Wann fällt es euch schwer, die Kontrolle abzugeben?

vom 05.05.2016, 21:32 Uhr

Mein Vater hasst es, Beifahrer zu sein, während irgendjemand anders Auto fährt. Er ist dann die ganze Zeit eingespannt, sitzt verkrampft dar und fängt an zu schwitzen. Dabei hatte er noch nie irgendwelche negativen Erfahrungen als Beifahrer machen müssen, zumindest keine besonders schlimmen.

Er fährt aber wirklich sehr gut Auto und tatsächlich auch unfallfrei, seitdem er seinen Führerschein hat, so dass er da in erster Linie wohl nur auf seine eigenen Fähigkeiten vertaut und die Kontrolle da nicht abgeben möchte, beziehungsweise nur ungern.

Wann fällt es euch schwer, die Kontrolle abzugeben und in welchen Lebensbereichen macht ihr das nur ungern? Wann müsst ihr euch dazu überwinden, jemand anderem die Kontrolle über etwas zu geben? Oder findet ihr es eher entspannend, wenn ihr die Kontrolle abgeben könnt, da so weniger Druck auf euch lastet?

Benutzeravatar

» Prinzessin_90 » Beiträge: 34336 » Talkpoints: 0,15 » Auszeichnung für 34000 Beiträge



Ich denke, dass der Druck zu hoch ist, wenn man nie etwas Kontrolle abgeben kann. Natürlich fällt es einem manchmal nicht so extrem leicht, aber ich mache es dennoch, weil es manchmal einfach sein muss und ich vertraue den Menschen um mich herum auch so sehr, dass ich mir da keine Sorgen machen muss.

Schwer fällt es mir die Kontrolle über meinen Sohn abzugeben. So hatten wir es beispielsweise schon so, dass meine Schwiegermutter mich entlasten wollte und den Kleinen zu sich genommen hat, weil sie ihn eben auch länger haben wollte. Wir waren dann in der selben Wohnung im Zimmer meines Mannes, aber es fiel mir sehr schwer, weil ich das so eben noch nicht gewöhnt war, aber letztendlich habe ich es zugelassen und finde es auch für den Kleinen gut, wenn er Zeit mit der Oma hat.

Benutzeravatar

» Ramones » Beiträge: 45872 » Talkpoints: 4,32 » Auszeichnung für 45000 Beiträge


Ich bin ein ziemlich unlockerer Mensch und Kontrollfreak, wie es so schön heißt. Das ist wohl wie so oft teilweise genetisch, teilweise durch die Erziehung bedingt. Meine Eltern waren noch vom "alten Schlag" und der Auffassung, dass ihre Kinder es einmal "besser haben" sollten. Und die für sie einzige Möglichkeit dafür war im Prinzip Disziplin und harte Arbeit für gute Noten, einen halbwegs passablen Job und folglich bescheidenen materiellen Wohlstand. Wie in ihrer eigenen Jugend eben auch.

Und wenn von Anfang an vermittelt wurde: OK, wir zahlen dir die Musikschule, aber dafür wird täglich geübt und nach einem Jahr hinschmeißen kannst du auch vergessen, selbst wenn du komplett talentfrei bist! entstehen Erwachsene, die sich aktiv zwingen müssen, auch mal etwas locker auszuprobieren und damit zu leben, wenn sich kein Erfolg einstellt. Selbst wenn es um nichts geht, wie damals bei der blöden Turngruppe in der Grundschule. Und irgendwelche völlig "sinnfreien" Hobbys wie Fan von irgendwas oder irgendwem zu sein oder einfach nur Spaß zu haben, wurde in meinem Elternhaus durchweg kritisch beäugt.

Auch deswegen bin ich bis heute insgeheim der Auffassung, dass man allen Leuten stramm auf die Finger schauen und lieber selber noch mal kontrollieren und nachhaken muss, damit die ihre Arbeit auch richtig machen. Ich bemühe mich zwar, mich auch mal darauf zu verlassen, dass nichts schiefgeht, aber oft genug empfinde ich mehr Stress dabei, anderen beim Stümpern zuzusehen, als wenn ich sage: Gib her, ich mach das! und in 10 Minuten das gewünschte Ergebnis erziele-.

» Gerbera » Beiträge: 9984 » Talkpoints: 1,81 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Ich gebe die Kontrolle über mein Leben dauernd ab und es fällt mir meistens nicht schwer. Ich fahre zum Beispiel mit dem Bus, verlasse mich darauf, dass der Vermieter dafür sorgt, dass die Heizung regelmäßig gewartet wird, und vertraue darauf, dass der Bauer seine Felder nicht mit verbotenen Giften besprüht.

Als die Kinder noch im Kindergarten oder in der Schule waren, habe ich die Kontrolle komplett an Erzieher und Lehrer abgegeben, was mir nur am Anfang etwas schwer fiel. Gestern war ich beim Hautarzt und habe mich darauf verlassen, dass er mit seinem lupenähnlichen Gerät erkennt, ob ein warzenähnliches Gebilde Hautkrebs ist oder nicht. Ich habe da nicht noch einmal selber kontrollieren wollen, sondern auf seine Expertise vertraut. Von morgens bis abends gebe ich die Kontrolle ab und es fällt mir nicht schwer. Nachts wache ich nicht regelmäßig auf und kontrolliere meinen Puls, sondern ich verlasse mich darauf, dass dies mein Körper schon richtig macht.

Auch bei jeder politischen Wahl gibt man die Kontrolle über sein Leben ab und verlässt sich zum Beispiel darauf, dass die Steuerexperten die Steuergesetzgebung schon irgendwie gerecht gestalten. Wenn ich im Urlaub bin, verlasse ich mich darauf, dass meine Nachbarin meine Blumen gießt, und rufe nicht täglich an, um sie daran zu erinnern.

Auch im Arbeitsleben kann ich durchaus die Kontrolle abgeben. Das Ergebnis kontrolliere ich allerdings, wenn ich dafür verantwortlich bin. Aber Delegieren bereitet mir keine Probleme. So gesehen bin ich eher kein Kontrollfreak. Ich gebe die Kontrolle gerne ab, weil es entweder bequem ist oder gar nicht anders geht. Als Beifahrer bin ich zwar auch eher nervös und sage auch schon mal, dass mir der Fahrer zu schnell fährt. Aber selber fahren möchte beziehungsweise könnte ich nicht.

» blümchen » Beiträge: 3381 » Talkpoints: 14,28 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Mir fällt es in fast allen Lebensbereichen schwer die Kontrolle abzugeben. Dabei gibt es kaum Ausnahmen - sowohl auf der Arbeit als auch beim Autofahren habe ich das Gefühl, dass etwas schief geht, wenn ich keine Kontrolle mehr habe. Auch bei Planungen oder Unternehmungen muss wirklich alles recht detailliert durchgeplant sein. Ich tue mich sehr schwer damit Sachen komplett spontan zu entscheiden - wenn Samstags geplant ist, dass wir zu einer Ausstellung gehen, aber noch nicht genau wissen wann, dann ist das für mich in Ordnung. Wenn aber so gar nichts für den Samstag geplant ist und erst an dem Tag entschieden wird, was wir unternehmen werden, dann stört es mich doch massiv.

Vor allem beim Autofahren ist es aber sehr schlimm. Ich fahre nach einigen schlechten Erfahrungen als Beifahrer, wo der Fahrer absolut rücksichtslos gefahren ist, sodass man fast einen Unfall hatte, nicht mehr gerne bei anderen Leuten mit. Ich steige nur noch bei Leuten ins Auto, die ich schon länger kenne und bei denen ich auch weiß, dass sie gut fahren. Ansonsten bevorzuge ich es selbst zu fahren, auch, wenn es für mich umständlicher ist und ich dann vielleicht draufzahle, weniger Zeit habe oder auch mein Auto dafür “verbraucht” wird. Alles ist mir lieber als mich von Fremden mitnehmen zu lassen. Dafür würde ich dann wohl auch lieber im Regen ein paar Kilometer nach Hause laufen. :lol:

Auch auf der Arbeit fällt es mir schwer die Kontrolle abzugeben. Im Krankenhaus geht es nicht darum, dass die Ware am Ende des Tages im richtigen Regal steht und mit dem richtigen Preis ausgezeichnet ist, sondern um den Gesundheitszustand der Menschen. Grade dann, wenn es um Medikationen geht, kümmere ich mich lieber selbst um meine Patienten und übernehme die Aufgaben alleine als dass ich mir von Auszubildenden oder nicht zuverlässigen Kollegen helfen lasse - dann wäre ich vielleicht schneller fertig, aber muss mit dem Risiko leben, dass etwas schief geht und das möchte ich nicht.

Ich denke aber, dass solche Situationen, in denen es einem schwer fällt, dass man die Kontrolle abgeben soll, vor allem mit negativen Erfahrungen abhängt. Diese können sehr ähnlich sein, wie bei mir und vielen anderen Leuten mit dem Auto fahren, also dass man als Beifahrer schon schlechte Erfahrungen gesammelt hat, oder einfach allgemein Vertrauensproblemen, die sich dann nur auch auf andere Lebensbereiche übertragen.

» Hufeisen » Beiträge: 5959 » Talkpoints: 9,14 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^