Wie viel Geld haben eure Ärzte angenommen?

vom 16.07.2016, 15:44 Uhr

Unsere Ärzte werden von den Pharmakonzernen reichlich beschenkt. 575 Millionen Euro waren es laut deren Angaben im letzten Jahr. Wer zugestimmt hat, wurde nun veröffentlicht. Ich habe mal nachgesehen und nur mein Krankenhaus mit einigen tausend Euro entdeckt. Von meinen Ärzten hat keiner Angaben gemacht. Ich gehe davon aus, dass sie ihre Angaben nicht veröffentlichen wollten.

Habt ihr auch schon mal nachgesehen, was eure Ärzte so bekommen haben. Seid ihr dabei auf horrende Summen gestoßen? Beunruhigen euch diese etwa oder seht ihr es als normal an? Wofür könnten diese Gelder gewesen sein?

» Juri1877 » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »

Zuletzt geändert von Mod am 16.07.2016, 17:04, insgesamt 1-mal geändert. Zeige Beitragsversionen


Also auf der aufgeführten Karte ist mein Arzt gar nicht zu finden. Deshalb gehe ich mal davon aus, dass er entweder keine Angaben machen wollte oder dass er wirklich nichts angenommen hat. Da ich großes Vertrauen in diesen Menschen habe und ihm charakterlich auch nicht wirklich zutraue, dass er Gelder angenommen hat, denke ich eher, dass er tatsächlich nichts angenommen hat.

Mich hat eher die Summe des Krankenhauses in meiner Nähe entsetzt, das ich öfters mal aufsuche. Die Summe ist im sechsstelligen Bereich und ich dachte mir beim ersten Blick, dass das happig ist. Da ich aber früher im Krankenhausdienst gearbeitet habe, sehe ich jedoch ebenfalls etwas Sinnvolles an der Sache. Aber es hat mich überrascht.

» Wibbeldribbel » Beiträge: 12618 » Talkpoints: 5,12 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


Ich habe vor Kurzem mitbekommen, dass in einem kleineren Krankenhaus in meiner Region die Abteilung für Geburtshilfe und die Kinderstation geschlossen werden müssen, weil diese Abteilungen das größte Defizit produzieren. Ich habe nun keine Kinder und will auch keine bekommen und habe eh ein anderes Krankenhaus in der Nähe, aber wenn ich dort wohnen würde und Kinder hätte würde ich wohl kein Problem damit haben, wenn die Industrie dieses Krankenhaus sponsert und ich im Notfall dann nicht mehr als eine halbe Stunde zur nächsten Klinik fahren müsste.

Ich habe auf der Karte nun keinen Arzt gefunden, den ich kenne, aber ich habe mal bei ein paar anderen Ärzten nachgeschaut und da stehen oft solche Sachen wie Honorare oder Reisekosten. Da es in meinem Job nicht unüblich ist, dass man von Soft- und Hardwareherstellern hofiert wird damit man auch weiterhin gewillt ist sehr viel Geld in deren Produkte zu investieren und da man für externe Vorträge auch extra bezahlt wird kann ich schlecht den moralischen Zeigefinger heben.

Ich sehe den Einfluss der Industrie auf Ärzte und Kliniken schon kritisch, weil da ja auch immer die Frage im Raum steht ob dann wirklich noch die Interessen der Patienten oberste Priorität haben. Aber ich weiß nicht ob man diesen Einfluss an den Zahlen auf dieser Karte fest machen kann. Also ich glaube nicht, dass jemand, der mehr Geld erhalten hat auch automatisch stärker beeinflusst wird.

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» Cloudy24 » Beiträge: 27476 » Talkpoints: 0,31 » Auszeichnung für 27000 Beiträge



Mein ehemaliger Neurologe führt die Liste mit etwa 200.000 Euro an. Das klingt nach satten Zusatzeinnahmen, aber so ist es nicht. Jeder Vertrag wurde vom Arbeitgeber und teilweise vom Landesrechnungshof kontrolliert und abgesegnet.

Mit diesem Geld ist immer Forschung finanziert worden. Die erste Stroke Unit für Schlaganfallpatienten in Deutschland ist beispielsweise so entstanden. Auch das Geld des letzten Jahres ist verteilt worden. 42.364 Euro hat das Westdeutsche Kopfschmerzzentrum erhalten.

157.695 Euro sind an das Schwindel-Zentrum des Universitätsklinikums Essen geflossen. 65.000 Euro hat die Poolstelle der Uniklinik erhalten, um sie frei innerhalb der Abteilungen zu verteilen. Das sind insgesamt mit 265.059 Euro mehr, als der Spiegel und Correctiv in der Liste angegeben haben.

Das liegt daran, dass 75.000 Euro aus den Vergütungen für die Tätigkeit als Verleger und für Veröffentlichungen nicht aufgeführt worden sind. Der Spitzenreiter der Liste könnte noch mehr sammeln, denn die Allgemeinheit hat viel davon. Es gibt eben solche und solche und nicht alles ist schlecht.

» cooper75 » Beiträge: 13452 » Talkpoints: 524,97 » Auszeichnung für 13000 Beiträge



Ich finde diese Liste nur wenig hilfreich. Zum einen sind viele Ärzte nicht aufgeführt, da ja nur Summen aufgeführt werden bei denen die Empfänger zugestimmt haben und zum anderen weiß man ja nicht was mit dem Geld passiert ist.

So ist es ja schon ein Unterschied, ob da jemand ein horrendes Auftragshonorar für einen Vortrag bekommen hat, damit er ein Medikament im rechten Licht darstellen lässt oder ob da nicht einfach nur Geld für einen Förderverein geflossen ist, der damit ein Hospiz finanziert oder Unterkünfte für die Eltern krebskranker Kinder.

In der Auflistung tauchen diese Beträge aber alle auf. Zudem ist ja vieles was da als Sponsoring verkauf wird, eine Unterstützung bei klinischen Studien, die sonst gar nicht laufen würden. Oder Medizinprodukthersteller, die einen Kongress unterstützen und dafür im Gegenzug in den Pausen an ihrem Stand ihre Produkte vorstellen können.

Ebenso sollte man nicht verkennen, dass zumindest in meiner Gegend die "Spitzenverdiener" ganz einfach oft Chefärzte oder Professoren sind, die das Geld für ihre Klinik einsammeln. Da sind dann aber eben auch teilweise projektgebunde Gelder dabei, die eigentlich Oberärzte oder Assistenten eingesammelt habe.

Ich denke insgesamt, ist das Tool eher eine nette Spielerei, als wirkliches Instrument um zu beurteilen, wie viel Einfluss die Industrie jetzt auf einzelne Ärzte hat.

» Klehmchen » Beiträge: 5508 » Talkpoints: 871,06 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


Ich finde man muss diese Übersicht sehr differenziert betrachten. Nicht jeder Mediziner, der viel Geld nimmt, ist damit negativer zu bewerten. Es ist sehr von der Facharztform abhängig, wie viel Mittel der Arzt von Pharmafirmen überhaupt annehmen kann. Dann gibt es wie die Vorposterin schon erwähnte einige, welche dieses Geld für Forschungszwecke nutzen. Auch bei Krankenhäusern ist es teilweise verständlich, da diese wenn man sich mal mit den Vergütungssystemen beschäftigt, teilweise einfach am untersten Limit zerren, was natürlich aber auch wieder von der Trägerschaft abhängig ist.

Was ich kritisch sehe, sind beispielsweise Gynäkologen, welche viel Geld von Pharmafirmen annehmen. Hier kann man davon ausgehen, dass sie Verträge mit den Pharmafirmen zur Vermittlung hormoneller Verhütungsmittel haben, welche oft wahllos verschrieben werden nur um dieses Geld oder andere Prämien, wie Reisen, zu erhalten. Das hat dann auch nichts mehr mit dem eigentlichem Sinn der Medizin zu tun.

Auch gibt es sicherlich andere Fachärzte, welche die Gelder nicht zum Zwecke für den Patient nutzen, das wird allerdings ebenfalls nicht aus dieser Übersicht ersichtlich. Einige Ärzte die ich kenne sind ebenfalls nicht aufgeführt, wobei ich nicht denke, dass diese gar keine Gelder angenommen haben.

» bambi7 » Beiträge: 1289 » Talkpoints: 28,97 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


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