Muss man sterbende Angehörige mit nach Hause nehmen?
Der Mann von Frau A. hat Krebs. Er war nun mehrfach zur Chemotherapie in einem Krankenhaus und hat auch eine Reha besucht. Nun gilt er als austherapiert und die Ärzte sagen, man kann nichts mehr machen und der Mann von Frau A. wird in absehbarer Zeit versterben.
Frau A. hat zwar Kinder, die leben aber alle nicht mehr zu Hause und haben ihr eigenes Leben. Nun sagt das Krankenhaus, Frau A. muss ihren Mann mit nach Hause nehmen, da man nichts mehr machen könnte. Frau A. fühlt sich aber dabei überfordert, ihrem geliebten Ehemann beim Sterben zu zusehen. Auch ist sie körperlich nicht wirklich dazu in der Lage, ihren Mann zu pflegen. Deshalb bat sie darum, dass man ihren Mann bitte in einem Hospiz sterben lässt. Der behandelnde Arzt verweigert aber Frau A. die dazu benötigten Papiere.
Was kann Frau A. nun noch unternehmen? Ihr Mann wird schon die nächsten Tage entlassen werden und Frau A. hat große Probleme mit der Situation umzugehen.
Nach dem GKV-WSG vom 1. April 2007 haben Patienten, die keine Chance auf eine Heilung mehr haben, ein Recht, dass die Krankenkassen ihnen eine 24 Stunden Pflege in der eigenen Wohnung bezahlen. Der Arzt muss dies verordnen, wenn keine Heilungschance mehr besteht. Wenn das wirklich so ist, würde ich einen Rechtsanwalt einschalten und die Verordnung einklagen.
Frau A. muss aber ihren Mann mit nach Hause nehmen, ob sie will oder nicht. Es wäre auch unmenschlich, das nicht zu tun, wenn ihr Mann zu Hause sterben möchte und nicht in einem Hospiz. Sie muss ja nicht dabei sein, die Sterbebegleitung ist ja auch da. Zum Leben gehört der Tod, ob es Frau A. passt oder nicht, da muss sie durch. Ich finde Frau A.s Verhalten extrem unmenschlich, falls sie ihren Ehemann wirklich liebt.
Warum genau verweigert der euch betreuende Arzt denn eine Aufnahme in ein Hospiz? Ohne die ärztliche Verordnung ist es tatsächlich schwer bis unmöglich, die Patientin in einem Hospiz unterbringen zu lassen. Denn nur aufgrund der Diagnosestellung des Arztes und dessen Aussage zur Notwendigkeit einer Pflege in einem Hospiz, kann man den Antrag bei der Pflegekasse stellen. Generell ist es ja so, dass vorallem Menschen stationär in Hospizen betreut und begleitet werden, bei denen aktuell kein Bedarf an kurativer Krankenhausbehandlung vorliegt.
Dies scheint bei euch ja durchaus der Fall zu sein, gilt die Patientin ja als austherapiert. Allerdings ist es eben auch maßgeblich, dass eben keinerlei Möglichkeit zur ambulanten Versorgung im eigenen Haushalt oder dem der Familie gibt. Sieht der Arzt dies eventuell als gegeben? Es ist ja nun auch nicht so, dass Frau A. sich gänzlich alleine um ihren Mann kümmern müsste, vielmehr kann ja auch ein ambulanter Hospizdienst in Anspruch genommen werden, der sowohl den erkrankten und sterbenden Patienten als auch Frau A. maßgeblich begleiten kann.
Wie steht denn eigentlich der Mann von Frau A. zu diesem Hospizaufenthalt? Entschuldigung wenn ich das so frage, aber dazu kann man eben nichts genaueres herauslesen. Möchte er in einem Hospiz betreut werden und dort sterben? "Darf" er rein rechtlich noch selbst entscheiden, oder gibt es jemanden, der eine Betreuungsvollmacht besitzt? Wenn nicht und der Mann selbst eine pallitative Betreuung in einem Hospiz ablehnt, wundert es mich so garnicht, dass der Arzt Frau A. die Aufnahme in ein Hospiz verweigert.
Letzten Endes entscheidend ist immer (!) die Kostenübernahme. Sprich würde Frau A. einfach persönlich eine Kostenübernahmeverpflichtung abgeben wäre ihr Mann wohl sofort mit einem Hospizplatz versorgt. Die Frage ist natürlich, ob das finanziell erstmal möglich wäre und man sich gegebenfalls danach noch darum kümmern könnte eine Kostenübernahme seitens Dritter zu erzielen bzw sich im schlimmsten Fall die Kosten für die stationäre Hospizpflege leisten könne.
Das Verhalten von Frau A. als unmenschlich zu betiteln finde ich, ehrlich gesagt. ziemlich anmaßend und gemein. Sterbebegleitung ist nichts, was jeder Mensch einfach mal so auf bürden kann. Hast du schon mal einen sterbenden Menschen begleitet? Wochen- und monatelang? Vor allem in den letzten Stunden und Minuten an dessen Bett gesessen? Wenn nicht, finde ich es umso schrecklicher, hier solche Behauptungen aufzustellen.
Es ist unendlich schwierig einen geliebten Menschen zu verlieren, und zu sagen, man kann diese Pflege und diese Sterbebegleitung nicht leisten ist doch vollkommen ok und sollte toleriert werden? So jemandem, der sich diese Entscheidung vermutlich sicherlich nicht leicht gemacht haben wird, mangelnde Liebe zum Ehepartner zu unterstellen finde ich mehr als daneben. Gerade jetzt in der Situation.
Und der Möglichkeit, dass Hospizdienste auch ambulant eingreifen können, sind sich leider einfach noch viel zu viele Menschen schlichtweg nicht bewusst. Woher auch? Und selbst dann kann ich vollkommen verstehen, dass man zur Not eben doch Angst hat, dass eben nicht alleine bewältigen zu können, denn auch die halten dir eben nicht 24 Stunden am Tag hilfreich die Hand.
Ich finde auch, dass man in dem Fall nicht nur die Befindlichkeiten von Frau A. wahrnehmen sollte, so sehr ich verstehen kann, dass sie sich außer Stande sieht, das Sterben ihres Mann zu Hause zu begleiten. Ich weiß nicht, wie ich in dem Fall reagieren würde. Mangelnde Zuneigung würde ich ihr in dem Fall wirklich nicht unterstellen wollen. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie sich eventuell als psychisch nicht stark genug empfindet und den eigenen Zusammenbruch fürchtet.
Vielmehr sollte der sterbende Ehemann gefragt werden, wie es ihm am liebsten wäre. Vielleicht möchte er ja auch gar nicht zu Hause sterben. Nicht jeder möchte im eigenen Bett sterben. Manche Leute fühlen sich in einem Krankenhaus oder Hospiz unter ärztlicher Betreuung sicherer, allein schon in puncto Schmerzbekämpfung. In erster Linie sollte man es dem Mann so "angenehm" wie möglich machen, die Psyche der Frau aber nicht außer acht lassen, schließlich wird ihr Leben danach weitergehen, sie muss mit drastisch veränderten Lebensumständen klar kommen.
Ich kann es nicht verstehen, dass der Arzt die benötigten Papiere für das Hospiz nicht ausgestellt hat. Gerade wenn der Partner den anderen nicht mehr pflegen kann und gänzlich überfordert ist, finde ich es einfach unverantwortlich von dem Arzt. Mir ist nicht zu Ohren gekommen, dass man sterbende Verwandte mit nach Hause nehmen muss. Meine Oma war vor zirka zwei Jahren gestorben, jedoch hatte sie davor auch Krebs und die Ärzte konnten dann nichts mehr machen. Daraufhin wurde sie in ein Hospiz eingewiesen, wo sie ihr Leben friedlich beenden konnte und in Ruhe sterben konnte. So hatten die Angehörigen ein gutes Gewissen, denn sie war in guten Händen aufgehoben.
Am besten der Ehemann äußert den Wunsch, dass er nicht zu Hause sterben möchte sondern im Krankenhaus oder im Hospiz. So ist es einfacher, dass der Arzt ihn auch dahin überweist.
Vielleicht hat der Arzt die nötige Unterschrift für ein Hospiz verweigert, weil der Kranke zwar nicht mehr gesund wird, aber er auch noch nicht innerhalb kurzer Zeit verstirbt. Er würde so einigen viel kränkeren Personen, die keinen Angehörigen mehr zu Hause haben, den Platz wegnehmen.
Frau A sollte sich mal überlegen, wenn ihr Mann das so mit ihr machen würde. Für die Pflege des Mannes bekommt sie ja Hilfe. Aber sie kann doch so für ihn da sein, wie er das sicherlich auch für sie tun würde. Es geht ja nicht nur um ihren Wunsch, sondern darum, ihrem Ehemann seinen letzten Wunsch zu erfüllen. Denn sicherlich möchte er lieber zu Hause sterben.
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