Neuro-Enhancement - legitim?
Was bei Sportlern bereits Gang und Gäbe ist, wird auch bei Studenten langsam aber sicher salonfähig. Die Rede ist von Doping, in unserem Fall speziell von Gehirn-Doping. In einer Umfrage gaben etwa 10% der Studenten an regelmäßig zu leistungssteigernden Medikamenten zu greifen, über die Hälfte behaupteten einen sogenannten Neuro-Enhancer zumindest bereits ausprobiert zu haben. Die Tendenz ist steigend. Als Motivation wird meist Zeitdruck aber auch Neugierde angegeben. Nun mögen Substanzen wie Ritalin tatsächlich die Konzentrationsfähigkeit temporär verbessern und man hat sich im Studium oder im Job ein paar Vorteile ergaunert. Doch sind die Auswirkungen eines Dauerkonsums überhaupt durchschaubar?
Experten sehen in der Verbreitung von Neuro-Enhancement eine enorme Bedrohung für die Chancengleichheit in der Gesellschaft. So könnte es durch eine Dominanz der Gedopten irgendwann dazu kommen, dass Nicht-Konsumenten in Schule und Beruf deutlichen Nachteilen ausgesetzt sind. Wird die Ausgabe von Neuro-Enhancern nicht strenger kontrolliert, wäre sogar eine komplette soziale Abspaltung der Nicht-Konsumenten vom Rest der Bevölkerung denkbar. Gleichwohl existieren auch andere Sichtweisen auf Neuro-Enhancer. In zahlreichen Studien konnte allenfalls eine Placebo-Wirkung von Ritalin und co. festgestellt werden, wozu allerdings sämtliche sogenannte "Tripberichte" im Widerspruch stehen. Bekennende Konsumenten behaupten durch Ritalin eine immense Steigerung der Konzentration zu verspüren und insgesamt an Aufgaben motivierter ranzugehen.
Meiner Meinung nach sollte man sich beim Gehirn-Doping auf legale Drogen beschränken, und in der Form halte ich Neuro-Enhancement für durchaus moralisch vertretbar. Letztendlich kann man schon alle Raucher als Gedopte bezeichnen. Selten wird man für den Zug am Glimmstängel verachtende Blicke ernten. Ein berühmtes Beispiel für maß- und sinnvolles Gehirn-Doping wäre Rachmaninoff: Der russische Komponist und Pianist war dafür bekannt tagein tagaus Unmengen an Kaffee und Nikotin zu konsumieren, was sicherlich keine insignifikanten Auswirkungen auf sein Schaffen hatte.
Haltet Ihr Neuro-Enhancement für legitim und praktiziert ihr gar selbst welches?
Lies dir mal das Buch "Neuromancer" von William Gibson durch - es wahrscheinlich einer der ganz großen Klassiker in der ScienceFiction Literatur und wurde in den 80ern geschrieben. Darin beschreibt Gibson eine vernetzte Welt und die alltägliche Nutzung von implantieren Neuro-Enhancern. Sehr faszinierend schon damals und erschrecken realistisch schon heute. Neurotechnologie wird "Besser verdienern" in der Zukunft als hippes Mittel dienen um "besser" als andere zu sein - das wird wohl auf jeden Fall kommen'!
Man braucht sich eigentlich über diese Entwicklung nicht zu wundern. Der Leitungsdruck an der Universität ist seit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge extrem viel größer geworden. Man hat ständig Prüfungen zu absolvieren und das in allen Bereichen. Alle Einzelprüfungen zählen für die Abschlussnote. Dadurch, dass das nun extrem viel geprüft wird, ist das Studium extrem verschult worden, was zusätzlich Stress macht, weil man auch ständig im Seminar auf Zuruf die richtige Antwort parat halten muss.
In den USA ist das wohl schon lange vor uns angekommen, dass Schülern und Studenten da großzügig Medikamente zugeteilt werden, um aufmerksamer, leistungsfähiger und so weiter zu sein. Da in der Bildung nicht wie im Sport keine Kontrollen durchgeführt werden, ist da dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet. So lange der ehrliche da der Dumme bleibt, ist da auch schwierig ein Riegel vorzuschieben. Man stelle sich nur Dopingkontrollen an der Universität vor! Wer will alleine schon für die Kontrollkosten aufkommen und wer will im Einzelfall entscheiden müssen, ob jemand nun die Medikamente aus gesundheitlichen Gründen braucht oder nicht wirklich braucht?
Ich denke nicht, dass die Auswirkungen so eines Dauerkonsums nicht abzusehen sind. Schon allein bei dem Einsatz des Ritalin beim hyperaktiven Kind gibt es noch immer Unsicherheit, ob man da zu viel riskiert oder nicht. Deshalb gibt es immer wieder Eltern die sich bewusst gegen Ritalin bei ihrem Kind entscheiden. Und hier wurde ja medizinische Forschung betrieben und weit mehr abgeklärt, als wenn man solcherart Pillen ohne medizinische Notwendigkeit nimmt. Mir wäre das Risiko zu groß. Um meine geistige Leistungsfähigkeit zu steigern greife ich zu den herkömmlichen und erprobten Mitteln wie starkem Kaffee, Frischluft, Bewegung und ausreichend Schlaf.
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