tiergestützte Therapien = gleichzeitig Tierquälerei?

vom 30.10.2011, 23:17 Uhr

Ich habe nun schon oft gehört, dass es mittlerweile neben Lamatherapien, Pferdetherapien, Delfintherapien, Hundetherapien auch Therapien mit Reptilien gibt. Auch Kleintiere, wie Mäuse und andere Nager werden schon zu Therapiezwecke "missbraucht". Ich schreibe missbraucht extra in Anführungsstriche, weil ich mir nicht sicher bin, ob diese Therapien nicht auf Kosten der Tiere gehen.

Sollte man wirklich die Tiere ausnutzen, damit es nicht mal nachweislich einem Menschen besser geht? Sind diese tiergestützten Therapien nicht eher Geldmacherei und Tierquälerei als wirklich von Nutzen? Was sagt ihr zur tiergestützten Therapie und wobei helfen solche Therapien wirklich nachweislich?

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Ich weiß nicht genau, wie das funktioniert, was also die Wirkprinzipien sind. Aber vielen Menschen fällt es vielleicht leichter, gegenüber einem Tier Emotion zuzulassen, gerade dann, wenn sich jemand nicht (mehr) richtig artikulieren kann. Ich denke da etwa an ältere Menschen (Warum haben denn so viele ältere, allein lebende Damen eine Katze oder einen kleinen Hund?) oder Menschen mit geistigen Einschränkungen.

Ein Tier ist bei den meisten Menschen mit positiven Emotionen assoziiert (außer vielleicht große Hunde oder Reptilien), aber so eine kleine Katze oder ein kleiner süßer Hund wecken bei vielen gute Erinnerungen oder positive Gefühle und machen sie (zumindest eine Zeit lang) glücklich.

Es kann das angenehme Gefühl sein, das Tier zu streicheln oder der Eindruck, gebraucht zu werden, weil man sich um das Tier kümmert; vieles kann da eine Rolle spielen. Ich denke da etwa an Altenheime, in denen auch eine Katze wohnt etc.

Natürlich sollte man dabei auch die Bedürfnisse der Tiere beachten. Ich denke, dass Hunde und Katzen es schon deutlich mitteilen, wenn sie auf etwas keine Lust mehr haben. Mäuse und Reptilien finde ich ungeeinget, zum einen kann man als Mensch zu denen keine richtige Beziehung aufbauen, weil man nicht so genau merkt, ob sie in einem Moment die Gesellschaft des Menschen möchten oder nicht und zum anderen wecken diese Arten bei manchen vielleicht eher ungute Gefühle.

Dann gibt es ja noch die Delfintherapie, bei der etwa Kinder mit geistigen Einschränkungen lernen, zu erkennen, was ein anderes Lebewesen möchte. Das wendet man z.B. bei Autismus an, also bei Kindern, die schnell überfordert sind und Absichten und Emotionen anderer nicht einschätzen können. Das Tier gibt ja meistens eine relativ direkte Rückmeldung, ob man sich aus dessen Sicht gerade "gut" oder "schlecht" verhalten hat und daraus lernt das Kind, auch eigene Handlungen besser zu steuern. So richtig belegt ist das aber glaube ich nicht, es beliebt eine exotische Therapieform, die meines Wissens nach auch Krankenkassen nicht bezahlen.

Ich würde das nicht als Missbrauch der Tiere bezeichnen; eben weil die Tiere, wenn die keine Lust dazu hätten, sich sicherlich entziehen würden (weglaufen, kratzen, beißen) und dann der therapeutische Effekt ja nicht gegeben wäre.

» Zitronengras » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »

Zuletzt geändert von Gio am 31.10.2011, 07:17, insgesamt 1-mal geändert. Zeige Beitragsversionen

Also ich denke nicht, dass tiergestützte Therapien gleichzeitig auch immer Tierquälerei bedeuten. Das muss man immer individuell unter den jeweiligen Umständen betrachten. Eine Reittherapie hat in meinen Augen ganz sicher nichts mit Tierquälerei zu tun, dasselbe gilt wohl auch für den Einsatz von Hunden, Katzen und anderen Kleintieren in Therapien. Wenn man aber auf die Delfintherapie guckt, dann tue ich mir immer sehr schwer damit. Die Haltung der Delfine ist einfach nicht sehr Artgerecht. Das Problem hat man ja bei vielen Tierarten und Haltungsformen. Wenn man davon aber absieht, dann kann man meiner Meinung nach nicht von Tierquälerei sprechen.

Delfine sind ja sehr intelligente Tiere, die auch gerne Kommunizieren, in diesem Falle mit dem Menschen. Außerdem sollen sie ja angeblich sehr gerne Lernen und vor allem auch sehr schnell. Sie müssen also wohl gefordert werden, wenn sie in Gefangenschaft gehalten werden. Und dann finde ich es auch nicht schlimm, wenn sie unter guten Umständen ausgebildet und zur Therapie eingesetzt werden. Die Bilder, die man so sieht, zeigen ja auch Tiere, die recht glücklich aussehen. Ein Tier zeigt ja auch deutlich, wenn es keine Lust hat, mit zu arbeiten. Und wenn man an dieser Stelle wie auch im Allgemeinen auf das Tier achtet und entsprechend darauf eingeht, dann ist es auch keine richtige Tierquälerei, wenn man das Tier zur Therapie von Menschen einsetzt.

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» olisykes91 » Beiträge: 5370 » Talkpoints: 24,75 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Also worüber ich persönlich ein wenig weiss, weil ich mich bereits damit beschäftigt habe, sind Reittherapie und Hunde als Therapiehunde. Dort geht es zuallererst darum, Tiere auszuwählen die hierfür auch geeignet sind. Wobei man auch nicht vergessen sollte, dass Tiere meist - in angemessenem Rahmen - gerne arbeiten, da auch ihnen langweilig ist. Und bevor ich mit meinem Hund nur Fährten gehe (sicher auch sinnvoll), kann ich die Zeit bei beiderseitigem (gemeint ist hier Hundebesitzer und Hund) Gefallen und Interesse doch auch dazu verwenden jemandm zu helfen, oder?

Mit dem "angemessenen Rahmen" meine ich übrigens, dass das Tier im Rahmen einer verantwortungsvollen Haltung weder während der Ausbildung, noch in seinem Arbeitsleben physisch oder psychisch überfordert werden darf. Das git es natürlich sicherzustellen, ansonsten sehe ich keine Probleme.

» leasmom » Beiträge: 290 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Bei Delfinen zum Beispiel sehe ich Tierquälerei. Denn selten bis gar nicht sind diese Tiere Nachzuchten und werden wild gefangen und eingesperrt. Die Tiere sind gutmütige Tiere, die nicht wild werden, wenn man sie einsperrt. Aber wo bleibt das Glück der Tiere? Die Tiere werden eingesperrt und auf ein paar Quadratmetern gehalten, wo sie aber das unendliche Meer kennen. Den Tieren bleibt nichts anderes übrig als sich zu fügen, damit sie Futter bekommen. Wohin sollen sie ausweichen und sich entziehen. Wenn sie nicht mitarbeiten bekommen sie keinen Fisch.

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge


Ich sehe es so, dass man zwischen domestizierten und eigentlich wilden Tieren, die aber für die Therapie in Gefangenschaft gehalten werden, streng unterscheiden muss. So ist es bei Pferden, Katzen oder Hunden ja so, dass sie den Umgang mit Menschen gewohnt sind und es keine Quälerei für sie darstellt, mit Menschen umzugehen. Ich denke, abgesehen von einigen sehr strengen Personen würde keiner meinen, ein gut von Menschen gehaltener Hund würde gequält, weil er nicht wie ein Wolf frei durch die Gegend ziehen kann. Viele Haushunde heute würden alleine draußen ja auch kaum mehr überleben können. Bei solchen domestizierten Tieren finde ich es in Ordnung, wenn sie für Therapien eingesetzt werden, so lange die Haltung an sich gut ist und die Tiere durch den Umgang während der Therapie nicht leiden. Also, wenn man beispielsweise darauf achtet, dass sie von den zu therapierenden Menschen, zu denen übrigens nicht nur Alte und Behinderte zählen, sondern beispielsweise in einigen Gegenden auch psychisch gestörte Straftäter, nicht gequält werden.

Bei Wildtieren hingegen kann ich die Therapie absolut nicht befürworten. Ich denke, gerade die Delfintherapie ist extrem zur Mode geworden. Die Wirksamkeit wurde jedenfalls noch nicht medizinisch bestätigt. Aber es ist ja auch so schön finanziell einträglich, Therapien mit einem exotischen Tier, das einen guten Ruf hat, zu vermarkten, ob es nun hilft, oder nicht. Die Kasse klingelt. Dabei können Delfine übrigens auch sehr aggressiv werden. Es gab schon Delfine, die Menschen angegriffen haben, auch "Therapie-Delfine". Das verschweigt man gerne. Von daher ist es meiner Meinung nach nicht sinnvoll, Therapien mit Wildtieren durchzuführen. Das Tier wird nicht artgerecht gehalten, wie Diamante schon schrieb, zudem besteht ein Verletzungsrisiko für den zu therapierenden Menschen, und die Wirksamkeit ist auch nicht medizinisch einwandfrei erwiesen. Vor allen Dingen frage ich mich, wieso man denn nicht einen Hund als Therapietier nehmen kann, sondern es stattdessen unbedingt ein Delfin, also ein Wildtier, sein muss.

Ich finde es ja schön und gut, dass man kranken Menschen mit allen Mitteln versucht, zu helfen, aber es muss wirklich nicht sein, Therapien mit Wildtieren zu machen, wenn es auch andere, tierfreundlichere, Alternativen gäbe. Da sollte der Spaß oder der Wille des Menschen nicht über dem Wohl des Tieres stehen.

Was die Wirksamkeit betrifft, so ist es ja schon so, dass Tiere und Menschen natürlich eine Bindung zu einander aufbauen. Alte Leute mit Hunden oder Katzen fühlen sich weniger einsam. Aber ob ein Kind wirklich eine heilsame Wirkung erlebt, wenn es mit einem Delfin in irgendeinem Becken schwimmt? Ich denke übrigens, dass es durchaus auch Kinder geben wird, denen Delfine nicht geheuer sind und die Angst vor ihnen haben.

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» Wawa666 » Beiträge: 7277 » Talkpoints: 23,61 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


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