Krankheiten in eurem Verwandten- bzw. Bekanntenkreis?
Ich wollte euch mal fragen ob es in eurem Freundes- oder Verwandtenkreis Menschen gibt, die eine schwere Krankheit diagnostiziert bekommen haben? Wie gehen diese Menschen damit um? Wie geht ihr damit um? Verhaltet ihr euch anders ihnen gegenüber bzw. fällt es euch schwer sie genauso wie vorher zu behandeln?
Meine beste Freundin hat vor einer Woche die Diagnose Multiple Sklerose bekommen.
Für die die es nicht kennen: Das ist eine chronische Nervenentzündung, die in Schüben verläuft. Der Abstand zwischen diesen Schüben kann von Wochen, über Monate, bis Jahre dauern. Die Schübe an sich können über Tage, bis hin zu einem Monat andauern. Dabei stellen sich verschiedene Lähmungserscheinungen ein. Entweder in den Armen, in den Beinen oder auch in Beidem. Diese Erscheinungen können sich nach dem Schub wieder zurückbilden, oder aber es können auch Restfolgen für immer vorhanden bleiben.
Je häufiger solch ein Schub kommt, desto weniger werden sich die Ausfälle zurückbilden. Das bedeutet sie wird zwangsläufig irgendwann im Rollstuhl sitzen. Das kann 5 Jahre dauern oder auch 10 oder 20. Ich versuche sie so zu behandeln wie immer, dennoch spukt mir das Thema immer wieder im Kopf herum und es fällt schwer nicht immer daran zu denken, wenn ich sie ansehe.
Der Sohn meiner Freundin hat im Alter von 17 Jahren multiple Sklerose diagnostiziert bekommen. Es war ziemlich hart für sie und für den Jungen. Er durfte keinen Leistungssport mehr machen. Eine Zeit lang ging es ganz gut, er hatte nur wenige Schübe. Er lebte relativ normal und hat seinen Bachelor fertiggemacht. Letztes Jahr wurde es schlimmer. Man merkt ihm als Außenstehender nichts an, er kann aber nicht mehr weit gehen. Neulich hat er sich sogar einen Stock gekauft, weil seine Beine zu schwach werden.
Ich lasse mir nichts anmerken, rede aber natürlich mit meiner Freundin darüber. Es ist abzusehen, dass er in spätestens ein paar Jahren im Rollstuhl sitzen wird. Trotzdem ist er meistens gut gelaunt und macht auch noch seinen Master weiter. Aber es ist schon ein hartes Schicksal. Meine Freundin hofft, dass bald etwas gegen diese Krankheit gefunden wird, es finden ja intensive Forschungen der Pharmaindustrie weltweit statt.
Ältere Verwandte hat wahrscheinlich jeder, bei denen schwere Krankheiten diagnostiziert wurden. Meine Mutter hatte Magenkrebs, mein Schwiegervater Parkinson, mein Onkel Alzheimer. Irgendwann kommt für fast jeden die Diagnose einer schweren Krankheit. Aber deine Frage zielt wahrscheinlich auf jüngere Leute. Meine Schwester hatte als Kind Leukämie, das war auch eine schlimme Diagnose. Damals vor 45 Jahren war das ein Todesurteil, sie ist auch ein Jahr später daran verstorben.
Ich denke auch, dass es keine Familie ohne schlimme Krankheiten gibt. Bei uns gab es Krebs und Parkinson. Meine Oma und ich leiden außerdem an einem Herzklappenfehler. Meine Oma wurde bereits operiert und ich warte noch auf ein endgültiges Ergebnis vom Kardiologen, wobei der Hausarzt schon gesagt hat, was es ist. So weiß ich das nun noch eine Operation auf mich zukommen wird. Das ist an sich kein schönes Gefühl, aber ich habe es auch nur meinen nächsten Verwandten gesagt, weil ich keine Lust habe anders behandelt zu werden.
Man neigt dazu einen kranken Menschen anders zu behandeln. Sicherlich ist es auch gut, wenn man ihm zeigt, dass er oder sie nicht alleine dasteht, aber man muss ja auch ehrlich sein. Man sollte niemanden besser behandeln und plötzlich nett zu ihm sein nur, weil er eben mal krank geworden ist. Ich bin genauso herzlich wie immer mit den in meiner Familie erkrankten Menschen umgegangen.
Wir haben gerade zwei sehr traurige Fälle in unserem Bekanntenkreis. Der erste Fall ist ein vierzigjähriger Familienvater bei dem Leukämie diagnostiziert wurde. Es geht ihm sehr schlecht. Er bekommt Chemo und wartet nun auf einen passenden Knochenmarkspender. Das Ganze nimmt uns alle sehr mit und wir versuchen nun durch verschiedene Aktionen die Leute für das Thema Typisieren und Knochenmarkspende zu sensibilisieren. Wir haben uns auch alle testen lassen, aber bisher wurde noch kein Spender gefunden. Der Familie geht es nicht gut. Ich versuche die Familie zu unterstützen, mache mit den Kindern Ausflüge und versuche so die Mutter zu unterstützen und dennoch schwebt das Thema immer wie eine graue Wolke über allem.
Der zweite Fall ist eine diagnostizierte Muskeldystrophie bei einem Kleinkind, es ist zum Glück die mildere Form, so dass die Lebenserwartung zwar verkürzt, aber noch gut ist. Auch hier ist das Thema immer präsent und man fühlt sich sehr unwohl. Ich weiß leider auch nicht immer, wie man reagieren soll.
Meine Mutter hatte mehrere schlimme Krankheiten, unter anderem auch Parkinson. Es ist für beide Teile schwer damit umzugehen, für den Kranken, weil er leiden muss und das Leben anders verläuft, als gewohnt und für die Angehörigen, weil sie eine geliebte Person leiden sehen und nicht richtig helfen können. Auch wenn sie versuchen, dem Kranken so viel wie möglich beizustehen, können sie ihm das Leiden nicht ersparen und weinen oft hinter geschlossenen Türen.
Der Kranke macht sich Gedanken über seine Krankheit und wagt oft nicht, seine Gedanken mit den Angehörigen zu besprechen. Dabei sollte man ihm wenn möglich helfen und seine Krankheit offen behandeln. Das ist für ihn besser, als wenn man das abtut mit der lapidaren Aussage: „Warte ab, es wird schon wieder besser,“ oder ähnlichen Aussagen. Das habe ich auch schon erlebt. Das ist keinesfalls dazu angetan, den Kranken auf zu muntern. Man sollte ehrlich zu dem Kranken sein.
Cid hat geschrieben: Dabei sollte man ihm wenn möglich helfen und seine Krankheit offen behandeln. Das ist für ihn besser, als wenn man das abtut mit der lapidaren Aussage: „Warte ab, es wird schon wieder besser,“ oder ähnlichen Aussagen. Das habe ich auch schon erlebt. Das ist keinesfalls dazu angetan, den Kranken aufzumuntern. Man sollte ehrlich zu dem Kranken sein.
Natürlich sollte man ehrlich sein und die Krankheit nicht schön reden oder davon sprechen, dass alles wieder gut wird wenn es eigentlich aussichtslos erscheint. Aber manchmal bleibt einem gar nichts anders übrig. Meine Mutter ist erst im Februar an Krebs gestorben; die Jahre davor kamen immer mal wieder Metastasen hier und da, dann gingen wieder welche, kamen wieder, und so weiter. Wie schlimm es wirklich um sie stand wussten wohl nur die Ärzte und mein Vater; meine Geschwister und ich waren uns darüber bewusst das es scheiße aussieht, aber was sollten wir machen? Wir selber haben noch gehofft, und meiner Mutter hat hofft, da haben wir natürlich auch gesagt, dass es wieder besser wird. Was bringt es denn auch dazu zu sitzen und über das Schlimmste zu sprechen?
Ansonsten sind wir soweit es ging normal mit meiner Mutter umgegangen; allerdings konnte sie gegen Ende hin nichts mehr alleine machen; sich nicht bewegen, nicht alleine auf die Toilette, nicht alleine Essen und so weiter. Das war für uns und sie keine einfache Situation. Ihr war das wohl unangenehmer als uns, und wir haben dann immer nur gesagt, dass sie uns als wie Kinder waren herum getragen hat, unsere Windeln gewechselt hat und uns gefüttert hat; und nun wir das alles für sie machen.
Ich habe vor ein paar Jahren auch mal ein Mädel kennengelernt, das an Multipler Sklerose erkrankt ist. Während der Zeit, in der wir Kontakt hatten, hat sich ihre Situation auch verschlechtert, so dass sie manchmal auch einen Stock brauchte, weil sie sich anders nicht mehr fortbewegen konnte. Dieses Mädel war auch noch recht jung und hatte die Diagnose auch als junge Erwachsene bekommen. Natürlich war ich selbst froh, dass ich nicht unter einer solchen Erkrankung leide, aber ich habe diese Bekannte durch ihr vergleichsweise schweres Schicksal auch nicht anders behandelt als andere Leute auch. So hatte ich auch nicht das Gefühl, sie mit Samthandschuhen anfassen zu müssen. Natürlich konnte sie manche Sachen nicht machen. Aber ansonsten konnte ich mit ihr ganz normal umgehen. Irgendwann verlief der Kontakt im Sande, was aber nichts mit der Krankheit zu tun hatte.
Eine gute Freundin von mir bekam ebenfalls in einem recht jungen Alter Krebs. Mittlerweile ist das schon ein paar Jahre her, aber bei ihr fand ich das auch sehr krass. Sie ist nur zwei Jahre älter als ich und ich habe mich natürlich auch gefragt, wie ich damit umgehen würde, wenn ich in dem Alter schon mit so einer schweren Erkrankung konfrontiert gewesen wäre. Irgendwie spielte diese Krankheit aber keine große Rolle, sie ist sehr locker damit umgegangen, auch wenn es hinter der optimistischen Fassade sicher nicht immer ganz leicht war für sie. In unserem Miteinander spielte die Erkrankung aber keine große Rolle und wir sind weiterhin ganz normal miteinander umgegangen. Ich glaube, dass ihre Einstellung, also einfach so normal wie möglich weiterzuleben, ihr dabei geholfen hat, die Krankheit zu besiegen.
In meiner direkten Familie gab es bisher auch ein paar Erkrankungen, allerdings waren das mehr oder weniger normale Krankheiten, die im Alter oftmals dazugehören. Wenn jemand irgendwann unter Bluthochdruck leidet oder im Alter Diabetes bekommt, ist das nicht so ungewöhnlich und ich finde auch, dass man sich da nicht zu viel vormachen sollte. Man kann und sollte viel für seine Gesundheit tun, aber in einer Gesellschaft, die zunehmend älter wird, gehören bestimmte Erkrankungen irgendwann einfach dazu, die früher keine große Rolle spielten, als die Leute noch nicht so alt wurden. Wirklich schlimm finde ich es daher überwiegend, wenn jüngere Leute an Krankheiten erkranken, die eigentlich untypisch für ihr Alter sind.
Ich finde es wichtig, dass man weiterhin ganz normal mit dem Erkrankten umgeht. Die meisten möchten das ja auch und bitten sogar selbst darum, nicht in Watte gepackt zu werden. Mich nervt es ja schon, wenn mich jemand bei einer harmlosen Magen-Darm-Grippe behandelt, als sei ich schwer krank. Wie lästig muss es dann erst sein, wenn man wirklich ernsthaft erkrankt ist und nur von gutmeinenden, aber letztendlich nicht guten Ratschlägen und mitleidigen Gesichtern umgeben ist? Das gibt einem dann doch erst das Gefühl, wirklich schlimm krank zu sein. Man sollte niemandem aus Mitleid beistehen, aber man sollte Kranke eben auch nicht wie Aussätzige behandeln. Krankheiten gehören einfach dazu und sind auch ein Stück Normalität. Und als solche sollte man sie behandeln.
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