Immer beschäftigt sein, um nicht zu grübeln?
Langeweile war ja noch nie mein Ding, weil ich grundsätzlich schlechte Laune bekomme, wenn mir langweilig ist und ich nichts zu tun habe. Aktuell ist meine Situation die, dass ich schon seit über elf Jahren Single bin und daher auch nur wenig bis gar keine Ablenkung durch andere Menschen habe. Dadurch habe ich auch wenig schöne Erlebnisse, an denen ich mich sozusagen, festhalten kann, um mich daran zu erfreuen.
Mittlerweile ist es sogar so, dass die Gedanken ständig kreisen, wenn ich nicht mit irgend einer Tätigkeit abgelenkt bin. Oft kommen dann auch noch Herzrasen und nervöse Unruhe dazu. Anfangs habe ich das auf die Arbeit geschoben, weil ich nicht gerne zur Arbeit fahre, bedingt durch das schlechte Betriebsklima. Mittlerweile denke ich aber, dass es daran liegt, dass ich zu lange alleine bin.
Ich habe ja nur mich und meinen Job, feiern gehe ich nicht mehr, aus Kostengründen und weil die Partys auch zu weit weg sind. Und somit bin ich oft unruhig und grüble meistens über die Arbeit, beispielsweise, wenn jemand mal wieder gemeckert oder mir einen blöden Spruch reingedrückt hat. So etwas ärgert mich dann tagelang. Andere würden die ganze Sache schon wieder vergessen haben, wenn sie das Büro verlassen, aber ich nehme alles mit nach Hause und das Gedankenkarussell läuft.
Mir geht es nur gut, wenn ich in Bewegung bin und etwas zu tun habe. Beispielsweise im Haushalt oder noch besser, wenn ich draußen in der Natur bin. Da fühle ich mich frei und kann durchatmen und den Kopf frei kriegen. Vermutlich ist das auch der Grund für meine schlechte Laune, wenn ich eben nichts zu tun habe. Im Büro geht es mir auch so, ich muss immer was zu tun haben, damit die Zeit vergeht. Herumsitzen ist so gar nicht meins, weil ich mich dann obendrein noch nutzlos fühle und der Tag sich zieht, wie Kaugummi.
Kennt Ihr so etwas auch, dass Ihr oft am Grübeln seid, sobald Ihr zur Ruhe kommt? Und falls ja, was tut Ihr dagegen?
Was hat denn der Status als Single damit zu tun, ob man andere Menschen um sich hat? Ich bin zwar verpartnert, aber ich habe trotzdem Freunde und Bekannte, die absolut nichts mit meinem Mann zu tun haben. Sprich, auch als Single blieben der Freundeskreis aus der Jugend, die beste Freundin, ehemalige und aktuelle Arbeitskollegen und die Leute, die mich bei meinen Hobbys teilweise auch schon bis zu 40 Jahre begleiten.
Aber trotzdem kann ich Langeweile gut aushalten und grüble nicht. Warum sollte ich über blöde Kommentare von der Arbeit nachdenken? Wenn ich etwas nicht gut gemacht habe, mache ich es das nächste Mal besser. Ist der Spruch einfach nur blöd, ist es mir egal. Ich weiß doch, wer ich bin und was ich kann.
Das kenne ich gut, dieses ständige Grübeln, sobald man mal einen Moment Ruhe hat. Mir hilft es, bewusst kleine Pausen einzubauen, anstatt mich ständig zu beschäftigen. Ein Spaziergang oder einfach mal Musik hören wirkt oft Wunder. Ich habe auch angefangen, mir abends Gedanken kurz aufzuschreiben, dann kann ich besser abschalten. Manchmal ist es gar nicht das Tun, das hilft, sondern das bewusste Zulassen von Ruhe.
Ich glaube, der wichtigste Punkt ist, sich nicht komplett über eine Partnerschaft zu definieren. Eine Beziehung kann das Leben bereichern, keine Frage, aber sie ist nicht das einzige, was ein erfülltes Leben ausmacht. Für mich gehört dazu ganz klar, sich Hobbys und soziale Kontakte zu suchen, die unabhängig davon funktionieren. Menschen und Aktivitäten, auf die man sich freuen kann, ohne dass sie an einen Partner gekoppelt sind.
Genauso wichtig finde ich aber, zu lernen, mit sich selbst klarzukommen. Alleinsein heißt nicht automatisch Einsamkeit. Das ist etwas, das man tatsächlich üben kann. Nicht jeder Moment muss gefüllt oder produktiv sein. Aktiv nichts zu tun, zur Ruhe zu kommen und das auszuhalten, ist am Anfang schwer, gerade wenn man zum Grübeln neigt, aber langfristig unglaublich wertvoll. Das kann ein Spaziergang ohne Ziel sein, Musik hören, bewusstes Atmen oder einfach mal auf dem Sofa sitzen, ohne sich dafür schlecht zu fühlen.
Dass es Dir in Bewegung und in der Natur besser geht, ist ein starkes Zeichen. Das sind Ressourcen, die Du gezielt nutzen kannst. Gleichzeitig klingt der Leidensdruck bei Dir aber schon recht hoch, vor allem mit Herzrasen, innerer Unruhe und diesem ständigen Gedankenkarussell. Wenn das Gefühl so dominant ist, würde ich das Thema Therapie ernsthaft in Betracht ziehen. Nicht, weil etwas „falsch“ mit Dir ist, sondern um Strategien zu lernen, wie Du mit diesen Gedanken und der Unruhe umgehen kannst.
Für mich ist der Kern: Beschäftigung allein löst das Problem nicht dauerhaft, sie überdeckt es nur. Erfüllende Hobbys, echte soziale Kontakte und ein besserer Umgang mit dem Alleinsein können viel verändern. Und wenn das allein nicht reicht, ist es absolut okay, sich professionelle Unterstützung zu holen. Du musst da nicht alleine durch.
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