Als Rentner Studenten für Hilfe kostenloses Zimmer anbieten?
In meiner Uni habe ich einen Aushang auf der Damentoilette gesehen. Es stand darauf, dass eine Rentnerin eine Studentin kostenlos bei sich zu Hause wohnen lassen will, wenn diese im Haushalt mithilft. Die Studentin würde dann ein eigenes Zimmer bekommen.
Ich finde diese Idee ziemlich gut, da es ja eine Win-Win-Situation für beide Seiten sein kann. Kochen und einkaufen, sowie aufräumen und so etwas muss man ja sowieso, so dass man das auch gleich für eine andere Person mit übernehmen kann. Allerdings kommt es darauf an, wie hilfsbedürftig die Person ist, wie ich finde.
Bei mir wäre das allerdings nicht möglich, da ich so gut wie jeden Tag von morgens bis abends unterwegs bin und auch sonst viel verreise oder auch mal woanders übernachte. Außerdem empfange ich gerne Besuch von Freunden oder meinem Partner, was dann vielleicht auch nicht so gerne gesehen wäre. Wie findet ihr das?
Mir erschließt sich ehrlich gesagt nicht, was das mit dem Rentnerdasein zu tun haben soll. Ich habe erst neulich bei Facebook in einer Gruppe den Aufruf eines Mannes gelesen. Er meinte, er wäre alleinerziehender Vater von zwei Kindern und dass er einer Studentin ein Zimmer anbieten würde, dass sie ihm im Gegenzug mit den Kindern und im Haushalt hilft. Ich weiß gar nicht mehr, ob die Kinder nur jede zweite Woche da waren oder immer, das ist zu lange her. Auf jeden Fall suchte er aber Unterstützung. Die Studentin bräuchte keine Miete bezahlen und er würde eben die Kosten für Unterkunft und Verpflegung für ihre Hilfe tragen.
Ich glaube, dass das wieder so eine Sache ist, die nur in Einzelfällen funktioniert und nur in der Theorie eine Win-Win Situation für beide ist. Generell bin ich ja ein Freund von Trennungen der verschiedenen Lebensbereiche. Freunde und Wohnen, Liebe und Arbeit, enge Freunde und Arbeit, Vermieter nicht im selben Haus. In solchen Konstellationen wie hier beschrieben ist der Mitbewohner dann quasi der Vermieter und Chef meines in Naturalien bezahlten Nebenjobs in ein- und derselben Person.
Wenn ich nicht von akuter Obdachlosigkeit bedroht gewesen wäre, wäre das nichts für mich gewesen. Mit Anfang 20 bei einer fremden Oma zu wohnen, hätte nicht meinen Vorstellungen und Wünschen von einem Leben in Freiheit und in der ersten Wohnung entsprochen. Ich sehe da auch ehrlich gesagt viele Fallstricke lauern. Mit der Zeit werden die Ansprüche vielleicht sukzessive ausgedehnt, erste Unzufriedenheiten auf beiden Seiten kommen auf.
Man muss sich auch sehr gut abgrenzen können, um die Trennlinie zwischen Vereinnahmung auf der einen und Höflichkeit und Hilfsbereitschaft auf der anderen Seite zu wahren. Ich hätte mich in diesem Alter wohl schwer getan, der netten Oma zu sagen, dass ich heute keine Lust und Zeit habe, den ganzen Nachmittag an ihrer Kaffeetafel zu sitzen, weil das auch gar nicht zu meinen Aufgabengebieten gehört. Solche Konstellationen, wo auf einer Seite vielleicht auch der heimliche Wunsch nach meiner Anwesenheit und Gesellschaft steht, finde ich problematisch.
Es ist sicher eine Sache, die funktionieren kann und wenn es das tut, dann ist es für beide Seiten sicher eine Bereicherung. Aber in so einem Moment ist es einfach wichtig, dass die Chemie zwischen den beiden Parteien funktioniert. Wenn dann die Studenten bei etwas helfen sollen, aber lernen müssen und keine Zeit haben, dann kann es vielleicht auch schnell zu Differenzen kommen und darum würde ich ein solches Angebot nicht zwingend auch annehmen.
Solche Wohnungsanzeigen gab es zu meiner Studentenzeit auch schon viel. Mich persönlich hat das damals abgeschreckt, da ich mit frischen 19 Jahren natürlich nicht mit irgendwelchen Rentnern zusammen wohnen wollte, sondern lieber mit Altersgenossen. Und auf Sachen wie Putzen, Kochen, etc. hat man ja als Student auch eher weniger Lust. Dafür will man Partys feiern, Schlagzeug spielen, etc. Das kommt bei älteren Leuten eher weniger gut an. Ich hätte auch Angst, dass es da zu viele Konflikte gibt und dann kann man sich halt nicht aus dem Weg gehen.
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