Den Arzt als ganz normalen Dienstleister sehen?

vom 26.04.2012, 10:24 Uhr

Viele sehen einen Arzt als eine Art "Gott in Weiß". Wenn ich einige Leute von einem Arzt reden höre, dann denke ich, dass dieser mehr Respekt bekommt als jeder andere Mensch. Ein Arzt ist etwas, wo die Menschen sich oft klein vorkommen und auf ihn hochschauen. Im Laufe der Jahre habe ich aber doch gemerkt, dass ein Arzt ein Mensch wie "du und ich" ist und dass er einen Dienstleistungsberuf hat wie viele andere Menschen auch und einen Friseur sieht man ja auch nicht als einen höher gestellten Menschen an.

Sehr ihr den Arzt als einen ganz normalen Dienstleister an oder zollt ihr ihm mehr Respekt als einer anderen Berufsgruppe? Warum seht ihr einen Arzt als eine höher gestellte Persönlichkeit oder warum sehr ihr ihn als einen Menschen wie "du und ich" an?

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Ich stelle eine ganz andere Entwicklung fest, da ich diese bereits im Rahmen meines Studiums untersucht habe. Der einzige Faktor, der eine solche Sicht begünstigt, ist die des Wissensgefälles zwischen Arzt und Patient. Es geht schließlich um die eigene Gesundheit und wenn jemand in dieser Hinsicht mehr Beschied weiß, als man selbst, zollt man ihm Respekt zu. Allerdings hat sich dies durch die transparentere Kommunikation mithilfe des Internets geändert.

Die erste Anlaufstelle in Sachen Gesundheitsfragen ist das Internet. Bevor man zum Arzt geht, informiert man sich hier. Man holt sich Erfahrungen anderer Menschen ein, vor allem in Bezug auf bestimmte Therapien, die von den Ärzten zwar genannt werden, die sich jedoch von Seiten der Patienten im Nachhinein als möglicherweise falsch oder unnötig herausgestellt haben. Aber auch Sachen, wie bestimmte Medikamente. In diesem Bereich steht nämlich das Interesse der Ärzte & Pharmaindustrien in Form von Geld meist im Vordergrund und dies kann mithilfe von Erfahrung aufgedeckt werden.

Zum anderen kann man sich mithilfe der Infos im Internet selbst zum "Arzt" machen. Viele Ärzte berichten, dass die Patienten mit einem großen Wissen in die Sprechstunde kommen und das Verhältnis ein eher partnerschaftlich / kooperatives ist. Es kommen sogar Patienten zum Arzt, die diesen mit Therapien oder Medikamenten konfrontieren, von denen er noch nicht einmal gehört hat. Wissen ist Macht und zollt Respekt. Diese Asymmetrieverhältnisse verschieben sich und somit auch die gegenseitige Wahrnehmung und das Miteinander.

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» esprit*87 » Beiträge: 456 » Talkpoints: 1,38 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Ich denke Ärzte sind heute zum Dienstleister geworden, was einfach ein Zeichen der Zeit ist und durch die ganze Sparerei im Gesundheitssektor hervorgerufen wird. In wie weit der Arzt sich dann zum Dienstleister machen lässt, hängt wohl von seiner Berufsvorstellung und seinen kaufmännischen Ambitionen ab. Ich habe schon Ärzte erlebt, da ist der Verkauf von IGel-Leistungen ein größeres Thema als die eigentliche Untersuchung. Des Weiteren sind die Menschen heute allgemein selbstbewusster geworden und teilen sich ihre Zeit anders ein. Persönlich habe ich schon mehrmals eine Arztpraxis verlassen, wenn ich ewig warten soll. Allerdings fällt es mir auch schwer, meinem Chef zu erklären, warum ich für eine simple Blutabnahme zwei Stunden weg bin, während meine Kollegen allenfalls 10 Minuten zu spät kommen.

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» Bellikowski » Beiträge: 7700 » Talkpoints: 16,89 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Ich sehe Ärzte sicherlich nicht als Götter in Weiß an, das hat man früher aber sehr häufig getan und ältere Menschen tun das auch heute noch. Für mich ist ein Arzt zwar schon eine Respektsperson, denn wie hier auch schon erwähnt wurde, weiß er einfach mehr zu den Themen die mich gesundheitlich betreffen als ich, aber er ist dennoch ein normaler Mensch für mich. Ich schaue nicht zu ihm auf, sondern empfinde uns auf einer Stufe, allerdings habe ich Respekt vor ihm, weil er viel weiß, weil er diesen Beruf gewählt hat und weil meistens der Arzt auch deutlich älter ist als ich. Dennoch schaue ich nicht zu einem Arzt auf, egal wie alt oder weise er zu sein scheint, sondern sehe ihn als normalen Menschen, nur eben ist er ein Arzt.

Möglicherweise kann man Ärzte auch als Dienstleister bezeichnen, denn im Grunde genommen ist es nichts anderes. Ich jedoch kann mich mit dem Begriff in Bezug auf einen Arzt nicht wirklich anfreunden, denn für mich ist ein Arzt etwas anderes als ein Friseur. Immerhin hat er studiert und trägt eine wirklich große Verantwortung für die Dinge die er tut. Wenn ein Friseur mal die Frisur des Kunden versaut, kann dieser daran nicht sterben oder sich irgendwie körperlich schlecht fühlen, macht ein Arzt einen schlimmen Fehler sieht das anders aus.

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» Vampirin » Beiträge: 5979 » Talkpoints: 30,32 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Ein Arzt musste lange studieren, um seinen Beruf ausüben zu können. Er hat einen sehr verantwortungsvollen Beruf. Natürlich respektiere ich ihn. Aber der Vergleich mit einem Friseur als Dienstleister hinkt doch gewaltig. Ich sehe das wie Vampirin und kann keinen Dienstleister in dem Sinne in ihm sehen. Ein Arzt sollte jemand sein, mit dem man reden kann, aber als Person wie du und ich? Das heißt für mich, jetzt vergleichst du nicht nur den Friseur mit ihm, sondern auch noch den Hausmann? Sehe ich das richtig?

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge


Meiner Meinung nach sollte man einer Putzfrau genauso viel Respekt entgegenbringen, wie einem Arzt, denn auch wenn viele einen Arzt als Gott in Weiß ansehen ist dies natürlich nicht der Fall. Jeder Mensch hat Talente und so kann beispielsweise ein Arzt zwar gut operieren oder diagnostizieren, in anderen Tätigkeitsgebieten, wie in der Produktion oder beispielsweise als Polizeibeamter würde dieser hingegen gnadenlos scheitern.

Ich sehe daher einen Arzt ebenfalls wie einen Menschen an, wie ich es als Sicherheitsfachkraft auch bin, denn nach seinem Beruf hin kann keiner beurteilt werden und genau deshalb darf man keinerlei Unterschiede machen. Allerdings lebe ich nach dem Motto „Behandle jeden Menschen so, wie Du ebenfalls behandelt werden möchtest“ und das läuft bisher ganz gut.

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» Ringwraith » Beiträge: 544 » Talkpoints: 1,13 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Früher habe ich auch so gedacht und habe einen Arzt als deutlich überlegen angesehen. In meiner Ausbildung habe ich dann aber begonnen mein Verhalten zu überdenken. Der Arzt bei welchem ich gelernt habe, hat ständig falsche Diagnosen gestellt und jeder Patient hatte Rheuma, ganz egal ob er es hatte oder nicht. Im Laufe der Jahre sind mir dann weitere Fehler zu Ohren gekommen, bzw. habe ich diese auch miterlebt. So ist es jetzt schon so, dass ich den Arzt als normalen Dienstleister ansehe. Ich muss auch sagen, dass ich mir sehr schwer tue, den Ärzten noch richtig zu vertrauen und gerade bei meiner Tochter fällt mir das immer sehr schwer.

Ich sehe es nun so, dass ich zwar zum Arzt gehe, da er einfach ein ganz anderes Wissen hat, aber meine Entscheidung dennoch selbst treffe und die Behandlungsansätze zuhause noch mal überprüfe oder gegebenenfalls einen zweiten Arzt aufsuche.

» Lara2011 » Beiträge: 1466 » Talkpoints: 0,19 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



@Lara2011, was du da schreibst über den Arzt, wo du gearbeitet hast, ist ziemlich hart. Ein Arzt, der dauernd falsche Diagnosen stellt, sollte seinen Beruf aufgeben. Rheumatische Krankheiten sind sicherlich nicht einfach zu diagnostizieren, aber so oft und bei jedem, kann ein Arzt das doch nicht einfach sagen. Dass dein Vertrauen in einen Arzt geschwunden ist, kann ich mir vorstellen und auch, dass du gegebenenfalls einen zweiten Arzt hinzu ziehst ist auch klar. Das würde ich auch machen. Ein Arzt, auf den man sich nicht verlassen kann, taugt auch nicht als Dienstleister, denn davon erwarte ich auch vernünftige Arbeit für mein Geld.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge


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