Erst Lehre, dann Studium?

vom 15.10.2008, 03:19 Uhr

Ich würde sogar behaupten, dass es deine Einstellungschancen erhöht, wenn du vor dem Studium eine Berufsausbildung absolviert hast. Denn die Ausbildung an der Uni ist leider meistens sehr theoeretisch orientiert, viele Arbeitgeber wünschen sich aber Absolventen, die bereits ein wenig Berufserfahrung und Know-How mitbringen, zusätzlich zu ihrem akademischen Wissen. Wie es in Pädagogik aussieht kann ich nicht sagen, aber BWLer oder Ingenieure, die vor ihrem Studium eine Ausbildung in einem ähnlichen Bereich gemacht haben, bekommen sogar ein etwas höheres Einstiegsgehalt, weil die Chefs ihnen eben mehr zutrauen und ihnen deswegen ein weiteres Kompetenzfeld zuteilen. Und sollte wider Erwarten irgendetwas schief gehen und du schaffst aus irgendwelchen Gründen deinen Abschluss nicht, stehst du dann mit Mitte 20 wenigstens mit einem Berufsabschluss da und nicht nur mit einem Abitur. Und damit stellt dich nämlich ganz sicher niemand ein.

Natürlich ist es möglich, dass du nach der Berufsausbildung den Wunsch zu studieren aufgibst. Aber was wäre denn so furchtbar daran? Geht es hier wirklich nur um die drei Jahre, die du dann "unnötig" länger zur Schule gegangen bist? Da hast du doch sicherlich auch allerhand wichtiges fürs Leben gelernt und nicht nur Wissen angehäuft und die Hochschulzugangsberechtigung erworben.

Oder geht es deinen Eltern etwa womöglich darum, dass sie unbedingt wollen, dass du einen akademischen Abschluss erwirbst, egal in welchem Fach, Hauptsache studiert? So eine ist meine eine Großmutter leider. Ich wollte ohnehin studieren, aber wenn ich damals gesagt hätte, ich will lieber einen Ausbildungsberuf machen, wäre sie bitter enttäuscht und sehr wütend gewesen, einfach aus Prinzip. Denn "was anständiges" ist für sie ein Studium, keine Ausbildung. Diese Einstellung ist natürlich albern und rückständig, aber leider trifft man immer noch oft genug darauf. Wenn das der Grund für den Ärger deiner Eltern ist, solltest du ihnen klar machen, dass es hier um dein ganzes weiteres Leben geht und du die Entscheidung treffen musst, was du damit anfangen willst, nicht sie. Wenn du mit einer Ausbildung glücklich wirst, okay, wenn du lieber ein Studium möchtest, auch gut.

» Sorcya » Beiträge: 2904 » Talkpoints: 0,01 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Ich finde es gar nicht so verkehrt vor dem Studium eine Ausbildung zu absolvieren. Ich selbst habe es nach meinem Abitur nicht anders gemacht. Ich wollte Ursprünglich mal Sozialpädagogik studieren und habe mich entschieden, vorher eine Erzieher-Ausbildung zu absolvieren. Meine Eltern fanden das damals aber glücklicherweise völlig ok.

Durch diese Ausbildung habe ich gemerkt, dass der ganze soziale Bereich nicht so mein Ding ist. Ich mochte Kinder und die Arbeit war soweit ok, ich konnte mir aber plötzlich nicht mehr vorstellen, das mein Leben lang zu machen aus verschiedenen Gründen. Ich habe daher nach meiner Ausbildung wie geplant ein Studium dran gehangen aber eben nicht in diesem Bereich und bin sehr froh, dass ich mich so entschieden habe.

Somit kann eine Ausbildung einfach auch dazu dienen, dass man merkt, ob man in einem gewissen Bereich wirklich arbeiten möchte, da man nur in der Ausbildung wirklich längere Praxiserfahrung sammeln kann, die einem ein Praktikum aufgrund der kürzeren Dauer, während des Studiums nicht bieten kann. Während eines Studiums merkt man vielleicht nicht so richtig, dass einem der Bereich nicht so liegt oder man merkt es zu spät. Ich sehe darin jedenfalls viele Vorteile, wenn man sich entscheidet vor dem Studium eine Ausbildung zu machen.

Benutzeravatar

» Yazz » Beiträge: 1325 » Talkpoints: 10,38 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^