Deutet das Kauen von Fingernägen auf Depressionen?

vom 28.08.2012, 11:30 Uhr

In Ab wann kann man ein Kind richtig erziehen? habe ich ja davon geschrieben, dass ein Kind bei der Unterdrückung der oralen Phase Depressionen bis hin ins Erwachsenenalter bekommen kann. Ich fand das Thema recht interessant und habe einfach mal weiter gelesen und dabei wurde auch benannt, dass das Kauen von Fingernägeln ebenfalls ein Anzeichen für Depressionen sei. Dass bei gesunden Menschen Fingernägel mal gekaut werden, kann an der Anspannung oder an Aufregung liegen, manche Menschen jedoch scheinen unentwegt an den Fingernägeln zu kauen.

Begründet wurde dies damit, dass man in der Kindheit seine Entwicklung nicht normal begehen durfte und man einem Kind eben die Erfahrung der Umwelt durch die orale Phase unterbunden wurde. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, hat man als Mensch mit einer Gefahr, depressiv zu werden oder als bereits depressive Menschen gern etwas im Mund. Es scheint beruhigend zu wirken. Essen ist das eine, Fingernägel kauen das andere. Was ist Eurer Meinung an diesen Beobachtungen dran?

Natürlich ist es nicht sonderlich schön anzuschauen, wenn jemand seine Fingernägel auf diese Art und Weise verunstaltet, aber in Anbetracht dessen, dass es ein Anzeichen für Depressionen sein kann, betrachtet Ihr solche Menschen dann anders oder ist es für Euch nach wie vor ein Zeichen von Ungepflegt sein?

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» *steph* » Beiträge: 18439 » Talkpoints: 38,79 » Auszeichnung für 18000 Beiträge



Können tut es das sicher. Ich meine, es KANN vieles auf eine Depression hindeuten und warum sollte das Nägel kauen nicht auch dazu zählen. Theoretisch könnte alles mögliche auf eine Depression hindeuten, muss es aber nicht. Insofern finde ich solche Aussagen sowieso immer recht sinnfrei. Fakt ist, dass man das auch nicht pauschalisieren kann: nicht jeder, der an den Nägel kaut, hat automatisch ein Problem oder wurde als Kind in irgendeiner Art und Weise unterdrückt. Konsequent verneinen kann man es aber eben auch nicht.

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» winny2311 » Beiträge: 15159 » Talkpoints: 4,91 » Auszeichnung für 15000 Beiträge


Das Abkauen der Fingernägel fällt in die Kategorie "selbstverletztendes Verhalten", ebenso wie ritzen und sonstige Dinge. Ich würde nicht sagen, dass es sich um ein reines Anzeichen für Depressionen handelt, sondern eher allgemein um psychische Probleme. Mit Ungepflegtheit hat das nichts zu tun, vielmehr mit einem tiefen seelischen Schmerz, welcher sich durch diese Selbstverletzung äußert.

» Caralia » Beiträge: 312 » Talkpoints: 24,68 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Ich bin selbst „Nägel-Kauer“. Ich bin schon immer „Kauer“, „Fummler „ und „Abreißer“ gewesen. Ich kann nicht sagen, dass ich depressiv bin. Auch die These der Selbstverletzung kann ich nicht bestätigen, denn das abreißen der Fingernägel tut mir ja nicht weh.

Ich verfalle diesem Laster meistens,wenn ich nervös bin oder wenn ich ungeduldig auf etwas warte. Auch Langeweile halte ich für einen Auslöser.

» Friedmann » Beiträge: 561 » Talkpoints: -1,05 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Also ich bin auch ein "Nägel-Kauer" und habe auf gar keinen Fall Depressionen oder so. Ich mache das auch, so wie Friedmann, wenn ich nervös bin oder ungeduldig auf etwas warte. Meine Finger gehen dann automatisch zu meinem Mund und ich muss einfach darauf rumknabbern. Was genau ich daran so toll finde weiß ich nicht, aber ich versuche es mir schon seid langer Zeit abzugewöhnen und es ist mir auch ein bisschen gelungen.

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» petertreter » Beiträge: 1437 » Talkpoints: -2,03 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Naja, auf den Nägel zu kauen heißt noch lange nicht, dass man gar ansatzweise depressiv ist. Eine Depression mag zwar eine Verhaltensänderung mit sich bringen, aber auf den Nägel zu kauen kann auch - wie bereits meine Vorredner geschrieben haben - eine Art Gewohnheit sein, die man einfach nur abzugewöhnen braucht.

Aber wie so oft in der Medizin kann (!) - muss es aber nicht - es auf eine Depression hindeuten, das ist dann aber von so vielen Faktoren abhängig, dass ich alleines "Nagelkauen" definitiv ausschließen würde. Mal abgesehen davon, dass so ein Verhalten vielmehr Nervosität und Aufregung ausdrückt, glaube ich, dass depressive Menschen ganz andere Anzeichen zeigen (und dies auch tun) als an den Fingernägeln zu kauen.

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» getku » Beiträge: 883 » Talkpoints: 11,06 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Ich glaube auch, dass es eindeutigere Anzeichen für eine mögliche Depression gibt. Ich beiße zwar nicht mehr
auf meinen Fingernägeln herum, allerdings reiße ich sie gerne an. Dies geschieht unbewusst, meistens in Stresssituationen oder bei Langeweile. Ich würde von mir ebenfalls nicht behaupten, an Depressionen zu Leiden.

Und das obwohl früher, als ich noch an den Nägeln gekaut habe, meine Mutter mich immer geschimpft oder mir eine pfeffer-haltige Substanz an die Fingernägel gerieben hat. Inzwischen habe ich mich damit abgefunden.
Zu der Frage, ob das ein Zeichen von Ungepflegtheit ist. Manche sind anscheinend der Meinung (Abgebissene Fingernägel an Supermarktkasse - beschweren?I). Ich kann das jedoch nicht nachvollziehen.

» Märie » Beiträge: 459 » Talkpoints: 15,45 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Das Abkauen der Fingernägel fällt in die Kategorie "selbstverletztendes Verhalten", ebenso wie ritzen und sonstige Dinge.

Da hätte ich doch gerne eine aussagekräftige Quelle für. Denn einmal gibt es verschiedene Arten von Nägelkauen. Angefangen bei nur ein bisschen und das macht kaum einen Unterschied zum Abschneiden. Das wissen an sich nur Menschen, die die betroffene Person sehr nah kennen und das mitbekommen. Dann gibt es noch die Variante bis hin zum blutig Knabbern. Da kann man das von mir aus als selbstverletzendes Verhalten bezeichnen. Allerdings bezeichnet selbstverletzendes Verhalten ja auch ein Verhalten, welches bewusst ausgeführt wird. Hier im Thread haben sich ja bereits einige geäußert, die eher unbewusst knabbern oder piddeln.

Selbstverletzendes Verhalten ist noch dazu in der Regel ein Anzeichen für schwere psychische Probleme. Unter anderem neigen Borderliner dazu, sich selbst zu verletzen. Aber nicht jeder der Fingernägel kaut hat Borderline. Und nicht jeder Borderliner kaut Nägel oder verletzt sich selbst. Ich kenne mehr Borderline, die gepflegte Nägel haben, als Borderliner, die abgekaute Fingernägel haben. Gepflegt im Sinne von richtig aufwendig mit Nagellacken und ähnlichem.

Selbst bei Borderlinern wird Nägelkauen nicht wirklich als Selbstverletzung angesehen. Also aus Sicht der Behandler. Aus Sicht der Betroffenen ist das sicherlich anders. Wobei ich persönlich zwar Nägel kaue, aber an sich nicht wirklich bewusst, um mich selbst zu verletzen.

Ich persönlich kenne kaum jemand der Nägel kaut, der nicht in irgendeiner Form Probleme hat. Auch wenn diese nicht offenkundig sind. Allerdings haben mit Sicherheit nicht alle Fingernägelkauer die ich kenne eine psychische Diagnose. Und wie bereits erwähnt, im psychiatrischen Rahmen kenne ich eher wenige Nägelkauer. Aber selbst wenn, haben die in der Regel weder Borderline, noch Depressionen.

» LittleSister » Beiträge: 10426 » Talkpoints: -11,85 » Auszeichnung für 10000 Beiträge


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