Durch Zufütterung von Wildtiere die Jagd fördern?

vom 11.01.2017, 10:12 Uhr

Gestern habe ich eine Art Talkshow gesehen, in der es um das Thema Jagd ging. Unter anderem wurde dort gesagt, dass es eigentlich Ziel sein sollte, so wenig Wildtiere wie möglich abzuschießen, um die Population im Rahmen zu halten. Ein Auslöser dafür, dass viele Wildtiere geschossen werden müssten, wäre die Zufütterung im Winter. Dadurch würde die Population gefördert werden, weil eben weniger Tiere versterben. So hätten die Jäger dann auch mehr Tiere zu schießen, um den Bestand zu kontrollieren.

Ein Experte meinte, dass man die Zufütterung im Winter einstellen sollte und so für eine natürlichere Ausdünnung des Bestandes sorgen sollte. Aber anscheinend finden es einige Jäger wohl toll, wenn sie eben viel Wild schießen können und stellen diese Zufütterung nicht ein.

Meint ihr, dass es wirklich viel ausmachen würde, wenn man die Zufütterung einstellen würde? Meint ihr, dass wirklich die Freude am Abschuss dahinter steckt und nicht etwa der Gedanke an das Wohl der Tiere und das sie eben gut über den Winter kommen? Sollte die Zufütterung im Winter vielleicht nur noch unter bestimmten Bedingungen erlaubt werden?

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» Nelchen » Beiträge: 23728 » Talkpoints: 2,95 » Auszeichnung für 23000 Beiträge



Naja, ich denke mal, dass es in erster Linie ums Geld bzw. das Wildfleisch geht. Wenn es den Jägern nur ums Töten ginge könnte man ja auch Waschbären und Dachse füttern. Das macht aber niemand, weil kein Mensch Waschbärfleisch kauft. Wenn das Zufüttern dazu führt, dass mehr Wildfleisch auf den Markt kommt finde ich das gut. Artgerechter kann ein Tier doch nicht leben bevor es auf dem Teller landet.

» Sternenbande » Beiträge: 1229 » Talkpoints: 69,51 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Erstens ist die Zufütterung nur unter sehr genau definierten Bedingungen möglich. Zweitens was bleibt den Jägern denn übrig? Wenn der Jäger dem Rotwild kein Heu zur Verfügung stellt, schälen die Tiere die Rinde von den Bäumen. Das mag der Waldbesitzer nicht, weil die Bäume dann weniger Gewinn bringen.

Nur muss eben der Jäger den Schaden bezahlen. Das ist erstens teuer und zweitens bekommt er auf Dauer die Pacht nicht verlängert. Wer hat schon das Geld, um für 5 Hektar Schaden mal eben 10.000 Euro oder mehr zu ersetzen?

» cooper75 » Beiträge: 8507 » Talkpoints: 5,50 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Man muss es schon unterscheiden, ob das eine gewollte Zufütterung ist damit kein Schaden entsteht wie cooper es beschrieben hat, oder ob das einfach durch Tierschützer aus den falschen Gründen gemacht wird und sich auf diese Weise die Population nicht selbst reguliert und dann geschossen werden muss. Das will nur niemand sehen und man meint immer etwas gutes zu tun, wenn man auch genug Futter für die Wildtiere zur Verfügung stellt und damit nicht bedenkt, dass er ebenfalls damit eingreift und dafür sorgt, dass mehr geschossen werden muss als es der Fall wäre, wenn eben nur der Jäger zufüttert und nicht jeder Hinz und Kunz aus eigenem Interesse.

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» Sorae » Beiträge: 19355 » Talkpoints: 0,43 » Auszeichnung für 19000 Beiträge



Die Annahme, dass das Wild sich von allein reguliert, ist sowieso Humbug, wenn man das Gelände nutzt. Hier in NRW gibt es fast keine Flächen, die nicht genutzt werden. Allerdings sind viele dieser Flächen natürlich bestens für Wildtiere geeignet. Außerdem liefern sie auch bei den hier üblichen Wintern genügend Futter.

Aus Sicht des Wildes ist hier also alles bestens, wenn man von den gefährdeten und wenig anpassungsfähigen Arten absieht. Letztere werden aber nicht durch Futterstellen gefördert. Eigentlich geht hier sogar ganz ohne Zufütterung erheblich mehr Wild, es ist genug Platz und Futter für Rehe, Wildschweine, Kaninchen und Hasen da.

Allerdings beschweren sich bereits bei der im Vergleich zum Möglichen geringen Besatzdichte Landwirte und Waldbesitzer über den Schaden. Auch Stadtbewohner haben wenig Interesse an Wildschweinen und Füchsen im Garten und Spaziergänger finden große Horden Wildgänse unzumutbar.

Die regulierte Population ist den Menschen hier doch schon zu viel. Verhungern und selbst regulieren würde sich das nur, wenn man die Tiere einsperrt. Dann reicht natürlich irgendwann das Futter nicht mehr. Aber das möchte dann auch keiner erleben.

Als in einem harten Winter Hunderte Stück Damwild auf einem umfriedeten ehemaligen Truppenübungsplatz in Vierten verhungerten, mussten plötzlich die Jäger von Amts wegen im Akkord schießen, um das Leid zu beenden. Natürliche Auslese wollten die Spaziergänger da nicht sehen. Vorher hatten Jäger lange darauf hingewiesen, dass das passieren wird. Spaß hatten die bei der Ballerei alle nicht.

In den Niederlanden ist es in den Oostvaardersplassen nicht anders. Im Sommer bewundern Touristen das Idyll. Im Winter verrrecken Tausende Tiere elendig und müssen entsorgt werden, um Gesundheitsgefahren zu vermeiden. So viel schaffen die Fleischfresser nicht.

Entweder wir leben mit erheblich mehr Wildtieren und nehmen die störenden Folgen in Kauf. Komischerweise möchte das kaum einer. Oder wir sperren die Tiere ein und lassen der Natur ihren Lauf. Das will dann aber auch niemand mit ansehen müssen. Bleibt die Jagd.

» cooper75 » Beiträge: 8507 » Talkpoints: 5,50 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


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