Lohnt sich persönliches Coaching im Job - Erfahrungen
Nun ja, nach etwa 15-jähriger Firmenzugehörigkeit kam dann der Tag des Outsourcings. Das bedeutete für mich das Aus bei selbiger Firma, genauso wie es alle "Tiers", quer durch alle Personallevel hindurch im RIF (Reduction in Force), beziehungsweise getreu dem Leistungsziel des CEO "Squarefoot reduction" (Reduzierung der Anzahl der Filialen) getroffen hatte.
Es fiel mir aber nicht schwer, in den Niederlanden als Contractor, "Uitsendkracht", weiterzumachen, allerdings mit gewissen Lohneinbußen. Das bedeutete, dass ich auch noch anteilig Anspruch auf niederländische Grundrente habe (AOW). Das nur nebenbei. Und die Personalführung der niederländischen Firma war auch "knallhart".
Aber ich erinnere mich gerne an diese Zeit und berichte auch freimütig über meine Erfahrungen dort. Was mir bei den "Amis" ganz besonders auffiel, war der Mut zum Risiko.
Ich kann mir zum Beispiel kaum vorstellen, dass ein deutscher Unternehmer einfach, nur um die Miete bzw. Pacht für ein Industriegebäude zu drücken, einfach nicht zahlt. Und das unter Prozessandrohung. Tatsächlich knickte der "Vermieter" dann ein, und es wurde eine passable neue Miethöhe vereinbart.
In Deutschland rennt in so einem Falle jeder gleich zum Kadi. In Amerika wird erst gepokert, um zu schauen, bis zu welchem Risiko die Kontrahenten tatsächlich einzugehen bereit sind. Und dann erst folgt die volle Schärfe des Gesetzes allerdings mit zum Teil horrenden Schadenersatzforderungen.
Das nur als kleiner Exkurs.
Krass, das hört sich schon echt heftig an mit dem Outsourcing und allem Drum und Dran, überhaupt nach 15 Jahren. Gut, dass du danach noch in den Niederlanden weiterarbeiten konntest, auch wenn es mit weniger Geld war. Finde auch spannend, wie anders die Amis so mit Risiken umgehen, erst pokern und dann rechtlich durchziehen, das ist hier echt selten so. Klingt, als hättest du trotzdem einiges aus der Zeit mitgenommen.
Die Firma in den Niederlanden hatte ein noch rigoroseres Personalmanagement. Wenn der Betriebsleiter die Runde machte und jemanden ansprach, er solle dies oder jenes machen, sollte er tunlichst alles liegen und stehen lassen. Denn wird nicht sofort auf die Anweisung des Chefs gehört, dann wiederholt er diese Anweisung letztmalig.
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Wird dann vom Mitarbeiter nicht adäquat reagiert, kommt die Formulierung, so habe ich es als Zeuge bei einem Mitarbeiter selber erlebt, "kommen Sie mit ins Büro". Seitdem "sah" man den Mitarbeiter "so selten".
Ich hatte manchmal den Eindruck, dass die Beschäftigten dort genau wussten, wie der Chef reagiert. Denn es waren meistens Leute vom Arbeitsamt, die nur um ihre "Ondersteuning" oder gar "Bijstand" noch weiter bewilligt zu bekommen, die "Kündigung" bewusst in Kauf nahmen. Und das wurde dann so gedeichselt, dass der Arbeitnehmer wieder Stütze bekam.
Für mich war das insofern ärgerlich, weil ich alle paar Monate neue Leute anlernen musste, die dann meistens doch wieder irgendwann das Handtuch warfen. In Gerätetechnik, Logistik und Dokumentation jemanden einzuarbeiten ist eben nicht so einfach, weil eben die ausgetüftelten Prozeduren peinlichst genau eingehalten werden mussten. Und ich hatte ja auch noch selber mein Pensum einzuhalten, konnte nicht ständig den "Neuen" über die Schulter schauen. Aber der Supervisor kannte die Problematik und war mir gegenüber sehr loyal.
Auch diese Dinge wurden in Personalführungskursen thematisiert und auf die jeweilige landesspezifische Situation zugeschnitten. Die Lehrgänge fanden auch nicht nur in den Räumlichkeiten der Firma statt, sondern wurden "zentral" andernorts durchgeführt. So fehlte der Supervisor schon einmal für ein paar Tage, wenn er auf "Lehrgang" war.
Ja, wenn man mal beginnt sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, ist es gar nicht so leicht wieder aufzuhören. Man findet immer weitere Baustellen! Hat sich dein Freund schon entschieden, ob er coachen lassen will bzw. weißt du, ob er schon mal ein Coaching hatte? Das verändert ja auch die Sicht ein wenig..
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