Hochzeit mit Gehörlosen - wie Verständigung organisieren?

vom 08.06.2013, 12:19 Uhr

Meine Freundin ist mit einem gehörlosen Mann zusammen und auch wirklich sehr glücklich. Sie hat nach und nach die Zeichensprache gelernt und kann sich nun komplett mit ihm verständigen. Das hat sie auch wirklich alles schnell gelernt und so schwierig war es nun auch nicht. Nun hat sie aber den Willen ihn irgendwann auch zu heiraten. Das Problem dabei ist es eigentlich, dass ihre Familie die Gehörlosensprache nicht kann und sie immer noch übersetzt, was er sagt. Sicherlich, ihre Eltern lernen es nun langsam, aber die anderen Familienmitglieder nicht und daran wird sich sicherlich auch nicht so schnell was ändern.

Nun ist sie wirklich so verliebt, dass eine Hochzeit auch in naher Zukunft stattfinden könnte und sie will natürlich auch mit allen Familienmitgliedern feiern. Diese würden ja aber nicht verstehen, was ein Standesbeamter sagen würde, wenn das in Gehörlosensprache gesagt wird. Kann man das generell auch in gehörlosen Sprache und normaler Sprache machen? Zudem kann die Braut ja auch nicht den ganzen Abend übersetzen. Wie würdet ihr die Verständigung organisieren?

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» Ramones » Beiträge: 35825 » Talkpoints: 43,26 » Auszeichnung für 35000 Beiträge



Ich würde in dem Fall, wenn der Mann nicht von den Lippen ablesen und sich auch sonst nicht artikulieren kann, einen Dolmetscher engagieren. Bei der Hochzeitszeremonie selbst ist auch ein Dolmetscher dabei. Meine Schwägerin ist taub, spricht aber nicht in der Gebärdensprache, sondern hat das Sprechen gelernt und liest alles von den Lippen ab. Anscheinend gibt es da zwei verschiedene Richtungen. Die Eltern meiner Schwägerin hatten die Methode des Lippenablesens gewählt.

Ich weiß nicht, ob nicht vielleicht mittlerweile beides gleichzeitig gelehrt wird. Die Eltern meiner Schwägerin mussten sich damals entscheiden und sind gut damit gefahren. Obwohl völlig taub, kann sich meine Schwägerin mit den Leute fast normal (bis auf eine merkwürdig monotone Stimme) unterhalten. Es ist aber in Gesellschaft manchmal anstrengend, wenn es laut ist und sie zwar alles versteht, aber ich sie aufgrund des Lärms nicht.

Aber wenn der Mann nur die Gebärdensprache beherrscht,würde ich ihm einen Dolmetscher zur Seite stellen, der in beide Richtungen übersetzt.

» anlupa » Beiträge: 10355 » Talkpoints: 0,10 » Auszeichnung für 10000 Beiträge


Ich würde mir da nicht allzu viele Sorgen und Gedanken machen! Eine Freundin aus meiner Schulzeit hat gehörlose Eltern. Es sind also beide gehörlos. Meine Freundin ist jedoch nicht gehörlos. Ich habe es zu Schulzeiten schon toll gefunden, dass ihre Eltern trotzdem zu Schulveranstaltungen gekommen sind. Große Verständigungsprobleme gab es eigentlich nie. Zugegeben, es war wohl sicher auch ein großer Vorteil, dass sie auch recht gut von den Lippen lesen konnten, zumindest wenn man nicht zu schnell und auch nicht zu laut gesprochen haben. Man kann scheinbar nämlich besser von den Lippen ablesen, wenn man eher leise spricht.

Auf einer Hochzeit mit einem gehörlosen Bräutigam war ich zwar noch nicht, aber ich kann es mir nicht allzu problematisch vorstellen. Warum sollte der Standesbeamte die Trauung nur in Gebärdensprache vollziehen, wenn "nur" der Bräutigam gehörlos ist? Ich würde in deinem beschriebenen Fall einfach eine Übersetzung für den gehörlosen Bräutigam dazu machen. Der Bräutigam wird ja wohl auch sicher Freunde haben, die ebenfalls die Gebärdensprache beherrschen. Also er wird ja wohl nicht nur seine zukünftige Frau kennen, die die Gebärdensprache beherrscht. So würde ich eben so einen Freund darum bitten. So braucht die Braut nicht alles übersetzen und die gehörlosen Beteiligten können ebenfalls alles mitbekommen.

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» tournesol » Beiträge: 7532 » Talkpoints: 10,40 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Für die Zeremonie selber würde ich einfach zwei Pastoren oder einen Pastor und einen Übersetzer heranziehen. Es wird vorher abgesprochen, was gesagt wird und dann sagt es der eine es eben mit Stimme und der andere mit den Händen. Es werden ja bestimmt auch Freunde vom Bräutigam kommen, die ebenfalls taub sind und die Gebärdensprache können.

Für den Rest des Abends würde ich wohl keine weiteren Vorkehrungen treffen. Vielleicht den Übersetzer da behalten, wenn Reden gehalten werden. Aber ansonsten ist es der Mann doch gewohnt, sich als Gehörloser unter Hörenden zu bewegen und wird da wahrscheinlich schon so seine Tricks haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er gar nicht von den Lippen lesen kann. Und einen Block wird er auch immer bei sich haben. Die kann man ja auf der Hochzeit auf den Tischen platzieren. Aber ihm den Übersetzer wie einen Bodyguard zur Seite zu stellen, würde ich als sehr unangenehm empfinden.

Wenn er kein Problem damit hat, seine Behinderung so in den Mittelpunkt zu stellen, kann man ja für die anderen Gäste am Anfang auch drauf eingehen. Es gibt einige Verhaltensweisen, die die Kommunikation vereinfachen, z.B. sollte man erst winken, wenn man etwas sagen will und warten, bis einen der Gehörlose ansieht. Vielleicht könnte man dazu auch gut einen Sketch vorführen, der das ganze lustig darstellt. Sketche sind ja durchaus üblich auf Hochzeiten.

Ansonsten würde ich den Schwerpunkt auf die Party legen. Da muss man nicht reden und kann trotzdem viel Spaß miteinander haben. Wenn man einen hölzernen Tanzboden hat, können Gehörlose auch zur Musik tanzen, weil sie die Vibrationen der Bässe spüren. Es finden immer mal wieder Partys für Gehörlose statt, die dann mehr auch die anderen verfügbaren Sinne ansprechen. Es gibt sogar Gebärdentänzer, die die Texte der Songs beim Tanzen übersetzen.

Das Wichtigste ist wohl, es mit dem Bräutigam abzusprechen. Er kennt sich aus und was auch immer stattfindet, muss ihm gefallen und angenehm sein. Der Braut natürlich auch.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9457 » Talkpoints: 21,72 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Was spricht dagegen einen Dolmetscher zu engagieren? Ich habe solche Dolmetscher schon einige Male beobachten können und wenn es die Braut so entlasten würde und sie sich dann auf andere Dinge bei der Hochzeit konzentrieren kann spricht doch nichts dagegen. Da man für eine Hochzeit eh schon so viel Geld ausgibt, kommt es auf das bisschen Geld für einen Dolmetscher auch nicht mehr an.

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» Täubchen » Beiträge: 21492 » Talkpoints: 0,31 » Auszeichnung für 21000 Beiträge


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