Anwendungsgebiete verschiedener Antibiotikaarten

vom 04.11.2014, 22:35 Uhr

Ich nehme zur Zeit ein Breitbandantibiotikum ein. Nämlich Amoxicillin. Dies nehme ich wegen einer eitrigen Halsentzündung, die mit Antibiotikum behandelt werden muss. Vorher hatte ich eine spastische Bronchitis, die auch eitrigen Auswurf mit sich führte und ich habe ein Makrolid-Antibiotikum bekommen, nämlich Clarilind.

Nun frage ich mich, wie man unter den verschiedenen Antibiotika unterscheidet und wann man welches Antibiotikum gibt. Wann muss es ein Breitbandantibiotikum sein und wann ein Makrolid-Antibiotikum? Welche verschiedene Antibiotika kennt ihr noch und wann werden dann diese eingesetzt?

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Dein Makrolid-Antibiotikum ist ebenso ein Breitbandantibiotikum wie das Amoxicillin. Allerdings ist das Amoxicillin ein ß-Lactam und das Makrolid-Antibiotikum gehört in die Gruppe der Polyketide wie auch Tetracyclin.

Antibiotika greifen je nach Wirkstoffklasse die Bakterien an verschiedenen Stellen an. Zuerst wird unterschieden, ob eine Mittel bakterizid wirkt, also die Bakterien durch Auflösung der Zellwand abtötet, oder ob es bakteriostatisch ist, also die Vermehrung der Bakterien verhindert.

Je nach gewähltem Wirkstoff greifen die Mittel nur grampositive oder gramnegative Bakterien oder beide Arten an. Mit der Gramfärbung kann die Außenhülle der Bakterien bestimmt werden. Aerobier und Anaerobier reagieren auch sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Antibiotika, also Bakterien die Sauerstoff benötigen oder welche die besser unter Luftabschluss gedeihen (z. B. Botulinum).

ß-Lactame sind Penicillin und seine Nachfolger und Anverwandten. Sie töten Bakterien ab. Allerdings können sich manche Bakterien sehr gut gegen diese Mittel wehren und überleben sie problemlos.

Auch Gycopeptide lassen die Bakterien "platzen". Sie wirken aber ausschließlich auf grampositive Bakterien. Da muss der Arzt den Gegner kennen.

Makrolid-Antibiotika und Tetracycline als Gruppe der Polyketide hemmen das Wachstum, bzw. die Vermehrung und sind ziemlich breit gefächert einsetzbar. Sie gehören mittlerweile zu den beliebtesten Gruppen, weil viele Penicillin-Allergiker gut mit ihnen zurecht kommen und man sie breit gestreut einsetzen kann.

Aminioglyside bringen Bakterien dazu sinnlose Bausteine zu produzieren, damit sie ihre Zellwand nicht aufbauen können. Die Einsatzmöglichkeiten sind auf ganz bestimmte Bakterienarten beschränkt. Gerne werden sie gegen Staphylokokken gegeben.

Polypetide stören den Stoffwechsel von Bakterien, sie verursachen sozusagen ein "Leber- und Nierenversagen" in der Zelle. Chinolone sind Gyrasehemmer. Sie stören die Duplizierung der DNA bei Bakterien. Diese Mittel gehören zu den Klassikern, die sich nicht Milchprodukten vertragen, weil die die Wirkung herabsetzen. Sulfonamide beeinflussen auch das Wachstum von Bakterien negativ.

Welches Antibiotikum bei welcher Erkrankung sinnvoll ist, das hängt immer von den beteiligten Bakterien ab. In der Regel raten Mediziner und verordnen ein Medikament, das gegen die typischen Verdächtigen hilft. Oft haben sie Glück. Ansonsten muss der Erreger bestimmt und/oder ein Antibiogramm angelegt werden. Dann ist sicher geklärt, welcher Wirkstoff wirklich hilft.

» cooper75 » Beiträge: 13450 » Talkpoints: 524,56 » Auszeichnung für 13000 Beiträge


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