Verringerte Spendenbereitschaft auch bei Euch?
Die Medien werden derzeit mal mehr, mal weniger von den Skandalen bei der Vergabe von Spenderorganen in Göttingen und Regensburg dominiert. Cid hatte schon davon in
Organspende-Skandal in Göttingen geschrieben. Inzwischen ist die Spendenbereitschaft deutscher Bürger nun noch mehr gesunken, weil man kaum noch jemanden vertrauen kann und vielleicht auch gar nicht mehr vertrauen will.
Ich selbst habe ja noch kein Spendenausweis gehabt und das Thema habe ich auch immer wieder vergessen, wenn ich ein Termin bei meinem Arzt hatte. Aber unabhängig davon wäre ich dennoch bereit, zu spenden, wenn die Voraussetzungen einfach stimmen. Denn leiden müssen darunter letztendlich die Menschen, die auf die Organe von Spendern angewiesen bin, aber verstehen kann ich es dennoch, wenn auf eine Spende inzwischen und vorerst verzichtet wird.
Gehört Ihr auch zu den Leuten, die trotz dieser Skandale bereit wären, ihre Organe zu spenden oder ist für Euch der Zug einfach abgefahren und Ihr seid der Meinung, dass mit solchen Machenschaften berechtigterweise die Spenden zurückgehen? Wie würde es aussehen, wenn Ihr selbst darauf angewiesen wärt, ein Spenderorgan zu erhalten, auch, wenn man sich vermutlich nur sehr schwer in die Frage hinein versetzen kann, da man so etwas ja hoffentlich nicht erlebt?
Wenn ich Spender wäre, würde ich mich von den Skandalen nicht abhalten lassen. Es wird ja trotzdem ein Menschenleben dadurch gerettet. Da ich aber keine Organe spende, weil ich nicht möchte, dass Teile von mir in anderen Menschen sind, stellt sich die Frage für mich nicht. Ich denke, dass Organspender (manchmal auch Nichtspender wie ich) sich ziemlich viel Gedanken über das Thema gemacht haben und sich von den verbrecherischen Geschehnissen in der letzten Zeit nicht beeinflussen lassen.
Es wäre schlecht, wenn dadurch weniger Menschen Organe spenden würden. Meiner Meinung nach macht das auch wenig Sinn. Die Organe kommen ja trotzdem Menschen zugute, die Menschen brauchen ja trotzdem die Organe, auch wenn sie nur mit Geld beschafft werden.
Ich selber bin mir noch nicht sicher, ob ich irgendwann meine Organe spenden will oder nicht, aber ich würde mich nicht von solchen Nachrichten beeinflussen lassen. Die Entscheidung Organe zu spenden ist so schon schwierig genug und man muss sich darüber schon genug Gedanken machen, dann mache ich mir doch nicht noch mehr Gedanken wegen so eines Skandals.
Ehrlich gesagt kann ich absolut nicht nachvollziehen, wieso deswegen die Spendenbereitschaft zurück geht. Wenn ich Hirntod bin, dann kann es für mich ja keine Rolle mehr spielen, ob meine Organe an jemanden gehen, der dafür Unsummen bezahlt hat oder an jemanden, der ganz oben auf der Liste steht. Fakt ist, dass man damit hin wie her Leben retten kann. Und auch wenn es moralisch nicht richtig ist, dass sich jemand ein Organ kauft und ich das auch nicht unterstützenswert finde, so rettet man trotzdem ein Leben.
Fakt ist auch, dass ich meine Organe nach dem Tod eh nicht benötige. Also was soll ich sie - wegen eines Skandals - dann verschwenden? Es kommen sowieso viel zu wenig Menschen als Spender in Frage, als das man eigentlich die Wahl hat. Ich bin grundsätzlich dafür, dass man nicht einen Spendeausweis bei sich tragen sollte, sondern eben nur ein Veto, wenn man das nicht will. Ich werde nach wie vor weiterhin spenden.
Ehrlich gesagt halten mich die Skandale nicht davon ab, meine Organe im Todesfall doch für mich zu behalten. Ich sage seit Jahren klipp und klar, dass meine Organe in keinem anderen Körper landen sollen und auch nicht in irgendeinem anderen Menschen weiterleben. Auch wenn ich damit ein Leben retten kann, ganz ehrlich, ich möchte meine Organe einfach nicht spenden. Das habe ich sogar testamentarisch vor den Skandalen festgelegt. Man mag mich nun für egoistisch halten, aber wenn ich sterbe, möchte ich komplett beerdigt werden und nicht irgendwo weiterleben.
Ich finde es nur schlecht, wenn die Spendenbereitschaft durch die Skandale sinkt. Auch wenn ich aus persönlichen Gründen nicht spenden möchte, finde ich es ungerechtfertigt wegen solchen Schlagzeilen nicht zu spenden. Es gibt viele Menschen, die die Organe trotz allem benötigen und die so eine Chance bekommen. Ich kenne meinen Körper und sehe täglich was ich so an Medikamenten reinpumpe, deswegen möchte ich unter anderem auch nicht spenden. Aber ein gesunder Mensch, der nicht täglich ein Pillchen schlucken muss, sollte selbst entscheiden, ob er spenden möchte und wenn er sich dafür entscheidet, sollte er erst recht nicht auf die Medienspektakel hören. Es gibt immer schwarze Schafe, warum nicht auch in dieser Branche?
Ich habe nach wie vor meinen Organspendeausweise in meinem Portemonnaie und würde diesen deswegen auch nicht entfernen. An sich kann ich es durchaus verstehen, dass jemand wegen dieser Skandale verunsichert ist, aber was mich angeht, so bin ich an sich nicht zwingend der Meinung, dass meine Organe nun jemand bekommen muss, der sie am dringendsten braucht, Hauptsache sie kommen generell jemandem zu, der diese Organe braucht, weil er sonst nicht überleben würde. Das hört sich an sich jetzt vielleicht ein bisschen egoistisch an, aber ich behaupte jetzt einfach mal, dass ohnehin nicht alle Menschen, die eines Organspenders bedürfen, einen solchen auch bekommen und häufig ist es ja auch so, dass die Lebenserwartung eines Patienten sinkt, je länger er auf das Organ warten muss. Nicht immer ist das der Fall, aber man könnte durchaus behaupten, dass ein Mensch der krank ist aber kürzer warte, eine höhere Überlebenschance hat, als jemand der schon länger auf das Organ wartet.
Auf jeden Fall aber macht das für mich an sich keinen Unterschied, es werden Organe gebraucht und selbst wenn mein Organ über einen derartigen Skandal vergeben werden würde, würde es letzten Endes jemand bekommen, der es zum überleben braucht, also sehe ich das nicht so eng. Und an sich muss man ja auch bedenken, dass solche Skandale an sich ja nur dadurch entstehen, dass ein Mangel an Organspendern gegeben ist. Ist da die Wahrscheinlichkeit nicht ungemein hoch, dass durch diese Skandale häufiger auftreten, wenn es noch weniger Spender gibt. Letztendlich ist das also sehr kontraproduktiv, wenn Menschen auf einen solchen Skandal noch verstärkt mit der Verweigerung einer Organspende reagieren. Ich sehe darin also keinen Ausweg aus dieser Situation und an sich macht das für mich eh keinen Unterschied, wer das Organ bekommt, solange er es eben nur braucht.
Ich kann schon nachvollziehen, dass die Bereitschaft einiger, sich einen Organspenderausweis zuzulegen, nun aufgrund dieser Ereignisse zurückgegangen ist, weil solche Meldungen natürlich die ohnehin schon recht zwiegespaltenen Lager der Befürworter und der Unsicheren fördert. Wer bisher unsicher war, sich einen Organspenderausweis zuzulegen, wird jetzt vermutlich noch mehr davon überzeugt sein, dass das recht unsicher ist, auch, wenn ich diese Einstellung wiederum falsch finde. Vermutlich ist es wirklich eine Einstellungsfrage, ob man Organspender werden will oder nicht, ob man sich dazu überwinden muss, zu vertrauen oder ob man das ohnehin tut. Solche Meldungen wie diese nun, die natürlich in der Presse entsprechend breit getreten wird, wie das bei Skandalen nun mal immer der Fall ist, und dadurch sicherlich auch noch entsprechend verändert wird, sollten einen allerdings wohl kaum davon abhalten, bei der Organspende mitzuwirken, indem man sich einen Spenderausweis zulegt, wenn man von der grundlegenden Sache überzeugt ist.
Insofern bin ich auch tatsächlich weiterhin der Meinung, dass man sich als Organspender bereitstellen sollte, jedenfalls, wie gesagt, wenn man das auch vor dieser Meldung schon war. Welche Konsequenzen dieser Skandal nun haben wird und ob es in Zukunft noch irgendwelche Maßnahmen von staatlicher Seite geben wird, um zu versuchen, zu verhindern, dass so etwas noch mal vorkommen kann, wird sich zeigen. Allerdings würde ich als jemand, der von der Organspende durchaus viel hält, mich nun durch Meldungen dieser Art tatsächlich nicht davon abhalten lassen, meine Organe zu spenden. Ich kann auch gar nicht so genau begründen, weshalb ich hier meine Meinung nicht geändert habe. Vielleicht liegt es zum Teil auch wirklich daran, dass ich weiß, dass die Medien Themen nicht nur ausschlachten, sondern eben auch Sachverhalte so darstellen, wie sie gewesen sein könnten, aber nicht de facto waren, nur, um ihrer Profitgier gerecht werden zu können. Sicherlich stimmt der Kern des Vorwurfs und es wird auch entsprechende Folgen geben, deren Ausgang wir dann – wiederum durch die Medien – erfahren werden. Im Endeffekt kann man allerdings für alle Betroffenen nur hoffen, dass die Organspenderzahlen nicht deutlich zurückgehen, weil meiner Meinung nach nicht passieren darf, dass die ohnehin schon Leidtragenden in der ganzen Angelegenheit in Zukunft noch weniger Aussicht auf einen Hoffnungsschimmer haben.
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