Das türkische Bildungsministerium, das von Minister Hüseyin Celik von der gemäßigt islamischen Partei AKP geleitet wird, veröffentlichte bereits vor zwei Jahren für den leseunlustigen Nachwuchs in der Türkei eine offizielle Liste der '100 grundlegenden Werke'. Die darin vorgeschlagenen Bücher sollen für die Pädagogen und Eltern als Leitfaden dienen, die Wahl des richtigen Werks für den Nachwuchs zu erleichtern. Neben 'Alice im Wunderland' und 'Pinocchio' beinhaltet die Liste unter Anderem auch Texte über 'Heidi', die von der Schweizer Autorin Johanna Spyri erfunden wurden, in der türkischen Fassung. Vom Ministerium wurde dieses Werk, das bereits in den Schulen verteilt wurde, ausdrücklich empfohlen.
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Zwischen der Originalfassung und dem vom türkischen Verlag 'Karanfil' herausgebrachten 'Heidi'-Buch gibt es einen kleinen Unterschied: In der türkischen Fassung ist auf Seite 59 die Großmutter von 'Klara Sesemann', einer Freundin von 'Heidi', mit einem Kopftuch und einem langen Mantel dargestellt, wie sie es auch von frommen Musliminnen gerne getragen wird. Dies wird von der türkischen Tageszeitung 'Aksam' berichtet. Nun entflammte deswegen ein heftiger Streit zwischen islamischen und laizistischen Gruppen. Mit dem Vorwurf der islamistischen Propaganda sieht sich das Ministerium konfrontiert, liberale und konservative Zeitungen in der Türkei schlagen Alarm. Die bekannte Tageszeitung 'Hürriyet' vermeldet:'Jetzt werden schon Kinderbücher für die Kopftuch-Propaganda benutzt.'. Auf diese Weise werde den Kindern klargemacht, dass es auf der Welt keine anderen Lebensweisen als die islamische geben würde. Außerdem zeuge die Darstellung von einem mangelnden Respekt gegenüber anderen Religionen, wie türkische Medien kritisieren. Von den Vorwürfen distanziert sich das Bildungsministerium und verteidigt sich gegen die Anschuldigungen, nicht jedes Buch Seite für Seite kontrollieren zu können. Lediglich verschiedene Werke wurden empfohlen, ohne sich dabei auf bestimmte Verlage festzulegen. Die meisten Autoren der Bücher sind seit über 70 Jahren gestorben und ihre Werke fallen nicht mehr unter das Urheberrecht. Genau dies lasse den Verlagen die Freiheit, die Bücher nach eigenen ideologisch motivierten Entscheidungen zu bearbeiten. Das 'Heidi-Kopftuch' liefert für die Gegner der türkischen Regierung unter Recep Tayyip Erdogan weiteren Stoff, um den Ministerpräsidenten in die Mangel zu nehmen. Seit seiner Amtseinführungen werfen diese ihm nämlich eine schleichende Islamisierung des öffentlichen Lebens in der Türkei vor.
Lg, Tauraxx
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:: Tauraxx
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Also ich denke, dass man sich schon an die Vorlagen von literarischen Werken halten sollte. Wäre doch schade, wenn jedes Werk der Ethnie angepasst würde, in der es veröffentlicht wird. Damit vermittelt man den türkischen Jungen und Mädchen tatsächlich ein falsches Weltbild. Zumal der eine oder andere vielleicht auf den Gedanken käme, wieso die Großmutter denn augenscheinlich islamisch gekleidet ist, deren Nachfahren dann aber nicht mehr?
Klar kann das Ministerium nicht jedes der 100 empfohlenen Bücher Seite für Seite kontrollieren, aber wieso konnte eigentlich eine Person, die mit der Auflage dieser Bücher vertraut war, solche eine Änderung vornehmen?
Alles in allem wirft auch diese Geschichte wieder kein sonderlich gutes Licht auf die Türkei.
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:: JotJot
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