Denken wir zu sehr in Stereotypen?
Jeder von euch hat sicherlich schon einmal etwas von Stereotypen gehört. Unter dem Begriff Stereotyp versteht man einen starren Eindruck, der nur in geringem Ausmaß mit der Realität übereinstimmt. Dieser kommt vor allem dadurch zustande, dass wir vorschnell urteilen und erst hinterher genau hinschauen. Es handelt sich bei einem Stereotyp jedoch nicht um ein Vorurteil. Während Vorurteile eine generelle Haltung ausdrücken, sind Stereotypen der Teil einer unbewussten Zuordnung, die auch positiv gemeint sein kann.
Es gibt zahlreiche Beispiele für diverse Stereotypen. So heißt es zum Beispiel "Frauen interessieren sich nicht für Technik" oder "Männer interessieren sich nicht für die Belange anderer Menschen". Gerade beim aktuellen Thema über die Flüchtlinge fällt mir wieder auf, dass wir doch recht häufig in Stereotypen denken. So kommt es häufig vor, dass jemand der ausländisch aussieht von der Öffentlichkeit als Flüchtling wahrgenommen wird, obwohl er vielleicht schon viele Jahre hier lebt. Oder aber jemand der gegen die Aufnahme von zu vielen Flüchtlingen ist wird automatisch als Mitglied der rechten Szene abgestempelt.
Das sind jetzt natürlich nur ein paar Beispiele, die mir zu dem Thema zuletzt so allgemein aufgefallen sind. Kennt ihr noch mehr solche Denkweisen aus eurem eigenen Alltag und seid ihr der Meinung uns passiert es mitunter viel zu häufig in solchen Stereotypen zu denken?
Ich halte Stereotypen für völlig unvermeidbar, wenn man wie wir mit derart vielen Menschen in einer Gemeinschaft lebt, dass man unmöglich jedes Individuum persönlich kennen und einschätzen kann. Es gibt zwar Leute, die behaupten, jedem Menschen vorurteilsfrei zu begegnen, aber in meinen Augen kann es gar nicht funktionieren, dass man wirklich keine vorgefassten Meinungen im Umgang mit anderen anwendet.
Wenn ich beispielsweise einen nicht gerade frisch geduschten/rasierten Menschen in vergammelten Klamotten an der Straßenecke die Hand aufhalten sehe, könnte dies natürlich ein Performancekünstler sein oder der örtliche Bankvorstand, der eine Pause von der Gartenarbeit macht und wissen möchte, ob es gerade regnet. Schließlich hat man ja keine Vorurteile. Überspitzt formuliert.
Oder ebenfalls ein banales Beispiel: Wenn ich eine schwere Last zu bewegen habe, und eine 50 kg schwere Frau ebenso um Hilfe bitten kann wie einen 90 kg schweren Mann, würde ich selbstverständlich "ihn" zuerst fragen, obwohl das genau genommen ein geradezu klassisches Beispiel für ein Stereotyp ist. Schließlich kann es ja genauso sein, dass sie in der Rugby-Nationalmannschaft spielt, und locker ihr Körpergewicht stemmt, während er wegen "Rücken" nichts Schweres tragen darf.
Aber natürlich ist es wichtig, sich seiner Stereotypen und Vorurteile wenigstens bewusst zu sein und zumindest die geistige Potenz aufzubringen, diese regelmäßig zu hinterfragen. Man muss es in keinerlei Hinsicht übertreiben und krampfhaft versuchen, offensichtliche Anzeichen zu übersehen, dass jemand ein Flüchtling oder schwanger oder was auch immer ist, aber natürlich auch nicht alle Leute, die so aussehen, als könnten sie..., über einen Kamm scheren. Dafür reicht es nur leider nicht bei jedem.
Ich sehe es wie Gerbera, dieses Denken lässt sich kaum vermeiden und wird man auch weiterhin so beobachten können. Vieles wird bereits in der Erziehung festgelegt, so wird dort auch gerne vermittelt das Frau dieses und jenes nicht kann und Jungen nicht mit Puppen spielen. Auch wenn wir heute eigentlich in einer angeblichen modernen Gesellschaft leben, sorgt ein Junge der mit Puppen spielt doch immer für komische Blicke und ein komisches Denken bei anderen.
Auch das was Gerbera angesprochen hat mit Lasten bewegen kann ich so bestätigen. Auch hier ist das nicht anders, wenn es darum geht einen LKW mit den Sachen zu beladen dann werden zunächst die Männer abkommandiert und die Frauen nur, wenn es sich nicht anders vermeiden lässt. Denn auch hier gehen doch einige davon aus, dass eine Frau nicht in der Lage ist die Lasten mit 100-150 Kilogramm auf den LKW zu bewegen, obwohl das durchaus machbar ist, einfach weil eine generelle körperliche Unterlegenheit angedichtet wird.
Wenn wir nicht in Stereotypen denken würden, würden wir vor Reizüberflutung schreiend in der Ecke hocken. So funktioniert das ganze Gehirn. Alles, was wir sehen, hören oder sonst wahrnehmen, wird automatisch bewertet, eingeordnet und bei Bedarf mit Reaktionen bedacht. Ohne diese Fähigkeit käme man nicht über die Straße, Autofahren wäre unmöglich.
Natürlich hat das auch Nachteile und in vielen Bereichen sollte man das vermeiden. Aber zuerst einmal ermöglicht diese Funktion, überhaupt einen Tag zu überstehen und nicht schon nach dem Aufwachen nicht mehr weiter zu wissen.
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