Wartezeiten für Rehabilitation zu lang?
Wie ich in einem anderen Thread schon erwähnt habe, hat meine Mutter einen längeren Krankenhausaufenthalt hinter sich. Das ganze kam auch sehr plötzlich und unerwartet und sie war in den ersten Wochen enorm geschwächt. Nachdem sie entlassen worden ist, hatte sie auch noch einige Wochen lang starke Schmerzmittel nehmen müssen und hat viel geschlafen, sich noch sehr wenig bewegt. Das ganze war zum Glück zur Zeit meines Abiturs passiert, hier war ich nämlich zu Hause und dann war es auch nicht so schlimm, ich war ja eben für sie da.
Auf jeden Fall war dann noch im Krankenhaus die Rede von einer Reha. Das Krankenhaus selbst hatte auch eine Reha-Abteilung und wir sind zunächst davon ausgegangen, dass die Reha direkt an ihre Entlassung angeschlossen werden würde, vielleicht würde man gegebenenfalls einige Tage auf einen freien Platz warten müssen oder so. Zur Zeit ihres Krankenhausaufenthalts, gab es wohl auch Krankengymnastik, allerdings hatten wir es mit einer reichlich unmotivierten Krankengymnastin zu tun, bei der sich meine Mutter auch nicht wohl fühlte.
Als sie dann entlassen wurde, war der Arzt, der sie hauptsächlich behandelte hatte, gerade im Urlaub und so war eigentlich gar nicht mehr die Rede von der Reha, so dass wir die Ärzte dann nochmals daran erinnern mussten. Das das Krankenhaus desorganisiert war und man mit vielen Angelegenheiten ewig hinter den Ärzten und Schwestern hinterher rennen musste, war uns zwar nicht neu, aber wir hatten eigentlich erwartet, dass man sich um solche Dinge kümmerte, vor allen Dingen, wenn eine Patientin die gerade zu Ostern entlassen wurde, sich kaum selbst auf den Beinen halten konnte und nur wenige Schritte machte. Es war eben leider nicht der Fall, obwohl wir das Thema mehrmals ansprachen, kam keiner mehr auf die Reha zurück und am Tag der Entlassung war gar keiner der Oberärzte da.
Auf jeden Fall leitete dann der Hausarzt die Reha in die Wege, weil es meiner Mutter bei der Entlassung wirklich noch nicht so gut ging und normalerweise gibt es bei dieser Art von Erkrankung auch immer eine Reha. Der Arzt warnte uns jedoch schon vor, dass es ein bisschen dauern könnte, aber das war nicht weiter schlimm, denn meiner Mutter ging es erstmal eh nicht so gut und sie erholte sich nur sehr langsam. Wir hatten allerdings nicht damit gerechnet, dass es so lange dauerte, denn nachdem das ganze über die Rentenversicherung und Krankenkasse gegangen war, bekam meine Mutter endlich die Einladung zu der Rehabilitation, ganze zweieinhalb Monate nach ihrer Entlassung!
Ich fand das ehrlich gesagt schon ganz schön hart. Meine Mutter wird jetzt bald fahren, zumal sie immer noch nicht topfit ist, aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass andere Patienten mit weniger ernsten Krankheiten sich in dieser Zeit schon erholt hätten und die Reha nicht mehr bräuchten. Wie sehr ihr das, habt ihr schon ähnliche Erfahrungen gemacht? Sollte man in solchen Fällen den Papierkram nicht etwas zurückstellen und sich in erster Linie um das Wohl des Patienten kümmern?
Nun ja, eine Rehabilitation ist nicht nur dazu da, um sich zu erholen. Man bekommt dort auch weitere Hilfe für die Zeit danach und man lernt andere Menschen kennen, die ähnliche Probleme haben wie man selbst. Also auch wenn sich jemand, der vielleicht nicht ganz so krank ist, schon mehr erholt hätte bis zur Rehabilitationszeit, würde er dennoch davon profitieren, denn es geht um mehr als um Erholung.
Nun ist es ja so, dass bei deiner Mutter wohl einiges dazwischen kam, was dazu führte, dass sich der Antrag an sich hinaus gezögert hat. Das kann schon mal passieren, ich halte das nicht für merkwürdig, das kommt sicher oft vor. Man muss sich natürlich auch selbst kümmern, denn die Ärzte können nicht für jeden Patienten mitdenken. Man muss oftmals sogar selbst mit der Rentenversicherung Kontakt aufnehmen, um zu erreichen, dass man in Reha gehen kann. Vom Antrag zum letztlichen Termin allerdings dürfte es nicht mehr allzu lang dauern.
Der Papierkram ist sehr wichtig, denn darin beurteilt ja auch der Arzt, ob der Patient dazu fähig ist, eine Reha Maßnahme durchzuführen. Wenn jemand in ganz schlechter Verfassung ist, kann die Rentenversicherung eine Reha Maßnahme auch ablehnen, bis man dazu in der Lage ist, eine Reha wirklich durchzuführen. Dafür sind solche Unterlagen von Belang, damit wird jedoch auch nicht das Wohl des Patienten zurück gestellt. Es sind einfach Dinge, die gemacht werden müssen, damit die Rehaanstalt auch vernünftig ausgewählt werden kann.
In erster Linie geht es bei der Rehabilitation aber nicht darum sich zu erholen, Kontakte zu knüpfen oder sich Tipps zu holen, sondern darum wieder die feinmotorischen Fähigkeiten wieder zu erlangen, die man vorher hatte. Bei der neurologischen Erkrankung die meine Mutter hatte, konnten Folgeschäden auftreten wie beispielsweise Taubheit, Sehschwäche, Probleme bei bestimmten Bewegungen wie der Hand und so weiter, Gleichgewichtsstörungen, alles mögliche, ein wichtiger Aspekt war aber eben auch, dass sie Wochenlang im Bett lag und dann sind die Muskeln eben auch geschwächt. Wenn man nach einer solchen Erkrankung dauerhafte Folgeschäden vermeiden möchte, sollte man mit der Rehabilitation nicht warten!
Wir hatten den Antrag damals direkt nach der Entlassung gestellt und sie hat erst nach zweieinhalb Monaten einen Termin bekommen, also hat das schon sehr lange gedauert. Großartige Probleme gab es bei uns übrigens gar nicht, die Formulare die es auszufüllen galt kamen und wurden direkt wieder abgeschickt, es dauerte wohl einfach lange, sie zu bearbeiten und weiterzuleiten, anders kann ich mir das nicht erklären. Der Papierkram vom Arzt war direkt am ersten Tag der Beantragung ausgefüllt, da gab es schließlich nur einen kleinen Fragebogen wo angekreuzt wurde, inwiefern der Patient behindert wurde, welche Folgeschäden möglich sind und was er für eine Krankheit gehabt hatte, das war schnell erledigt. Unser Arzt war über die lange Wartezeit übrigens auch nicht begeistert.
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