Drogenersatzprogramm: Wie von Ersatzdroge wegkommen?

vom 18.04.2012, 09:06 Uhr

Man hört so oft, dass drogenabhängige Menschen in ein Drogenersatzprogramm aufgenommen werden, wo sie dann eine Ersatzdroge bekommen. Da gibt es wohl heutzutage auch mehrere Medikamente, die da gegeben werden, außer Methadon. In meinem Bekanntenkreis ist eine 40 jährige Frau, die bis zu ihrem 30 Lebensjahr wohl auch harte Drogen genommen hat und nun schon seit 10 Jahren in diesem Ersatzprogramm drin ist. Bisher wird von keinem Arzt Anstalten gemacht, dass diese Frau auch von den Ersatzdrogen weg kommt.

Muss ein Drogenabhängiger oder ein Mensch, der früher Drogen genommen, hat ein Leben lang diese Ersatzdrogen nehmen? Sind das im Prinzip nicht auch Drogen? Wie kommen denn die drogenabhängigen Menschen irgendwann von dieser Ersatzdroge weg? Was bringt es, wenn sie keine Mittel mehr nehmen, die wir als Drogen bezeichnen und dann ein Ersatzmedikament bekommen, wo sie genauso von "drauf" sind. Sonst würden sie ja die Droge immer noch haben wollen. Wie funktioniert das genau mit diesem Drogenersatzprogramm?

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Wir haben bei uns in der Apotheke auch einen Kunden, der so eine "Austauschdroge" bekommt. Er bekommt das Medikament schon seit vielen Jahren und die Dosierung musste auch immer wieder aufgestockt werden, damit die Wirkung noch ausreichend ist. Also glaube ich auch nicht, dass dieser Mensch irgendwann soweit gebracht wird, mal ohne das Medikament zu leben.

Dieses Programm ist einfach aus dem Grund geschaffen worden, dass die Ärzte die Patienten unter Kontrolle haben und die Drogen nicht unkontrolliert eingenommen werden. Außerdem wird die Beschaffungskriminalität gesenkt. Dadurch, dass der Mensch seine Drogen auf legalem Wege bekommt, ist er nicht mehr gezwungen, ein illegales Geschäft mit einem Drogendealer einzugehen. Auch Diebstahl ist ja bei einigen Drogenabhängigen ein Thema, um an das Geld für Drogen zu kommen. Das wird durch die kontrollierte Gabe der Ersatzdrogen zu Lasten der Krankenkasse verhindert.

» Barbara Ann » Beiträge: 28946 » Talkpoints: 58,66 » Auszeichnung für 28000 Beiträge


Viele Menschen die drogensüchtig waren müssen danach auf einer Ersatzdroge gestellt werden, um den Alltag regeln zu können. Die Dosis dieser Ersatzdroge ist jedoch so minimal, dass die ehemaligen Süchtigen auf keinen Fall "high" werden, sondern einfach der Entzug überbrückt wird und die Sucht des Körpers befriedigt wird. Sinn der Sache ist, dass Ärzte den Patienten dann unter Kontrolle haben, er keine Gefahr für sich oder andere darstellt und die Schmerzen des Entzuges nicht auftreten können.

Ich muss jedoch sagen, dass ich von der Ersatzdroge gar nichts halte. Ich bin von den Drogen so runter gekommen und habe mich von meiner Frau, deren Familie einsperren lassen! Bis heute bin ich clean! Ich habe auch keine Gelüste. Meine Mutter z.B und meine Schwiegermutter haben auch keine Ersatzdroge nehmen müssen, weil sie Kinder hatten und den Sinn des Lebens wohl endlich wieder begriffen haben. Das ist auf jeden Fall besser als diese Ersatzdroge.

Wenn ein Süchtiger Pech hat, wird er ewig an der Ersatzdroge gefesselt sein, denn viele können gar nicht mehr ohne. Nehmt doch ein Mal das beste Beispiel "Christiane F. " Sie nimmt seit Jahrzehnten dieses Methadon und kann davon nicht Mal eine geringere Dosis bekommen, weil ihr Körper sonst anfängst, zu streiken und sich bereits bemerkbar macht. Daher finde ich diese Ersatzdroge so tragisch, weil man letzten Endes seinen Körper nur vorgaukelt, clean zu sein.

» paddelfisch » Beiträge: 655 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Jemanden auf eine Ersatzdroge umzustellen ist natürlich nur eine Scheintherapie. Es ist vielleicht leichter kontrollierbar, da den Konsumenten dann der Kick fehlt der zur eigenmächtigen Steigerung der Dosis führt, aber ansonsten dürfte es medizinisch keine Vorteile geben.

Die Entzugserscheinungen der Ersatzdrogen sind meist ebenso furchtbar. Ein Heroinentzug dauert allerdings nur 3 Tage. Methadon ist ebenfalls ein starkes vollsynthetisches Opioid. Der Entzug hat einen ähnlichen Charakter, ich habe allerdings von Entzugszeiten zwischen 6 Wochen und 3 Monaten gelesen, wobei ich denke, dass hier von Ausschleichen die Rede ist.

Ich denke nicht, dass eine Umstellung von Heroin auf Methadon per se sinnvoll ist. Da unser Staat es allerdings nicht unterstützen kann, wenn eine Droge einen Kick gibt, ist die Verschreibung von reinem Heroin zu bezahlbaren Preisen an Süchtige nicht vorgesehen und man muss auf Ersatzsubstanzen ausweichen. Und zumindest macht es die Konsumenten wieder funktionsfähig. Ein verantwortungsvoller Arzt sollte allerdings einen Therapieplan mit psychotherapeutischer Begleitung erstellen, der in der Freiheit von harten Drogen mündet.

» TuDios » Beiträge: 1475 » Talkpoints: 4,83 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



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