch nichts besonders Schlimmes widerfahren ist.

Dass man "nie wieder" aufhört mit Weinen, wird dagegen wohl kaum jemand befürchten. Aber wenn es einem dreckig genug geht und sich die Schleusentore öffnen, kann schon ziemlich viel Zeit ins Land gehen, bis man sich wieder halbwegs gefasst hat und seine Umwelt wieder wahrnimmt. Gerade in der Öffentlichkeit kann das schon ziemlich unangenehm sein. In unserer Kultur kennt man Weinkrämpfe in der Gegenwart Fremder nicht wirklich, sodass die meisten Menschen es eher gewohnt sind, sich mit aller Kraft zusammenzureißen.

» Gerbera » Beiträge: 6201 » Talkpoints: 3,10 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



Ich habe in meinem Leben schon viele Situationen gehabt, wo ich einfach viel geweint habe. Aber ich konnte immer wieder aufhören, auch wenn es nur kurze Unterbrechungen waren und ich dann weiter geheult habe. Aber irgendwann ist auch das vorbei und man heult eben nicht mehr so oft wegen der gleichen Trauer oder dem gleichen Vorfall.

Am schlimmsten war es beim Tod meiner Schwiegermutter, wo ich gefühlt auch tagelang durchgeweint habe. Natürlich hatte ich Unterbrechungen dabei und auch heute noch, wenn ich auf dem Friedhof bin oder hier zu hause an gewisse Situationen denke, die ich mit meiner Schwiegermutter erlebt habe, weine ich. Aber man kann eben auch immer wieder aufhören.

Tränen unterdrücken ist auch keine Lösung. Dann staut man es nur und irgendwann bricht man dann in Tränen aus. Ich muss aber auch sagen, dass ich nicht steuern kann, ob ich nun weine oder nicht. Denn Gefühle sind nun mal da und ich kann diese kaum bis gar nicht unterdrücken. Ich schaffe es vielleicht mit noch wegzudrehen oder aus dem Zimmer zu gehen, damit man mir das nicht anmerkt.

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» Diamante » Beiträge: 39266 » Talkpoints: 39,45 » Auszeichnung für 39000 Beiträge


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