Klammern bei Eltern verhindern?

vom 31.12.2012, 03:08 Uhr

Der Bruder einer Freundin von mir ist 17 Jahre alt und wohnt noch zu Hause bei seiner Mutter. Meine Freundin ist aus dem Haushalt schon ausgezogen und hat nur noch Kontakt zum Bruder, nicht jedoch zur Mutter. Der Grund dafür liegt darin, dass die Mutter immer zweiklassig erzogen hat, sie hat den Sohn stets bevorzugt und meine Freundin war das fünfte Rad am Wagen.

Die Mutter meiner Freundin klammert total an ihrem Sohn, aus Erzählungen habe ich den Eindruck, dass sie den Sohn ein wenig als Partnerersatz sieht, denn dieser hat sie verlassen. Der Junge ist über ein Jahr nicht zur Schule gegangen, weil die Mutter ihn lieber bei sich haben wollte, sie ist mit dem Sohn in die Stadt gegangen, hat mit ihm Unternehmungen gemacht und dafür gesorgt, dass der junge Mann nur noch sie und keine sonstigen Freunde hat.

Nach einem Jahr hat das Jugendamt endlich eingegriffen, der Junge kam in eine psychiatrische Einrichtung für Kinder, weil er laut Schulpsychologe (dieser kam nach Hause) unter einer Phobie vor Schulen leiden würde. Für die Mutter war die Entnahme des Kindes aus dem Haushalt ein Schock, sie ist fast täglich die 100 Kilometer zur Einrichtung gefahren und hat den Sohn besucht und ihn zum abhauen überredet. Dreimal ist er weggelaufen, kam dann bei seiner Mutter unter, doch dann hörte er damit auf und fügte sich den Regeln der Einrichtung (Klinik).

Nach einem halben Jahr konnte der Junge entlassen werden, hatte während des gesamten Aufenthalts in der klinischen Einrichtung auch regelmäßig die Schule besucht. Mit dem Jugendamt wurde vereinbart, dass der Junge in eine betreute Wohngruppe ziehen solle, um dem Einfluss der Mutter zu entgehen. Dort wohnte er exakt drei Tage, dann ging er zurück zur Mutter, weil diese ihn emotional so unter Druck setzte, dass er sich in der Verantwortung sah.

Nun lebt er wieder bei seiner Mutter und diese klammert weiterhin an ihm. Jegliche Unternehmungen finden nur zusammen mit der Mutter statt, die Schule besucht er auch kaum, es findet sich schließlich immer ein Arzt, der eine Krankmeldung ausstellt. Meine Freundin weiß nicht, wie sie ihrem Bruder helfen kann, denn er äußert immer wieder, dass die Mutter niemanden habe und das er sich um sie kümmern müsse.

Kennt ihr solche Eltern, die ihre Kinder nicht erwachsen werden lassen? Findet ihr diesen Fall auch so bedenklich wie ich, da der Junge ja in seiner kompletten Entwicklung und Schullaufbahn total geschädigt wird? Was kann man bei solchen Eltern machen, die es mit der Liebe übertreiben und am liebsten 24 Stunden am Tag mit dem Kind verbringen würden?

» Jess0708 » Beiträge: 715 » Talkpoints: 47,47 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Nein, in der Form kenne ich das glücklicherweise nicht. Aus der Entfernung und ohne die Familie zu kennen würde ich aber sagen, dass der Junge ganz dringend von seiner Mutter weg muss. Da hat man ja leider nicht mehr lange Handlungsspielraum, wenn wenn er erst einmal 18 Jahre alt ist, kann er tun und lassen was er will, beziehungsweise wohnen wo er will. Man müsste ihn jetzt aus der Familie heraus nehmen.

Es ist auch schwer zu sagen, ob er wirklich eine Schulphobie hat, oder ob die Mutter ihm das eingeredet hat. Vielleicht mag er auch deswegen nicht mehr zur Schule gehen, weil er durch sie alle Kontakte verloren hat. Dann ist es auch nicht verwunderlich, wenn jemand nicht mehr gern zur Schule geht.

Vielleicht sollte sich die Schwester schon einmischen, wenn sie Kontakt zu ihrem Bruder hat. Vielleicht kann sie ihn auch zu sich nehmen? Erst einmal würde ich aber noch einmal das Jugendamt informieren. Er macht sich damit so sein Leben kaputt, beziehungsweise ist im Grunde ja die Mutter daran Schuld. Das wird ihm aber auf die Füße fallen und er ist dann derjenige, der das ausbaden muss.

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» winny2311 » Beiträge: 14910 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


Ich kenne das durchaus, aber auch nicht in so einer extremen Form. Das was die Mutter deiner Freundin da macht ist schon krass, schon allein deine Aussage, dass sie ihren Sohn eventuell als Partnerersatz ansieht.

Dass Eltern klammern, kommt aber des öfteren vor. Meistens sind es auch die Mütter, die das machen und nicht die Vätern. Meine Mutter ist glücklicherweise nicht so. Sie sagt mir zwar auch zur Zeit immer öfters, dass sie mich vermisst, weil ich so viel unterwegs bin und mich umso mehr vermissen wird, wenn ich nächstes Jahr ausziehe, aber sie würde mir deswegen nie Vorschriften machen, um mich öfters zu sehen oder ähnliches.

Das Verhalten das Klammerns habe ich bei der Mutter meines Freundes erlebt. Ich verstehe den genauen Hintergrund ehrlich gesagt nicht, denn eigentlich müsste sie merken, dass, je mehr sie an ihrem Sohn festhält und ihm Dinge verbietet und ihn zu Dingen zwingt um ihn bei sich zu haben, desto schlechter ist er auf sie zu sprechen und desto mehr entfernt er sich zumindest in emotionaler Hinsicht zu ihr. Sie scheint aber nicht zu merken, dass sie genau das Gegenteil damit erreicht, was sie eigentlich vorhat. Das ist schon ein wenig traurig, aber sie kapiert es einfach nicht.

Ich bin überzeugt davon, dass ein Kind viel eher sich zu den Eltern hingezogen fühlt, wenn sie es nicht dazu zwingen, sondern ihm viele Freiheiten lassen. Ich erzähle meiner Mutter viel von meinem Leben, aber das geschieht alles auf freiwilliger Basis. Wenn sie mich dazu drängen würde, würde ich wahrscheinlich kein Ton sagen, aber ich habe eben das Vertrauen zu ihr, weil sie auch das Vertrauen in mich hat, dass ich nichts dummes anstelle, wenn sie mir gewisse Freiheiten lässt.

» *sophie » Beiträge: 3503 » Talkpoints: 0,06 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Wie hier schon gesagt wurde, ist die Form schon sehr extrem. Mich würde es sehr interessieren, wie genau die Mutter ihren Sohn unter Druck setzt. Und auch wie lange das schon so geht. Normalerweise hätte meiner Meinung nach das Jugendamt viel früher reagieren müssen. Jetzt scheint es mir dafür bereits zu spät, wenn der Sohn schon so unter dem Einfluss seiner Mutter steht.

Genauso kann ich nicht verstehen, wie es überhaupt möglich ist, 1 Jahr lang nicht zur Schule zu gehen. Das muss doch bereits viel früher aufgefallen sein. Für mich ist das Ganze absolut unverständlich. Sowohl was die Mutter angeht wie auch die zu späte Reaktion des Jugendamtes.

» Lady86 » Beiträge: 671 » Talkpoints: 12,73 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Mich würde auch mal interessieren, inwiefern die Mutter den Sohn erpresst. Dass ihm das gelegen kommt, wenn er nicht zur Schule muss und auf der Welle der Schulphobie mitreitet, wundert mich eher weniger. In dem Alter haben die meisten Jugendlichen sowieso nicht viel Lust, zur Schule zu gehen. Dass er dafür aber billigend in Kauf nimmt, permanent der Mutter zur Verfügung zu stehen, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Nach dem x-ten Stadtbummel mit Mami muss ihm das doch zu den Ohren rauskommen und er müsste der Schule die Tür einrennen. Oder zumindest behaupten, hingehen zu wollen, um sich dann irgendwo anders herum zu drücken.

Was ich überhaupt nicht verstehen kann, ist, dass der Mutter so gar nicht bewusst ist, was sie ihrem Sohn damit, auf lange Sicht gesehen, antut. De beiden scheinen sich ja weitgehend von anderen zu isolieren. Ist ihr denn gar nicht bewusst, dass ein junger Mensch Kontakt zu Gleichaltrigen braucht? Er muss doch auch einen ordentlichen Schulabschluß und eine Ausbildung machen, von irgendwas muss er doch mal leben.

Das Jugendamt wir das wenig Handhabe haben, wenn die Schulpflicht erfüllt, und die endet mit 16. Wenn er bis dahin keinen Abschluß hatte, obliegt es ihm selbst, ob er noch einen machen will. Fest steht jedenfalls, dass der Junge in einer äußerst ungesunden Beziehung zu seiner Mutter lebt, und dass da anscheinend niemand eingreift und das gerade rückt, der die Mutter mal ins Gebet nimmt und den jungen Mann von eventuellen Schuldgefühlen befreit.

» Thaddäus » Beiträge: 1013 » Talkpoints: 23,30 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


winny2311 hat geschrieben:Aus der Entfernung und ohne die Familie zu kennen würde ich aber sagen, dass der Junge ganz dringend von seiner Mutter weg muss. Da hat man ja leider nicht mehr lange Handlungsspielraum, wenn wenn er erst einmal 18 Jahre alt ist, kann er tun und lassen was er will, beziehungsweise wohnen wo er will. Man müsste ihn jetzt aus der Familie heraus nehmen.

Was bringt das? Bei der Geschichte wird die Mutter ihn auch emotional und psychisch klein halten, dass er gar nicht erst das Bedürfnis hat, sich abzunabeln und zu emanzipieren. Sie wird ein emotionales Abhängigkeitsverhältnis geschaffen haben und nicht wollen, dass er selbstständig und unabhängig wird. Daher soll er auch nicht zur Schule, dann hat er keine Chance auf einen Beruf und dergleichen. Da bringt es nichts, wenn man ihn "nur" von seiner Mutter räumlich trennt. Der emotionale Einfluss wird trotzdem bleiben. Da muss man schon schwerere Geschütze auffahren wie ein Kontaktverbot oder so etwas.

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» Täubchen » Beiträge: 16084 » Talkpoints: 0,65 » Auszeichnung für 16000 Beiträge


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