Kleptomanie nur eine Ausrede oder ernsthafte Krankheit?

vom 16.01.2012, 10:57 Uhr

Kleptomanie ist eine anerkannte Krankheit, welches das Krankheitsbild hat, dass man gezwungen ist etwas zu stehlen, was man brauchen kann oder auch nicht. Dem Kleptomanen ist es reichlich egal, was er mit dem Diebesgut anstellt.

Neulich haben wir uns mit mehreren in der Runde über Kleptomanen unterhalten und es waren auch 2 in der Runde, die meinen, dass man mit der Ausrede ein Kleptomane zu sein, einfach den Diebstahl legalisiert und dass sie nicht an diese Krankheit glauben. Denn wie soll man feststellen, ob es wirklich Kleptomanie ist, an die ein Dieb leidet oder doch eine kriminelle Ader?

Glaubt ihr an die Krankheit? Wie stellt ein Psychologe es wirklich fest, dass man an Kleptomanie leidet? Kann es nicht sein, dass man einfach behauptet, dass man den Zwang zum Stehlen hat und es gar nicht stimmt? Wie behandelt man so eine Krankheit?

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Wenn jemand etwas stiehlt, was er gebrauchen oder weiterverkaufen kann, ist er wahrscheinlich kein Kleptomane. Es gibt gewisse Indizien dafür, ob jemand an Kleptomanie leidet. Der Diebstahl, der begangen wird, ist sinnlos, weil die Menschen das Diebesgut gar nicht gebrauchen können, bzw. genügend Geld haben, um es sich zu kaufen. Oft sind es auch Dinge, die sehr wenig Geld kosten. Ein anderes Kriterium ist der ununterdrückbare Drang, etwas zu stehlen, verbunden mit der Erleichterung, die sofort nach der Tat eintritt und dem Schuldbewusstsein eine Zeit später.

Die Psychologen streiten sich, ob es eine Suchtkrankheit oder eine Zwangkrankheit ist. Ich neige eher zu Zwangkrankheit, weil das Verlangen einen überkommt, wenn man in der entsprechenden Umgebung ist. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man Entzugserscheinungen hätte, wenn auf Grund eines neuen Gesetzes jeder in den Kaufhäusern alles mitnehmen könnte. Kleptomanen können wohl mehr oder weniger erfolgreich von Psychologen behandelt werden. Ich glaube nicht, dass man sich bei einem normalen Diebstahl auf Schuldunfähigkeit wegen Kleptomanie berufen kann. Dann müsste man obige Kriterien nachweisen.

» anlupa » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »


Es gibt die Krankheit, ohne jeden Zweifel. Aber wieso würde die Diagnose Diebstahl legalisieren? Ein Kleptomane, der beim Stehlen erwischt wird, bekäme vermutlich keine Gefängnisstrafe, aber dafür entsprechende Therapieauflagen. Das Diebesgut dürfte er natürlich auch nicht behalten.

Der Unterschied zwischen Kleptomanen und "normalen" Dieben ist, dass ein Kleptomane nicht gegen den Drang ankommt, etwas zu stehlen, aber dafür auch keinerlei Interesse daran hat, sein Diebesgut zu behalten - typischerweise werden einfach kleine, billige Gegenstände eingesteckt und teilweise direkt vorm Laden im nächstbesten Mülleimer entsorgt. Jemand, der gerade unter größten Anstrengungen die teure Elektronik aus dem Laden geschmuggelt hat und bereits einen Käufer dafür parat hat, könnte sich also nicht einfach mit Kleptomanie herausreden - das Verhalten würde nicht zum Krankheitsbild passen.

» arril » Beiträge: 739 » Talkpoints: 10,78 » Auszeichnung für 500 Beiträge



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