Was gehört für euch selbstverständlich zur Bürgerpflicht?

vom 11.06.2018, 05:52 Uhr

Es gibt bereits eine Definition, was unter Bürgerpflicht verstanden wird. Damit sind Pflichten gemeint, die sich aus der Staatsbürgerschaft ergeben wie zum Beispiel Hilfe bei Wahlen oder der Einsatz in Katastrophenfällen. Ein Bekannter von mir meint, dass es auch eine Bürgerpflicht wäre, zum Arzt zu gehen, wenn man Beschwerden hat und man nicht wahllos irgendwelche Tabletten und Schmerzmittel einwerfen sollte. Was gehört für euch persönlich zur Bürgerpflicht, was nicht bei Wikipedia aufgelistet ist? Oder meint ihr, dass die Liste vollständig ist?

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» Täubchen » Beiträge: 26035 » Talkpoints: 0,17 » Auszeichnung für 26000 Beiträge



Für mich gehört eigentlich gar nichts zur Bürgerpflicht. Auch nicht bei Wahlen zu helfen. Warum soll ich denn bei Wahlen helfen? Wahnsinn doch nur eine Institution, die dazu dienen soll, eine bestimmte Klasse, nämlich die Politiker, in ihren Ämtern zu halten und den dazu zu helfen, dass sie weiterhin ihre hohen Gehälter oder hohen Diäten erhalten können.

Dahintersteckt ja eigentlich gar nicht unbedingt der Wunsch, das Land voranzubringen, sondern die wollen halt ihre Positionen erhalten, weil viele Politiker ansonsten keinen normalen Job hätten. Das habe ich ja gesehen, als ich meinen einer Partei aktiv war. Da gibt es ganz viele, die haben gar keinen normalen Beruf, die haben zwar irgendwas studiert, aber haben da nie irgendwas praktisch gemacht, wollen dann aber in den Stadtrat oder in den Landtag, weil sie ansonsten nicht wissen wo sie beruflich hin sollen. Daran habe ich kein Interesse, so ein System zu unterstützen und zu unterhalten.

Ich sehe eigentlich gar nichts als meine Bürgerpflicht an. Man muss in diesem Land schon so viele Dinge machen, die in irgendeiner Weise vorgeschrieben sind. Das fängt ja schon dabei an, dass du eine Steuererklärung machen muss, dass Leute entweder gezwungen werden die selber zu machen und sich mit diesem ganzen umfangreichen Zeug auseinanderzusetzen oder dass man zu einem Steuerberater gehen muss und dafür Geld dafür bezahlen muss.

Mir wäre eine Organisation lieber, indem man solche Verpflichtung nicht hätte. Das geht weiter darüber dass man Steuern und Sozialbeiträge abführen muss und keinerlei Einfluss darauf hat, was mit diesen Geldern geschieht, sondern die werden einem einfach weggenommen und dann sind sie weg und man bekommt sie nie wieder.

» Zitronengras » Beiträge: 8499 » Talkpoints: 7,48 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


Mir wäre neu, dass Wahlhelfer eine Pflichtveranstaltung darstellt. Vielmehr handelt es sich dabei zumindest hierzulande um ein staatsbürgerliches Ehrenamt, aber mitnichten um eine Pflicht, genauso wie die Katastrophenhilfe. Sonst würde man ja von Staats wegen Ärger bekommen, wenn man sich davor drückt bzw müsste nachweisen, dass man keine Sandsäcke schleppen kann. (Und wer Wikipedia-Artikel lesen kann, ist klar im Vorteil.)

Ich selber kenne als gängige Bürgerpflichten nur die Wehrpflicht. In anderen Ländern kann man vielleicht als Schöffen verpflichtet werden, je nach Rechtssystem, und anscheinend auch zur Feuerwehr, wie bei unseren exzentrischen Nachbarn, den Schweizern. Alles darüber hinaus ist zumindest hierzulande glücklicherweise freiwillig. Es lebe die Demokratie!

Ich bin auch nicht der Meinung, dass man diesen nicht-existenten Pflichtenkatalog zwangsläufig erweitern müsste, weil ich die Freiheit des Einzelnen zur individuellen Lebensgestaltung sehr schätze, und weil der Aufwand, etwa gesunde Ernährung oder ähnlichen Firlefanz zur "Bürgerpflicht" zu machen, in keinem Verhältnis zum Ergebnis steht. Dann müsste der Staat schließlich auch Vorgaben setzen, Ergebnisse überprüfen und Sanktionen verhängen. Und das wäre eher ein Fall für einen dystopischen Roman, wenn Big Brother dahinter her ist, ob du deinen Körper gesund und wehrfähig hältst. :roll:

» Gerbera » Beiträge: 6827 » Talkpoints: 5,25 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



Gerbera, Wahlhelfer sein, das ist tatsächlich eine Pflichtveranstaltung. Wenn sich nicht genug Freiwillige finden, werden Bürger schlichtweg verpflichtet. Und wer das einmal freiwillig gemacht hat, der ist immer wieder dran. Wahlhelfer ist ein verpflichtendes Ehrenamt. Wer den Brief bekommt, sollte antreten, denn sonst gibt es schnell ein Bußgeld von 250 bis 500 Euro. Begründet absagen, das geht natürlich. Aber die Gründe müssen überzeugen.

Ich habe bei der letzten Wahl nach einer fiesen Zahnbehandlung im Wahllokal gesessen, weil der Zahnarzt nicht krankschreiben wollte. Und morgens um fünf sollte ich dann auch nicht mit dem Notdienst diskutieren. Das hätte ich aber müssen, um aus der Nummer rauszukommen. Da waren viele Schmerztabletten besser. Notfalls hätte ich mich währenddessen entschuldigt, zu christlicher Zeit wäre der Notdienst wohl gnädiger gewesen.

» cooper75 » Beiträge: 10287 » Talkpoints: 82,31 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Echt? Danke für die Aufklärung/Warnung, das war für mich als Dorfkind, wo immer die gleichen fünf Hanseln Stimmzettel auszählen, völlig neu. Also gut, dann auch Wahlhelfer. :D Aber dennoch bleibe ich dabei, dass die erwähnte "Pflicht", zum Arzt zu gehen oder ähnliche Maßnahmen der Selbstfürsorge, die mit der Gemeinschaft erst einmal nichts zu tun haben, nichts mit "Bürgerpflichten" zu tun haben.

Und mit Selbstverständlichkeit auch nicht, weil, wie schon erwähnt und erläutert, die Bürger gar nicht gefragt werden, ob es für sie dazu gehört, sondern man wird einfach von "oben" rekrutiert. Da bin ich wirklich ganz froh, dass der Katalog von Bürgerpflichten immer noch übersichtlich bleibt. Hoffe ich zumindest.

» Gerbera » Beiträge: 6827 » Talkpoints: 5,25 » Auszeichnung für 6000 Beiträge


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