Würdet ihr wegen einer Erkrankung umziehen?

vom 26.08.2012, 03:09 Uhr

Ich beschäftige mich zurzeit ein wenig mit seltenen Erkrankungen. Die werden ja nicht überall behandelt, oftmals ist aber eine umfangreiche Behandlung nötig. Deshalb frage ich mich gerade, in weit ich bereit wäre, für eine Behandlung den Wohnsitz zu wechseln.

Variante Eins:

Ihr habt ein Kind, bei dem eine seltene Erkrankung diagnostiziert wird. Die Behandlung ist aber nur am anderen Ende Deutschlands möglich. Pendeln wäre nicht möglich. Würdet ihr alles aufgeben und mit dem Kind (und Familie) dorthin ziehen? Oder welche Optionen fallen euch noch ein und welche haltet ihr für realistisch?

Variante Zwei:

Ihr selbst (oder euer Partner) hat eine seltene Erkrankung, deren Behandlung ebenfalls nur am anderen Ende Deutschlands möglich ist. Was würdet ihr machen?

» Fugasi » Beiträge: 1877 » Talkpoints: 1,33 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Es käme bei beiden Varianten darauf an, wie aussichtsreich die Therapiemöglichkeiten sind und welche Therapien in Frage kämen. Ist es bei Krankheiten eher so, dass man zum Beispiel drei, vier Wochen am Stück in der Klinik pro Jahr bleiben müsste und sonstige Untersuchungen zu Hause stattfinden könnten, käme für mich ein Umzug nicht in Betracht. Dennoch würde ich sowohl das Kind als auch den Partner immer begleiten und es/ ihn nicht allein lassen.

Muss die Therapie regelmäßig erfolgen, beispielsweise einmal in der Woche Minimum, ist es für mich keine Frage, dann eben dort eine Zweitwohnung zu nehmen oder aber direkt umzuziehen. Bei Personen, die ein Eigenheim ihr Eigen nennen können, ist es sicher etwas komplizierter, aber wenn man "nur" zur Miete wohnt, ist es wohl machbarer.

Manche Krankenhäuser bieten die Möglichkeit an, direkt neben der Klinik zu übernachten, es gibt da eingerichtete Wohnungen oder Zimmer, die man dann beziehen kann. Aber es kommt eben auf die Therapie an und wie umfangreich sie wirklich stattfindet. Ein wöchentliches Pendeln käme bei mir weniger in Frage als viel mehr ein jährliches Pendeln.

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» *steph* » Beiträge: 18439 » Talkpoints: 38,79 » Auszeichnung für 18000 Beiträge


Man kann das nicht pauschal beantworten. Wahrscheinlich zieht man ans andere Ende Deutschlands, wenn die Behandlung stationär erfolgen muss und mehrere Jahre dauert. Es kommt auch darauf an, in welchem Alter die Betroffenen sind, wer überhaupt warum wohin zieht. Wenn man zum Beispiel nur ein Kind hat, einer der Eltern hat einen guten Job in München, wäre in Hamburg aber arbeitslos, dann würde der andere Elternteil wahrscheinlich für die Zeit der Behandlung nach Hamburg ziehen, wenn nur dort die Behandlung möglich wäre.

Meine Großtante und mein Großonkel sind vor 50 Jahren mit ihrer tauben Tochter von Berlin nach Hamburg gezogen, weil dort die beste Schule für Schwerhörige war. Ich könnte jetzt nicht, ohne in der Situation zu sein, sagen: Wenn mein Kind fünf Jahre alt ist und eine Krankheit hätte, deren Behandlung neun Monate dauert, dann würde ich nach Frankfurt ziehen. Wenn die Behandlung aber sechs Monate dauert, dann würde ich pendeln. Oder: Wenn ich mehr als 3000 Euro im Monat verdiene und in Hamburg arbeitslos wäre, dann würde ich nicht nach Hamburg ziehen. Wenn ich aber arbeitslos wäre, dann würde ich nach Hamburg ziehen.

Solche Aussagen sind unsinnig. Wenn der Fall eintritt, muss man sich das je nach Umständen des Falles überlegen. Eine Aussage vorher zu treffen, ist unmöglich. Die Entscheidung hängt ja auch von der aktuellen psychischen Verfassung der Betroffenen ab, die kennt man ja jetzt noch nicht.

» anlupa » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »



Wie dir bereits User mitteilten, können deine beiden angenommenen Fälle nicht so einfach beantwortet werden, weil zu viele Dinge beachtet werden müssen. Jemand der so krank ist, dass er an seinem derzeitigen Wohnort keinerlei Chance hätte zu gesunden, dem aber eine Heilung am anderen Ende Deutschlands in Aussicht gestellt wurde, wird sicherlich zu diesem Strohhalm greifen, wenn er keine Rücksicht auf andere nehmen muss und zur Miete wohnt. Muss dieser Mensch aber noch Rücksicht auf seine Familie nehmen, wird er vielleicht zu einer Zweitwohnung tendieren, so er sich diese leisten kann.

Die Frage ist auch, ob er nach einer gewissen Zeit zurück in seine Heimat kann, oder ob er Zeit seines Lebens an den neuen Ort gebunden sein wird. Zum Beispiel könnte das der Fall sein bei einer Lungenkrankheit, die ein gewisses anderes Klima benötigt.

Für das eigene Kind wird man sicherlich noch mehr bereit sein, eine Veränderung in Kauf zu nehmen, um ihm Linderung und Heilung zu verschaffen. Aber auch hier kommt es auf viele Umstände an, die eine große Rolle spielen. Also kann man wirklich nicht pauschal sagen, was machbar ist und was nicht.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Ich denke bei Variante Eins stünde für die meisten die Sache fest, welche Eltern würden ihrem Kind eine derartige Therapie verweigern? Klar ist das eine sehr schwierige Angelegenheit, denn man lässt sein Leben zurück. Aspekte wie Freunde oder Familie werden einem aber sicherlich zunächst nicht so wichtig sein, es geht erstmal um das Geld, denn man muss am neuen Wohnort auch eine gute Arbeit finden und sich finanzieren können, mitunter muss man die Therapie schließlich auch noch bezahlen und das ist dann alles andere als einfach. Wenn man Glück hat, so hat man noch einen Partner, der dann eben zu Hause bleibt und arbeitet, einen für die Übergangszeit auch versorgen kann, ist dies nicht der Fall, ist man vielleicht auf die Familie angewiesen.

Aber egal wie man das mit der Arbeit und den Finanzen regelt, ich denke, dass keine Mutter nein sagen würde und auch kein Vater. Irgendwann wird man das alte Leben sicherlich vermissen und möglicherweise auch nicht mehr die Möglichkeiten haben zurückzukehren, wenn die Therapie länger oder gar lebenslänglich dauert und man dort schon einen festen Wohnsitz und Arbeit hat. Aber das Kind geht vor und niemand wäre so egoistisch und würde das alte Leben behalten wollen, wenn das bedeuten würde, dass das Kind leiden oder gar sterben müsste.

Aus Variante Zwei kann man an sich ja drei machen, denn es ist schon ein sehr großer Unterschied, ob ich krank wäre oder eben mein Partner. Ich meine, wenn ich krank wäre, so stünde die Sache für mich natürlich fest, ich würde wegziehen, um eine Therapie ermöglicht zu bekommen. Das alte Leben kann ich auch nicht genießen, wenn ich krank bin oder? Entweder ich werde gesund oder ich sterbe. Ich würde ohne zu zögern wegziehen und mein altes Leben dafür eben dann auch aufgeben, dass wäre die Konsequenz, aber ich fürchte, dass man dann keine Wahl hat, was soll man sonst tun?

Anders schaut das aus, wenn der Partner krank wird. Hier würde ich einige Unterschiede machen, denn es wäre für mich anders, wenn ich mit ihm verheiratet wäre oder eben nicht. Auch wenn das jetzt irgendwie albern klingt, vor allem weil ich von der Ehe eigentlich nichts halte, muss ich aber sagen, das sich mich irgendwie verpflichtet fühlen würde, denn Partner zu begleiten, wenn es sich um meinen Ehemann handeln würde. Wäre es hingegen aber ''nur'' mein Freund, so sähen die Dinge mitunter etwas anders aus. Als Ehepartner würde ich mich aber auf jeden Fall schäbig fühlen nicht mit zu kommen.

Ist man nur in einer normalen Beziehung, sehe ich die Bindung an sich als weniger eng und würde auch schauen, dass es zu meinem Besten ist, wenn ich mitkomme. Liebe ich meinen Partner, dann würde mich auch der Aspekt nicht sonderlich stören, dass ich Freunde und Familie zurücklassen muss. Ich kann sie besuchen und das ist nicht so schlimm. Ich würde aber nur ungern meine finanzielle Unabhängigkeit dafür aufgeben wollen, wenn ich ehrlich bin. Wenn ich studiert habe und eine gute Position habe, dann ist es sicherlich auch kein Thema, sich woanders zu bewerben, aber einen Umzug würde ich auch erst dann in Betracht ziehen, wenn mir eine andere Stelle sicher wäre.

Auf jeden Fall würde ich nicht einfach spontan und aus Mitleid heraus umziehen. Das klingt vielleicht etwas herzlos, aber es belastet mich auch ungemein, wenn ich von irgendjemandem abhängig bin. Sowas darf nicht sein und daher würde ich auf jeden Fall darauf achten, dass ich eine Arbeitsstelle und schöne Wohnung am neuen Wohnort habe und erst dann würde ich nachkommen, um meinem Partner beizustehen. Würde ich keine Arbeitsstelle finden, wäre es eine verzwickte Situation, letztendlich würde ich mich dann vermutlich darauf beschränken, ihn nur zu besuchen, an den Wochenenden beispielsweise.

» Crispin » Beiträge: 14916 » Talkpoints: -0,43 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


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